Melanie Vogel
Melanie Vogel Privat

Interview: Frauen in Führungspositionen

In den meisten Unternehmen sind Frauen in den Führungsetagen nach wie vor unterrepräsentiert. Melanie Vogel, Initiatorin der women&work, hält das für einen Wettbewerbsnachteil

Frau Vogel, für die Karrieremesse women&work haben Sie 2013 als Schwerpunkt das Thema ›Future Management‹ gewählt. Warum?
Der Standort Deutschland ist bekannt für Innovation und Fortschritt. Damit Unternehmen innovativ und zukunftsfähig bleiben, gilt es zukünftig, das gesamte Innovationspotenzial einer Gesellschaft zu aktivieren. Und das ist zur Hälfte weiblich. Für Unternehmen gibt es daher gute Gründe, auf die Kompetenzen von Männern und Frauen zu setzen. Dazu zählen neben demografischen Entwicklungen und dem Fachkräftemangel auch das unternehmerische Eigeninteresse. Divers aufgestellte Unternehmen sind erfolgreicher und gemischte Teams erzielen bessere Ergebnisse. Mehr Frauen ins Topmanagement zu befördern ist eine ökonomische Notwendigkeit. Auf der women&work möchten wir diesen Zusammenhang thematisieren.

Ist der Zusammenhang nicht schon lange klar? Immerhin gibt es Studien, die beweisen, dass Unternehmen mit einem signifikanten Anteil an Frauen in Führungspositionen erfolgreicher sind.
Sie haben Recht. Egal, ob wir uns Studien von McKinsey, Ernst&Young oder Catalyst anschauen – alle betonen den ›Wirtschaftsfaktor Frau‹. Selbst die Vereinten Nationen fanden heraus, dass Großfirmen mit weiblichen Vorständen 42 Prozent höhere Verkaufsgewinne und deutlich bessere Renditen aus Investitionen erzielen. Und dennoch streiten wir in Deutschland über Frauenquoten und nach wie vor steigt der Anteil der Frauen in Führungspositionen nicht in dem Maße, wie die Studienergebnisse es vermuten lassen müssten.

Frauen haben zwar häufig die besseren Abschlüsse und Qualifikationen als Männer – doch hinsichtlich der Karriereoptionen und Aufstiegschancen von Frauen spiegelt sich das aber noch nicht wider. Das ist nicht nur nachteilig für Frauen, sondern auch für die Unternehmen, deren Top-Positionen nach wie vor männlich besetzt sind.

Was genau ist denn das Problem homogener Teams?
Um neue Ideen generieren, Prozesse optimieren oder Servicedienstleistungen implementieren zu können, benötigen Teams verschiedene Sichtweisen auf unterschiedliche Frage- und Problemstellungen. Eine vielfältige Belegschaft aus Männern und Frauen, alten und jungen Mitarbeitern, Teamkollegen aus Deutschland oder dem Ausland bietet einen großen Reichtum an Lebenseinstellungen, Kenntnissen und Erfahrungen. Homogene Teams haben diese gedankliche Vielfalt nicht und können daher aus drei Gründen scheitern: Erstens fehlen unterschiedliche Blickrichtungen auf Probleme, Ideen und Produkte. Zweitens legen sie ähnliche Routinen und Verhaltensmuster an den Tag und nehmen Dinge nur eingeschränkt wahr. Und drittens zeichnen sie sich durch ähnliche Denkstrukturen aus. In homogenen Teams wächst dadurch die Gefahr, dass Produkte an den Zielgruppenbedürfnissen vorbei entwickelt werden.

Kennen Sie ein positives Beispiel, das zeigt, dass Diversity zu einer höheren Wertschöpfung beiträgt?
Ein hervorragendes Beispiel liefert die Firma Haribo. Die Haribo-Gummibärchen bestehen hauptsächlich aus Gelatine. Gelatine wird hierzulande im Regelfall aus dem Bindegewebe von Schweinen hergestellt. Muslimen ist der Verzehr von Schweineprodukten aber strikt untersagt. Offensichtlich gab es bei Haribo jemanden, der dieses Problem erkannt hat, denn 2001 kamen die Gummibärchen erstmals als ›Halal-Produkt‹ auf den Markt.

Anstelle der Gelatine vom Schwein wurde nun Gelatine vom Rind verwendet. Quasi über Nacht konnten die Gummibärchen nun zusätzlich in weiteren 46 Ländern vertrieben werden. Die potenzielle Käuferzielgruppe wuchs damit um geschätzte 1,6 Milliarden Menschen. Ob Haribo die neuen Märkte erobert hat, kann nur Haribo selbst beantworten. An dem Beispiel wird aber deutlich, dass es wirtschaftlich hoch interessant sein kann, Produkte und Dienstleistungen unter Diversity-Gesichtspunkten zu betrachten.

Was tun Sie auf der women&work, um das Bewusstsein für das Thema zu schärfen?
Im Fokus von vielen Diskussionen und Vorträgen stehen die Themen Innovation und Zukunft der Arbeit. Eines der Highlights ist die Podiums-Diskussion ›Innovation made by Women‹. Hier sprechen Frauen über das, was Unternehmen wünschen: Erfolg durch Innovation. Die eine hat Stähle für ThyssenKrupp entwickelt, eine andere macht aus Ideen Innovationen, eine ist noch Schülerin und auf dem Weg zum Patent, eine ist im Weltraum zuhause und die fünfte im Bunde hat eine bahnbrechende Lösung im Kampf gegen Multiple Sklerose entdeckt.

Und die Future-Wall bietet Platz für eigene kreative Idee, Anregungen, Kommentare und gedankliches Netzwerken zu ausgewählten Zukunfts-Fragen wie zum Beispiel ›Wie werden Führungs- und Management-Modelle der Zukunft aussehen?‹, ›Wie sieht ein Arbeitsplatz der Zukunft aus?‹ und ›Was müssen Unternehmen tun, um die Motivation und Innovationskraft eines jeden Mitarbeiters zu fördern?‹


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