Comic: Traktor mit Anhänger, Heuballen geladen

Die Landtechnik-Branche ist Top-Arbeitgeber der Zukunft

Highttech meets Häcksler: Landmaschinen-Hersteller rüsten auf mit Hightech – vom satellitengesteuerten Mähdrescher bis zum Traktor mit Fahrerassistenz

Dass auch eine Landmaschine zur Ernte und Zerkleinerung von Mais so schick wie ein Porsche sein kann, beweist der Feldhäcksler der Baureihe 8000 aus dem Haus des weltweit größten Herstellers von Agrartechnik-Maschinen John Deere: Der 8,5 Tonnen schwere Brummer wurde jetzt mit dem renommierten reddot-Design-Award für hervorragendes Produktdesign ausgezeichnet.

Bei Landmaschinen kommt es auf die äußeren und inneren Werte an

Unter rund 5.200 Einsendungen aus 57 Ländern wählten Design-Experten aus 41 Nationen anhand eines eng gefassten Kriterien-Kataloges ausgerechnet den dunkelgrünen Ernte-Monster-Truck aus. »Das bahnbrechende Styling der neuen Feldhäcksler-Baureihe spiegelt die innovative Technik und Funktionalität dieser Maschinen wider«, sagt Matthias Schönherr, früherer Design-Spezialist bei Porsche, der an der Entwicklung der Häcksler unmittelbar beteiligt war. »Die Optik spielt insofern eine bedeutende Rolle, als sie dem Markenwert und der Qualität einer Maschine Ausdruck verleiht.«

Die prämierte Feldhäcksler-Baureihe 8000 aus dem John Deere-Werk Zweibrücken ist unter anderem in Systeme der satellitengestützten Landwirtschaft integrierbar und wird vorwiegend zur Futterente eingesetzt sowie zur Gewinnung von Substrat für Biogasanlagen. Ganze fünf Jahre lang haben die John Deere-Ingenieure die neue Feldhäcksler-Serie 8000 entwickelt und getestet.

Ingenieure bringen Hightech auf den Acker

»Die Zeit der Mistgabeln und Gummistiefel ist vorbei, die Agrartechnik ist heute eine der weltweit stärksten Innovationsbranchen«, urteilt Christoph Götz, Sprecher des Fachbereichs Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). »Heute beträgt der Elektronik-Anteil in der Landtechnik über 80 Prozent, und die Digitalisierung treibt die Branche zu immer höheren Spitzenleistungen.« Eines der Mähdrescher-Spitzenmodelle des größten deutschen Herstellers Claas überwacht bereits während der Fahrt die Erntequalität und reagiert sofort.

»In der Landtechnik arbeiten Ingenieure nicht in einem hermetisch abgeriegelten Halbleiter-Labor, sondern oftmals auch in freier Natur, auf dem offenen Acker. Ihre Kunden stellen extrem hohe Ansprüche an die Technologie und die Effizienz neuer Produkte. In der Agrartechnik warten also spannende Herausforderungen auf Nachwuchsingenieure.«

Christoph Götz, Fachbereich Landtechnik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

So messen Sensoren an der Maschine, wie feucht das Getreide beim Dreschen ist. Kündigt sich Regen an, wird die Fahrgeschwindigkeit erhöht. Und Hunderttausende von Hektar werden laut Deutschem Bauernverband bereits mit Hilfe von Stickstoff-Sensoren gedüngt: An der Maschine angebracht, erfassen sie in der Vorbeifahrt die Nährstoffversorgung der Pflanze, die Düngung erfolgt nach Bedarf. »Dass vor diesem Hintergrund Ingenieurwissen immer wichtiger wird und zunehmend mehr Aufgaben für Ingenieure entstehen, versteht sich von selbst«, sagt Götz.

Das bestätigt Prof. Dr. Ludger Frerichs vom Institut für mobile Maschinen und Nutzfahrzeuge an der TU Braunschweig: »Landtechnik und Landwirtschaft sind und werden bei aller Nähe zur Natur noch mehr Hochtechnologie.«

Die Zukunft: mit autonomen Präzisionsmaschinen gegen den Welthunger

Anschaulich werde dieser Trend, wenn man sich auf einen modernen Traktor setzt. Neben dem Lenkrad sind Monitore angebracht, ebenso eine Art Joystick. Darüber wird der Arbeitsvorgang einschließlich der automatischen Maschinenführung überwacht, denn die Maschine fährt vollautomatisiert über das Feld. Der Fahrer ist nicht mehr nur Fahrer, sondern Operator«, sagt Prof. Frerichs, der derzeit an Kamerasystemen für neue Assistenz- und Automatisierungsfunktionen arbeitet. »Außerdem untersuchen wir, wie zukünftig die Pflanzenbausysteme mit autonomen Landmaschinen aussehen müssten.«

Ob Mähdrescher, Feldhäcksler, Traktoren oder Teleskop-Lader: »Ich möchte behaupten, dass man bei nahezu allen Landtechnikherstellern gute Entwicklungschancen findet«, so Prof. Frerichs . »Experten sagen voraus, dass sich die landwirtschaftliche Produktion bis 2050 etwa verdoppeln muss. Die Bevölkerung wächst, wir haben das Ziel, den Hunger auszumerzen. Dies lässt sich nur mit viel weniger Verschwendung, einer deutlich präziseren Landwirtschaft und dem zunehmenden Einsatz von Landtechnik erreichen. Das heißt: Landtechnik ist Zukunftstechnologie.« ■


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