Teilzeitarbeit: Alles, was du wissen musst.

Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie: für viele eine Herausforderung. Oft scheint die Teilzeitarbeit eine guter Kompromiss zu sein. Aber ist das einfach so möglich? Immerhin musst du deinen Verantwortungen trotzdem weiterhin nachkommen können. Gerade Führungspositionen verlangen harte Arbeit und viel zeitlichen Einsatz. Wir klären dich darüber auf, was Teilzeitarbeit überhaupt genau ist, was die Rechtsprechung dazu sagt und worauf du vor einem Antrag auf Teilzeitbeschäftigung achten solltest.

Teilzeitarbeit bedeutet entgegen weit verbreiteter Annahmen nicht, dass bestimmte Mitarbeiter nur zwei oder drei Tage die Woche arbeiten oder täglich verkürzte Arbeitszeiten haben. Gesetzlich festgeschrieben ist foglendes: »Teilzeitbeschäftigt ist ein Arbeitnehmer, dessen regelmäßige Wochenarbeitszeit kürzer ist als die eines vergleichbaren vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers.« Das bedeutet im Klartext: Ob eine Teilzeitarbeit vorliegt, hängt nicht von den geleisteten Wochenstunden ab, sondern vom durchschnittlichen Vergleichswert anderer Beschäftigter. Wenn dein Chef also zum Beispiel Mitarbeiter beschäftigt, die 40 Stunden pro Woche arbeiten, könnte auch schon eine Abweichung von einer Stunde weniger als Teilzeitjob bezeichnet werden. 

Der rechtliche Anspruch auf Teilzeitarbeit

Ein typischer Fall, warum jemand eine Teilzeitbeschäftigung anstrebt, ist natürlich das Thema Familie. Eine Mutter, die bisher in Vollzeit tätig war, möchte nach der Geburt wieder in ihren Job einsteigen – hierbei bietet sich das Teilzeitmodell an, um für den Nachwuchs genügend Zeit zu haben. Wenn sich der Arbeitgeber einem solchen Wunsch entgegenstellt und der Meinung ist, das ginge nicht so einfach, hat er dabei Unrecht. Es gibt nämlich einen besonderen Telzeitanspruch während der Elternzeit und einen allgemeinen Teilzeitanspruch für alle Arbeitnehmer. 

Teilzeitjob während der Elternzeit 

Stell dir beispielsweise eine Arbeitnehmerin vor, die in ihren Job zurückkehren möchte und Elternzeit bei ihrem Chef beantragt. Dies ist für eine Länge von bis zu drei Jahren möglich. Hierbei hat sie einen bestimmten Anspruch, der bestimmte Voraussetzungen erfüllen muss. Laut dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz besteht der Anspruch auf Verringerung der Arbeitszeit, wenn… 

…dein Chef mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigt.

…dein Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate besteht.

…die Arbeitszeit für mindestens zwei Monate auf einen Umfang zwischen 15 und 30 Wochenstunden verringert wird.

…deinem Anspruch keine dringenden betrieblichen Gründe entgegenstehen. 

…du deinen Teilzeitanspruch mindestens sieben Wochen vor Beginn der gewünschten Teilzeittätigkeit deinem Arbeitgeber mitteilst.

Gut zu wissen: Solltest du deinen Teilzeitwunsch nicht rechtzeitig mitteilen, kein Problem! Du verlierst dein Anspruch nicht, deine Teilzeittätigkeit verschiebt sich lediglich entsprechend der Verspätung. 

Teilzeitarbeit auch nach der Elternzeit

Auch außerhalb der Elternzeit besteht ein Teilzeitanspruch, dafür sollten allerdings ebenso bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein: Dein Arbeitsverhältnis muss mindestens seit sechs Monaten bestehen, dein Chef muss mehr als 15 Mitarbeiter beschäftigen, dein Antrag auf Verringerung der Arbeitszeit geht mindestens drei Monate vor dem gewünschten Beginn beim Arbeitgeber ein und deiner Teilzeitstelle stehen keine betrieblichen Gründe entgegen. 

Achtung: Bei einer Einigung wandelt sich dein Job dauerhaft in eine Teilzeitstelle – diese Entscheidung führt also in eine Einbahnstraße! Denn du hast keinen Anspruch auf eine spätere Erhöhung der Arbeitszeit, es sei denn, du einigst dich im Vorhinein mit deinem Chef darüber. In diesem Fall ist auch eine Rückkehr zur Vollzeit möglich. 

Teilzeit in der Führungsetage arbeiten: Ist das möglich? 

Ganz grundsätzlich gilt der Teilzeitanspruch für jeden Arbeitnehmer, also auch für die Führungsetagen von Unternehmen. Natürlich ist es in dortigen Positionen trotzdem erheblich schwieriger, eine Teilzeittätigkeit durchzusetzen. Hier könnten betriebliche Gründe im Weg stehen, denn als Führungskraft trägst du große Verantwortung, der du in angemessener Zeit gerecht werden musst. Weitere Probleme, die sich zum Beispiel als Manager in Teilzeit ergeben könnten, sind: 

  • Respekt: Arbeitnehmer brauchen ein positives Vorbild, das sie zu Produktivität anleitet, die Werte und Unternehmenskultur repräsentiert und an die Mitarbeiter weitergibt. Als Chef jeden Tag als Erster das Büro zu verlassen kann zu Unmut führen und sein Ansehen unter den Mitarbeitern schnell sinken lassen. 
  • Kommunikation: Wenn die Führungskraft nicht regelmäßig zur Arbeit erscheint, entgehen ihm natürlich wichtige Informationen. Diese müssen ihm dann täglich von den Mitarbeitern weitergegeben werden, damit wichtige Entscheidungen zeitnah getroffen werden können – ein enormer Kommunikationsaufwand. 
  • Führung: Es ist ganz normal, dass es im Tagesgeschäft zu Herausforderungen kommen kann, wenn eine Führungskraft nicht im Büro ist. Es wird dann schnell eine Entscheidungsgewalt benötigt – fehlt sie in diesem Moment, kann es schnell zu Chaos kommen. 

Allgemein ist es also nicht ratsam, ohne driftige Gründe als Führungskraft in Teilzeit zu gehen. Allerdings gibt es natürlich wie immer Ausnahmen: Auch Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und möchten ihren Führungskräften mit unterschiedlichen Modellen flexiblere Arbeitszeiten bieten, so dass sie sie an ihre Firma binden können. Informiere dich jeweils eingehend über das Unternehmen, denn hier variieren die Möglichkeiten stark. 

 


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