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Arbeitszeitgesetz: Alles über Arbeitszeit und Pausenzeit

Es gibt allerlei Möglichkeiten, die Arbeitszeit einzuteilen: Schichtarbeit, flexible Arbeitszeiten, Wochenendarbeit. Aber wie lange darf man überhaupt arbeiten und wie sind Ruhezeiten geregelt? Einfach weiter lesen!

So lang ist die maximale Arbeitszeit pro Tag und pro Woche

In Deutschland sorgt das Arbeitsrecht für Ordnung im Berufsleben. Die höchstzulässige Arbeitszeit ist im deutschen Arbeitszeitgesetz geregelt. Hier sind die Rahmenbedingungen für Ruhe- und Pausenzeiten, Nachtarbeit, Schichtarbeit und die Arbeit an Sonn- und Feiertagen festgehalten. Der erste Paragraph lautet:

Zweck des Gesetzes ist es,

  1. die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer in der Bundesrepublik Deutschland und in der ausschließlichen Wirtschaftszone bei der Arbeitszeitgestaltung zu gewährleisten und die Rahmenbedingungen für flexible Arbeitszeiten zu verbessern sowie

  2. den Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung der Arbeitnehmer zu schützen.

Paragraph 3 besagt:

Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu zehn Stunden nur verlängert werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder innerhalb von 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Acht Stunden pro Tag sind also das Maximum. Da als werktägliche Arbeitstage Montag bis Samstag gelten, darf ein Vollzeitbeschäftigter also maximal 48 Stunden pro Woche arbeiten. Saison- oder auftragsbedingt darf die Arbeitszeit pro Tag auf zehn Stunden verlängert werden, diese Überstunden müssen danach aber wieder ausgeglichen werden. Wenn ein Arbeiter also sechs Monate lang wegen eines großen Auftrags zehn Stunden pro Tag arbeitet, darf er die darauffolgenden sechs Monate nur sechs Stunden pro Tag arbeiten.

Für wen gilt das Arbeitszeitgesetz?

Bestimmte Gruppen sind vom Arbeitszeitgesetz ausgeschlossen. Dazu gehören:

  • Leitende Angestellte im Sinne des § 5 Abs. 3 des Betriebsverfassungsgesetzes sowie Chefärzte
  • Beschäftigte im liturgischen Bereich der Kirchen und der Religionsgemeinschaften
  • Leiter von öffentlichen Dienststellen und deren Vertreter sowie Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst, die zu selbständigen Entscheidungen in Personalangelegenheiten befugt sind
  • Arbeitnehmer, die in häuslicher Gemeinschaft mit den ihnen anvertrauten Personen zusammenleben und sie eigenverantwortlich erziehen, pflegen oder betreuen
  • Soldaten
  • Jugendliche unter 18 Jahren
  • Arbeitnehmer als Besatzungsmitglieder auf Kauffahrteischiffen im Sinne des § 3 des Seearbeitsgesetzes

Ruhezeiten im Arbeitszeitgesetz

Nach sechs Stunden arbeit muss eine Ruhepause eingelegt werden. Dem Arbeitnehmer steht dann eine Pause von 30 Minuten zu. Nach neun Stunden verlängert sich diese Pause auf 45 Minuten. Ruhepuasen müssen nicht am Stück genommen werden, sondern können in einzelne kleinere Pausen aufgeteilt werden. Zwischen dem Feierabend und dem Beginn des neuen Arbeitstages müssen mindestens elf Stunden liegen. Diese Regeldung dient der Erholung und muss auch bei Schichtarbeit eingehalten werden. In Einzelfällen, beispielsweise im Krankenhaus, dann diese Erholungszeit auf zehn Stunden verkürzt werden. Allerdings muss diese Stunde an anderer Stelle ausgeglichen werden.

Arbeitszeitgesetz: Nacht- und Schichtarbeit

Jede Arbeit, die zwischen 23 und 6 Uhr verrichtet wird und mehr als zwei Stunden dieser Nachtzeit umfasst, gilt als Nachtarbeit. Bäckereien und Konditoreien bilden eine Ausnahme: Hier gilt die Nachtzeit von 22 bis 5 Uhr. Auch hier darf die Arbeitszeit von acht Stunden nicht überschritten werden – in Ausnahmefällen ist diese Zeit ebenfalls auf zehn Stunden verlängerbar. Alle drei Jahre steht Nachtarbeitern eine medizinische Untersuchung zu, die klärt, ob sie gesundheitlich noch zu der nächtlichen Arbeit in der Lage sind. Die Kosten dafür übernimmt der Arbeitgeber. Arbeitnehmer, die gesundheitlich keine Nachtarbeit mehr leisten können, Kinder unter zwölf Jahren haben oder pflegebedürftige Angehörige versorgen, können sich auf einen Tagarbeitsplatz versetzen lassen, sofern es die betrieblichen Gegebenheiten zulassen.

Arbeitszeitgesetz: Sonntage und Feiertage

Grundsätzlich sind Sonn- und Feiertage für alle Arbeitnehmer frei. Aber hier gibt es einige Sektoren, die eine Ausnahme sind:

  • Not- und Rettungsdienste und Feuerwehr
  • Polizei, Bundeswehr
  • Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen
  • Gastronomie und Hotellerie
  • Musikevents, Theater, Schauspiel und ähnliche Veranstaltungen
  • Kirchen, Religionsgesellschaften, Verbände, Vereine, Parteien
  • Freizeit-, Erholungs- und Vergnügungseinrichtungen
  • tagesaktuelle Medien wie Radio, Presse, bei Nachrichtenagenturen
  • Messen, Ausstellungen, Märkten und Volksfesten
  • Öffentliche Verkehrsmittel
  • Landwirtschaft und Tierhaltung sowie Behandlung und Pflege von Tieren
  • Bewachungsgewerbe und  Bewachung von Betriebsanlagen

Dem Arbeitnehmer stehen mindestens 15 freie Sonntage pro Jahr zu. Wer am Sonntag arbeiten muss, dem steht innerhalb von zwei Wochen ein Ersatzruhetag zu. Fällt ein Feiertag auf einen Werktag und ein Arbeitnehmer muss an diesem Tag arbeiten, darf er ihn innerhalb von acht Wochen ausgleichen. Aber auch hier gibt es Ausnahmen:

  • Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen bekommen nur mindestens zehn freie Sonntage pro Jahr
  • Angestellte in Rundfunk, Theaterbetriebe und Orchester bekommen nur mindestens acht freie Sonntage pro Jahr
  • Arbeitnehmern im Kino und in der Tierpflege bekommen nur mindestens sechs freie Sonntage pro Jahr

Arbeitszeitgesetz: Überstunden sollten eine Ausnahme sein

Überstunden sind Arbeitszeit, die über die vertragliche vereinbarte Arbeitszeit hinausgeht. Der Arbeitgeber darf nur dann zu Überstunden auffordern, wenn es für den Arbeitnehmer zumutbar und für das Unternehmen notwendig ist. Es gibt keine Pflicht für Überstunden, allerdings auch keine gesetzliche Regelung für deren Abbau. Deshalb müssen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber hier einigen. Der Arbeitnehmer hat nur dann Anspruch auf Überstundenausgleich, wenn er den Arbeitgeber über die Überstunden informiert hat und dieser sie genehmigt hat. Überstunden können durch Freizeitausgleich oder gesonderte Zahlungen beglichen werden.

Arbeitszeit unter 18: Jugendliche sind geschützt

Jugendliche unter 18 Jahren sind durch Extraregelungen besonders geschützt:

  • Sie dürfen höchstens 40 Stunden pro Woche arbeiten und nur montags bis freitags. Ausnahme: Branchen, in denen im Schichtdienst gearbeitet wird, dar. Dort ist die Arbeit am Wochenende auch zulässig. Nachtschichten sind in keinem Fall erlaubt.
  • Sie haben längere Pausen. Ihnen steht ab einer Arbeitszeit von viereinhalb Stunden eine Pause von 30 Minuten zu. Die Ruhezeit zwischen zwei Arbeitstagen beträgt mindestens zwölf Stunden. Werden sie sonntags eingesetzt, stehen ihnen mindestens zwei freie Sonntage im Monat als Ausgleich zu

Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz

Verstößt ein Arbeitgeber gegen das Arbeitszeitgesetz, beispielsweise indem er die Ruhezeiten zwischen zwei Arbeitstagen nicht gewährt, kann er mit eine Geldstrafe bis 15.000 Euro belangt werden. Allerdings wird die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes nicht besonders häufig kontrolliert. Dafür ist nämlich der Betriebsrat zuständig und den gibt es nicht in jedem Unternehmen.

 

 


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