Frauenpower bei Airbus

Heike Otto ist verantwortungsvolle Führungskraft und Mutter zugleich. Im Interview erzählt sie, wie sie diesen Spagat schafft

Heike Otto / Foto: privat

 

Frau Otto, warum haben Sie sich für Airbus als Arbeitgeber entschieden?

Die zivile Luftfahrt und die damit verbundenen hochkomplexen Technologien haben mich schon immer fasziniert. Hinzu kommt, dass es sich um einen internationalen Großkonzern handelt, dessen Standorte und Angestellte überall auf der Welt vertreten sind – ebenso wie seine Produkte und Kunden. Außerdem fand ich es spannend, dass Mitarbeiter bei einem Bereichs- oder Positionswechsel in einem so großen Konzern praktisch einen Neuanfang starten, weil andere Netzwerke und Themen auf sie warten.

 

Wie verlief Ihr bisheriger Karriereweg?

Ich bin sozusagen ein Airbus-Kind und mit meiner Diplomarbeit im Customer Service Bereich bei Airbus eingestiegen. Im Anschluss wurde ich dort als Subcontracting Manager eingestellt. Nach 1,5 Jahren wechselte ich in die Endmontagelinie der A320-Familie. Dort arbeitete ich als Executive Assistant für den Bereichsleiter. Im Anschluss habe ich meine erste Führungsposition übernommen: Ich leitete die Abteilung ›Ground Support‹, wo ich zuständig für alle Bodenabfertigungsdienste war, die rund um den Flugbetrieb gebraucht werden. Später bin ich wieder zurück zur Endmontagelinie der A320-Familie gewechselt und habe die Leitung für eine der Endmontagelinien in Hamburg übernommen. Mitte 2015 ging ich für ein Jahr in Elternzeit und leitete nach meiner Rückkehr zwei Strukturmontagelinien der Single-Aisle-Familie. Im November letzten Jahres bin ich nach meiner zweiten Elternzeit ins Unternehmen zurückgekehrt und seither im Engineering für Passagierkabinen als Abteilungsleiterin tätig.

 

Beeindruckend. Auf Ihrem Karriereweg haben Sie bereits vielfältige Aufgaben übernommen. Womit befassen Sie sich aktuell als Leitende Ingenieurin?

Momentan bin ich verantwortlich für Toiletten und Water/Waste Systems – mein Team kümmert sich um die Neuentwicklung beziehungsweise Modifikation dieser Produkte und sorgt dafür, dass der Prozess möglichst effizient ist, die Termine eingehalten werden, die Fertigung störungsfrei montieren kann und der Kunde am Ende ein robustes Endprodukt hat.

 

Was macht Ihnen dabei besonders viel Spaß?

Dass kein Tag gleich ist und ich mich hauptsächlich damit beschäftige, komplexe technologische Probleme unter den festgelegten Vorgaben zu lösen – etwa innerhalb einer gewissen Zeit, zu gegebenen Kosten und in einer bestimmten Qualität. Das Ganze realisiere ich mit Hilfe eines multifunktionalen Teams, das nicht nur aus dem Bereich Engineering kommt, sondern zum Beispiel auch aus dem Einkauf sowie dem Customer Service.

 

Stand für Sie schon immer fest, dass Sie einmal als Führungskraft arbeiten möchten?

Dieses Interesse habe ich während meiner Zeit als Executive Assistant entwickelt. Hier arbeitete ich mit hochrangigen Managern zusammen und konnte viel lernen – zum Beispiel darüber, mit was für Themen sich Führungskräfte beschäftigen, wie sie Strategien entwickeln und an Problemstellungen sowie Zukunftsfragen herangehen. Weil mir die Arbeit viel Spaß bereitet hat, wollte ich eine Führungsposition bei Airbus übernehmen.

 

Als Frau in einem von Männern dominierten Bereich zu arbeiten, ist sicher nicht immer einfach. Wie haben Sie diese Herausforderung gemeistert?

Erst auf meinem jetzigen Führungslevel hatte ich das Gefühl, dass Männer mit Hierarchie, Konkurrenz und Wettbewerb anders umgehen als Frauen. Ab diesem Zeitpunkt bin ich mit dem Bewusstsein, dass ich der Exot bin, in Meetings und an Aufgabenstellungen gegangen. Außerdem habe ich mich immer an Herausforderungen gewagt, die oft ein Stück größer aussahen als das, was andere und ich mir selbst zugetraut hätten. Die habe ich fast immer gemeistert. Dadurch und durch klare und konsequente Kommunikation habe ich meinen Kollegen gezeigt, dass es keinen Unterschied zwischen einer weiblichen und einer männlichen Führungskraft gibt. Es kommt vielmehr auf die Art des Miteinanders an: Zum Beispiel handle ich immer im Sinne des Teams und zeige meinen Kollegen, dass es mir nicht um meinen Einzelerfolg geht.

 

Ich kann mir auch vorstellen, dass es gerade als Führungskraft schwer ist, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen. Wie schaffen Sie das?

Ich teile mir alle Aufgaben mit meinem Ehemann. Zusätzlich haben wir das Glück, dass die Großeltern in der Nähe wohnen und diese gerne viel Zeit mit ihren Enkeln verbringen – und deshalb auch kurzfristig und oft für uns einspringen. Außerdem kann ich meine Führungsposition bei Airbus in reduzierter Stundenzahl ausführen. Und ich bin flexibel – es gibt immer einen Plan B oder C.

 

Erhalten Sie darüber hinaus noch weitere Unterstützung von Ihrem Arbeitgeber?

Meine Kollegen und Chefs kennen die Situation, in der ich mich befinde, selbst sehr gut und bringen mir daher viel Verständnis entgegen. So habe ich zum Beispiel die Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten. Außerdem gibt es einen Betriebskindergarten – und Eltern werden bei der Suche nach einem Kitaplatz unterstützt.


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