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Blick auf den IT-Arbeitsmarkt

Stellenlage, Trends und Qualifikationen – 
Experten beantworten die wichtigsten Fragen rund um den Arbeitsmarkt für Informatiker

Der Arbeitsmarkt für Informatiker hat sich im letzten Jahr sehr gut entwickelt. IT-Spezialisten sind nach wie vor heiß begehrte Fachkräfte und können direkt nach dem Studium mit sehr guten Berufseinstiegschancen und attraktiven Gehältern rechnen. Das kann Dr. Olaf Pätz, Geschäftsführer des Einkommensportals gehaltsreporter.de bestätigen: »In allen Branchen, die ihre Prozesse gerade im großen Stil digitalisieren – etwa Versicherungen, Banken, die Automobilindustrie sowie  der Maschinen- und Anlagenbau im Bereich Industrie 4.0 –, konnten wir ein Plus von mehr als drei Prozent verzeichnen.« Mit einem Jahresbrutto von durchschnittlich etwa 53.000 Euro verdienen Berufseinsteiger in der Automobil-, Luft- und Raumfahrt- sowie der Pharmaindustrie und der Chemischen Industrie am besten. Dabei wirken sich Kenntnisse in den Bereichen IT-Sicherheit und Künstliche Intelligenz positiv auf das Einstiegsgehalt aus. Vergleichsweise wenig verdienen Berufseinsteiger in den Bereichen Medien, Gesundheitswesen und im Öffentlichen Dienst. Hier liegt das Bruttojahresgehalt für Einsteiger im Schnitt bei 44.000 Euro. Insgesamt können alle Informatiker, was das Gehalt angeht, positiv auf 2018 blicken: Pätz prognostiziert für die Entwicklung der Gehälter weitere Steigerungsraten von knapp über drei Prozent.

Arbeitslosigkeit im IT-Sektor

Auch beim Blick auf die Arbeitslosenzahlen dürfen Informatiker durchatmen: Spezialisten mit einem Informatik-beruf sind seltener arbeitslos als viele andere Berufsgruppen. Die Zahl arbeitsloser IT-Kräfte sei im letzten Jahr weiter gesunken, so Claudia Suttner von der Bundesagentur für Arbeit. 2017 verzeichnete diese 8.100 Arbeitslosenmeldungen, zwei Prozent weniger gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt die Arbeitslosenquote bei unter drei Prozent – für Softwareentwickler übrigens sogar bei unter zwei Prozent – also nahe der Vollbeschäftigung. Das werde auch in Zukunft so bleiben, denn bei der allgemein günstigen Wirtschaftsprognose sei von einem weiteren Rückgang der Arbeitslosenzahlen auszugehen.

Beschäftigungsquote von Informatikern

Die Betrachtung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bestätigt die positiven Entwicklungen auf dem IT-Arbeitsmarkt: Mitte 2017 waren 253.000 Akademiker in IT-Berufen beschäftigt. Allein die Zahl der beschäftigten Softwareentwickler und Programmierer stieg 2017 um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. »Die digitale Transformation aller Branchen führt dazu, dass IT-Experten nicht mehr nur in der klassischen Informations- und Kommunikationstech­nologie (IKT), sondern zunehmend auch in den sogenannten Anwenderindustrien, also etwa im Maschinenbau, Automobilsektor sowie bei Banken und Versicherungen, gesucht werden«, weiß Juliane Petrich, Bitkom-Bereichsleiterin für Bildungspolitik und Arbeitsmarkt.
Das bestätigt auch die jüngste Bitkom-Studie zum Fachkräftemangel. Sie ergab, dass 63 Prozent der IKT-Unternehmen ab einer Größe von drei Mitarbeitern und mit mindestens einer offenen IT-Stelle einen Softwareentwickler suchen. Anwendungsbetreuer und Administratoren würden zudem immer wichtiger und zunehmend nachgefragt werden. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Experten angesichts der erwarteten Wirtschaftsentwicklung für 2018 und der zunehmenden Digitalisierung von einer weiterhin großen Fachkräftenachfrage im Bereich der Informatik- und IKT-Berufe ausgehen.

Trendthemen in der IT

Umsatz- und Wachstumstreiber seien vor allem Software-Häuser und IT-Dienstleister, die sich am dynamischsten entwickeln und viele neue Jobs schaffen, so Juliane Petrich vom Digitalverband Bitkom. Sie profitieren von den aktuellen Trends: Big Data, Internet of Things, Cloud Computing, Industrie 4.0, Künstliche Intelligenz und Blockchain. Insbesondere vor dem Hintergrund der sich häufenden Cyber-Attacken, die sich auch gezielt gegen Unternehmen richten, sei IT-Sicherheit eines der wichtigsten Trendthemen. Daher werden IT-Sicherheitsexperten in den Anwenderbranchen immer gefragter.

Stellenlage für Informatiker

Unternehmen stehen allerdings vor der Herausforderung, genügend IT-Nachwuchs zu finden. Die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern bewegt sich auf Höchstniveau. Auch die seit der Jahrtausendwende jährlich steigenden Absolventenzahlen der Informatikstudiengänge können den ansteigenden Bedarf an IT-Fachkräften nicht kompensieren. »Es zeigen sich nach wie vor Engpässe bei Softwareentwicklern, Programmierern und Anwendungsberatern«, berichtet Claudia Suttner von der Bundesagentur für Arbeit. Allein 2017 blieben laut einer Bitkom-Studie 55.000  IT-Stellen unbesetzt. Die Zahl ist seit 2013 (39.000) übrigens jährlich gestiegen.

Das bedeutet auch, dass die Zahl der Stellenangebote jährlich steigt: Im Verlauf des Jahres 2017 verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit 23.000 neue Stellen – 22 Prozent mehr als 2016. Dabei sei zudem davon auszugehen, dass nur etwa jede vierte Stelle für Akademiker gemeldet werde, so Suttner. Die meisten Stellen gibt es im Bereich Anwendungsbetreuung und für Administratoren sowie Softwareentwickler. Große Nachfragen bestehen von Unternehmenszentralen, dem Handel und dem öffentlichen Dienst. Dabei sind einige Branchen, etwa die Automobilindustrie, beliebter als andere, weiß Petrich: »Für viele wird es attraktiv sein, bei einem Anwenderunternehmen einzusteigen und die Digitalisierung beispielsweise von Banken oder Versicherungen aktiv mitzugestalten.«

Dass der Bedarf an qualifizierten IT-Fachkräften vieler Unternehmen nicht immer ohne Weiteres gedeckt werden kann, zeigt sich an den langen Vakanzzeiten: Aufgrund des Fachkräftemangels fällt es Unternehmen zunehmend schwer, geeignetes Personal zu finden. »Sowohl die Vakanzzeiten der IT-Experten in der Softwareentwicklung als auch die der Anwendungsberatung haben sich 2017 im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich erhöht – auf durchschnittlich 150 Tage«, weiß Claudia Suttner von der Bundesagentur für Arbeit. Übrigens dauert es auf der anderen Seite etwa zwei bis drei Monate, bis IT-Absolventen ihren ersten Job nach dem Studium in der Tasche haben. Da zu erwarten ist, dass sich der IT-Fachkräftemangel mit fortschreitender Digitalisierung weiter zuspitzen wird, können gut ausgebildete Spezialisten in der Regel zwischen mehreren attraktiven Jobangeboten wählen.

Berufseinstieg als IT-Absolvent

Auf der Jobsuche selbst empfiehlt es sich, dass IT-Absolventen aktuelle Markttrends verfolgen. So können sie besser abschätzen, in welchen Bereichen gerade besonders viele ITler gesucht werden. Definitiv schade es auch nicht, bereits im Studium über den Tellerrand zu schauen und Praxiserfahrung zu sammeln, so Juliane Petrich: »Gut ist es zum Beispiel, sowohl die Arbeitsweise in einem etablierten Unternehmen als auch in einem Start-up kennenzulernen.« Neben der fachlichen Kompetenz und Praxiserfahrung, beispielsweise durch Praktika oder Studienprojekte, werden Kommunikations- und Teamfähigkeit, Kreativität, Projektmanagement und Bereitschaft zum lebenslangen Lernen übrigens positiv von Arbeitgebern wahrgenommen. Auch mit Hobbys und Interessen fernab von Software und IT könnten Bewerber aus der Masse hervor­stechen, glaubt Petrich. Am Wichtigsten sei aber, dass sich Bewerber nicht verstellen.

IT-Arbeitswelt von morgen

Die IT-Abteilungen aller Unternehmen werden sich in den nächsten Jahren durch neue Technologien und Prozesse weiter verändern. Daher müssen sich IT-Absolventen auf eine dynamische und schnelllebige Arbeitswelt einstellen. »Ein großes Thema wird die Virtualisierung der Systeme sein, aber auch Big Data und Cloud Computing«, glaubt Juliane Petrich. Außerdem werden auch Energieeffizienz und Monitoring der IT eine wichtige Rolle spielen.


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