Der Arbeitsmarkt für Wiwis

Perfekt informiert ins Berufsleben starten: Über Trends, die deine Zukunft bestimmen. Spannende Stellen, die jetzt neu entstehen. Und Qualifikationen, mit denen du als Bewerber richtig punkten kannst

Als Wiwi brauchst du dir keine Sorgen ­bezüglich deines Berufseinstiegs und der Situation auf dem Arbeitsmarkt machen: Wirtschaftswissenschaftler haben grundsätzlich gute Chancen auf einen attraktiven Job – auch, weil zahlreiche, verschiedene Branchen nach ihnen suchen. »2018 waren 37.000 Wirtschaftswissenschaftler arbeitslos gemeldet, vier Prozent weniger als im Vorjahr«, sagt Claudia Suttner von der Bundesagentur für Arbeit. Der Arbeitsmarkt für alle Berufsfelder hat sich im letzten Jahr gut entwickelt. Die Zahl der Erwerbstätigen ist deutlich gestiegen und die Nachfrage nach Fachkräften war 2018 weiter auf einem hohen Niveau. »Die künftige Nachfrage ist abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung«, erklärt Suttner. Die Expertin der Bundesagentur für Arbeit geht jedoch auch für 2019 davon aus, dass sich der positive Trend fortsetzen wird. Eine besonders große Nachfrage nach Fachkräften besteht in den Bereichen Unternehmensführung, -organisation und Personalwesen. Auch Betriebswirte mit den Schwerpunkten Handel und Vertrieb sind sehr gefragt. Im Jahr 2018 waren in diesem Bereich 14.700 Stellen neu zu besetzen – das entspricht einem Plus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Daneben zählen Verkehr und Logistik zu den wachsenden Berufsfeldern.

Talents wanted

Im War for Talents dürfen Unternehmen sich nicht auf die f­aule Haut legen und darauf warten, dass die Bewerber in Scharen zu ihnen kommen. Im Gegenteil: Sie müssen aktiv neue Mitarbeiter gewinnen und diese auch an sich binden. Die Maßnahmen beginnen bereits während der Studienzeit. Offene Stellen für Praktikanten und Werkstudenten gibt es wie Sand am Meer. Die Unternehmen erhoffen sich dadurch nicht nur Unterstützung im Tagesgeschäft, sondern auch, dass sie die Talente nach ihrem Abschluss langfristig übernehmen können. Für die Studenten selbst sind solche Tätigkeiten natürlich super, um ins Arbeitsleben zu schnuppern und den richtigen Bereich für sich zu finden.

Eine Spezialisierung nach oder bereits während des Studiums kann durchaus entscheidend für den späteren Berufsweg sein. Ein Blick auf aktuelle Stellenausschreibungen macht schnell deutlich, dass Wirtschaftswissenschaftler, die sich besonders gut mit Statistik oder Informatik auskennen, die besten Karten auf dem Arbeitsmarkt haben. Immer großen Bedarf gibt es in Familien- und kleineren Unternehmen. Oft sind diese beim Nachwuchs nicht wirklich auf dem Schirm, weil viele Absolventen bei einem populären Unternehmen einsteigen wollen. Die Aufstiegschancen sind in kleineren Firmen aber oft um einiges besser, da die ­Hierarchien flacher und die Karrierewege somit schneller sind.

Zukunftstrends

Der Megatrend, an dem keine Branche vorbeikommt, ist die Digitalisierung. Berufsanfänger mit wirtschaftswissenschaftlichem Hintergrund sollten sich darauf einstellen, dass ­Tätigkeiten in Bereichen wie Human Resources, Controlling oder Supply Chain Management zunehmend automatisiert ­werden. Da es eine stetige Weiterentwicklung gibt, ist ­lebenslanges Lernen ein Muss. Arbeitnehmer müssen bereit sein, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen, in interdisziplinären Teams zu arbeiten und ihren ­Wissensstand andauernd zu erweitern. Ein weiterer Trend, der den Arbeitsmarkt beeinflusst, hat seinen Ursprung in der demographischen Entwicklung. Durch die immer ­älter werdende Gesellschaft, wachsen Felder wie die Gesundheitswirtschaft, die Gesundheitsökonomie und die sozialen ­Sicherungssysteme. Für einen dieser Bereiche kannst du dich aber bereits vor oder während des Studiums entscheiden: Viele Univer­sitäten bieten extra darauf ausgerichtete Studiengänge an.

Spezialisier dich

Die Fokussierung auf einen bestimmten Wirtschaftszweig ist ohne Frage sinnvoll. Auch Dr. Olaf Pätz, Geschäftsführer des Einkommensportals gehaltsreporter.de, zufolge, wird es für Betriebswirte immer wichtiger, sich zu spezialisieren. Wer seinen Schwerpunkt beispielsweise auf Marketing legt, sollte sich besonders im Bereich Digital Marketing oder Category Management auskennen. Schwerer hätten es dagegen BWL-Allrounder mit Vertiefungsfächern wie Marketing oder Unternehmensführung, die sich das praxisrelevante Wissen vergleichsweise schnell aneignen können.

Viel verdienen Absolventen überall dort, wo eine starke Nachfrage nach Fachkräften besteht: In Unter­nehmensberatungen, Versicherungen sowie dem Anlagen- und Maschinenbau – häufig im Zusammenhang mit Digitalisierungsprojekten. »Auch Finanzprofis wie Controller oder Wirtschaftsprüfer haben sehr gute Chancen, denn in diesem Bereich herrscht praktisch Vollbeschäftigung und hohe Nachfrage«, unterstreicht Pätz. Etwas verhaltener sieht es momentan in der Automotive-Branche aus. Laut Pätz stellt diese aufgrund des Strukturwandels etwas zurückhaltend ein. Das durchschnittliche Einstiegsgehalt für Wirtschaftswissenschaftler mit Masterabschluss liegt in größeren Unternehmen bei 51.000 Euro brutto im Jahr. Je nach Branche, Abschluss und Unternehmensgröße fällt das Gehalt höher oder niedriger aus.

Sich durchsetzen

Wirtschaftswissenschaften und Betriebswirtschaftslehre­ gelten als zwei der beliebtesten Studiengänge, denn die ­Möglichkeiten danach sind enorm vielfältig. Daraus folgt aber auch, dass die Zahl der Studenten und Absolventen ­entsprechend hoch ist. Der Einzelne muss also trotz War for ­Talents aus der ­Masse ­herausstechen. Ganz klar sind erst­klassige Noten ein ­überzeugender ­Blickfang. ­Daneben sollte der ­Bewerber überzeugend sein und der jeweiligen Situation angemessen auftreten. Da die meisten Stellen immer noch über Beziehungen besetzt werden, lohnt es sich für Studenten, sich etwa einem Verband anzuschließen oder Fachtagungen zu besuchen, um mit relevanten Akteuren in ­Kontakt zu kommen. Generell gilt: Wer flexibel für Veränderungen bleibt, sich stetig neues Spezialwissen aneignet und ein paar nützliche Kontakte knüpft, ist gut für den Arbeitsmarkt gerüstet.

Handel

Absolventen der Wirtschaftswissenschaften werden im Handel beinahe überall gesucht: etwa im Einkauf, in der Logistik, im Marketing, im Personalmanagement oder im Controlling. Dabei spielt auch das Thema Nachhaltigkeit eine immer wichtigere Rolle. »Der Handel ist eine komplexe Branche, die von dauerhaftem Wettbewerb und schnell wechselnden Trends geprägt wird«, sagt Katharina Weinert, Abteilungsleiterin Bildungspolitik und Berufsbildung des Handelsverbands Deutschland (HDE). Deshalb sollten Wiwi-Absolventen im Handel offen für neue Ideen sein und sich schnell an veränderte Anforderungen anpassen können. Durch die zunehmende Digitalisierung erlebt der Einzelhandel einen tiefgreifenden Strukturwandel. Mittlerweile werden zehn Prozent des Gesamtumsatzes im Einzelhandel online erzielt und immer mehr Unternehmen werden zu Multichannel- oder Crosschannel-Händlern. Dadurch sind neue Berufsbilder wie Datenanalysten, Prozessmanager, Category Manager, Supply-Chain-Manager, Brand Manager oder Produktmanager entstanden.

Consulting

Der Consultingbranche geht es gut. Laut Matthias Loebich, Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater, hat sich ihr Umsatz in den letzten vier Jahren um knapp 30 Prozent gesteigert. Auch ins Jahr 2019 blickt der Verband zuversichtlich. »Digitalisierungsthemen im Themenspektrum Big Data, Analytics, Customer Experience, Cloud sowie IT-Security sind und bleiben große Treiber. Entsprechend sind die Jobchancen aktuell ausgezeichnet und die Gehälter ­zuletzt wieder gestiegen«, so Loebich. Außerdem könne der Nachwuchs mit weniger Hierachien, hoher Agilität, interdisziplinären Beraterteams sowie einem größeren Angebot an intelligenten Arbeitszeitmodellen rechnen. Diese Aussichten machen Jobs im Consulting noch attraktiver.

Marketing

Ähnlich wie in Handel und Consulting ist auch in der Marketingbranche ein Schlagwort allgegenwärtig: die Digitalisierung. Sie eröffnet, verbunden mit der veränderten Mediennutzung, viele neue Berufsfelder. Es entstehen unter anderem neue Aufgaben in der Datenauswertung, in der Suchmaschinenoptimierung sowie im Mobile und Affiliate Marketing – während Aufgaben im Offline- und Onlinebereich durch die Implementierung von Omnichannel-Strategien zunehmend vereint werden. Qualifikationen in Zukunftsbereichen wie Marketing Automation, Online und Mobile Marketing sowie Social Media werden besonders stark nachgefragt.

Finanzen

Die Finanzbranche bietet laut Karin Reuschenbach-Coutinho, Leiterin der Career Services an der Frankfurt School of Finance & Management, einen stabilen und dynamischen Stellenmarkt für Studenten und Absolventen. »Dazu trägt auch die wachsende Anzahl von internationalen Unternehmen bei, die sich aufgrund des Brexits nach Frankfurt orientieren und hier Stellen schaffen«, so die Expertin, die außerdem von einer Weiterentwicklung der Aufgabenfelder ausgeht. Dies gelte für Fintechs und für Großbanken. Besonders gesucht seien Wirtschaftswissenschaftler mit einer exzellenten universitären Ausbildung, die darüber hinaus eine hohe digitale Kompetenz vorweisen können.

Controlling

Aktuell haben Controller am Arbeitsmarkt einen sehr guten Stand – und sie gewinnen weiter an Bedeutung. Automatisierung und Digitalisierung bieten ihnen spannende und verantwortungsvolle Aufgaben: typisch sind die Rationalitätssicherung von Digitalisierungsmaßnahmen, das professionelle Handling fehlerfreier, granularer Roh- und Stammdaten in zunehmend integrierten Systemlandschaften und die Entwicklung konsistenter Daten- und Analysemodelle. Der Markt ist enorm unbeständig und Controller arbeiten immer unter Zeitdruck. Wer die Geschäftsprozesse seines Unternehmens verstanden und verinnerlicht hat, kann den Herausforderungen besonders gut begegnen.


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