Foto: Hunters Race/Unsplash

Wiwi-Arbeitsmarktreport 2020: Start your Career

Dr. Matthias Meyer-Schwarzenberger ist seit April 2016 Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb) und war zuvor an der Universität St. Gallen und der Jacobs University Bremen tätig. Hier berichtet der Experte über Trends, Chancen und Herausforderungen für Wiwis in der Arbeitswelt.

Herr Dr. Meyer-Schwarzenberger, wie steht es derzeit um den Arbeitsmarkt für Wiwis?
Die Lage ist aktuell noch recht komfortabel. Allerdings könnte sich die Situation auch bald ändern: Wer die Wahl hat, nutzt die Gunst der Stunde und bewirbt sich lieber jetzt als in zwei, drei Jahren.

Von welchen Trends wird der Arbeitsmarkt besonders geprägt? 
Auffällig sind die hohen Ansprüche, die von Bewerberseite an Unternehmen gestellt werden. Attraktive Arbeitgeber punkten mit modernen Bedingungen wie virtuellen Teams, mobilen Arbeitsplätzen und Intranet-Chats. Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt in vielen Vorstellungsgesprächen eine Rolle.

Apropos Nachhaltigkeit: Inwiefern beeinflusst sie berufliche Möglichkeiten von Wiwi-Absolventen? 
Neue Trends schaffen neue Möglichkeiten – das hat in der Regel erst einmal positive Auswirkungen. Bewerber können in Sachen Nachhaltigkeit einiges ins Unternehmen einbringen. Das hängt oft mit digitalen Lösungen zusammen: Wenn zum Beispiel Bestellmengen oder Lieferwege automatisch berechnet und optimiert werden, reduziert das nicht nur die Kosten des Unternehmens, sondern auch den ökologischen Fußabdruck. Vorher müssen aber die benötigten Modelle, Algorithmen und Schnittstellen entwickelt werden. Wer mit Daten und Zahlen, aber auch mit interdisziplinären Teams umgehen und gut kommunizieren kann, ist klar im Vorteil.

Wo wird derzeit verstärkt nach Wiwis gesucht? 
Wie in den Vorjahren ist vor allem bei Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen ein großer Bedarf an BWL-Absolventen erkennbar. Wer sich mit Steuern und Accounting auskennt, hat gute Chancen auf den Einstieg beim Wunscharbeitgeber. Dieser Bedarf überträgt sich natürlich auch auf andere Branchen – für Bewerber sind das gute Zeiten.

Auf welche Herausforderungen stoßen Wirtschaftswissenschaftler in der Arbeitswelt?
Es wird erwartet, dass sie vom ersten Arbeitstag an voll einsatzbereit sind und eigene Projekte übernehmen können. In Fachkreisen wird das als Employability bezeichnet. Wochenlange Einarbeitungsphasen, wie man sie früher kannte, sind heute kaum noch möglich. Auch Traineeprogramme sind seltener geworden. Zum Glück haben sich viele Hochschulen schon auf diesen Trend eingestellt, indem sie den Praxisbezug verstärkt und den Erwerb sozialer Kompetenzen ins Studium integriert haben.

Welche Qualifikationen und Erfahrungen müssen Wiwis für Ihren Einstieg in die Arbeitswelt heutzutage mitbringen?
Es lohnt sich, während des Studiums ein persönliches Profil herauszuarbeiten, das zur angestrebten Position passt und im Lebenslauf erkennbar wird. So ein Profil ergibt sich zum Beispiel aus speziellen Vertiefungsfächern, Seminar- und Abschlussarbeiten, ersten eigenen Fachpublikationen und einem erfolgreich absolvierten Praktikum in der betreffenden Branche. Vor allem aber sollten sich Absolventen und Berufseinsteiger durch ein hohes Maß an Teamfähigkeit, Selbstorganisation und Eigeninitiative auszeichnen. 


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