Gründern Starthilfe geben

Dr. Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, erklärt im Mensagespräch, wie der Fonds Gründern unter die Arme greift

Dr. Michael Brandkamp Foto: privat

 

Herr Dr. Brandkamp, wie erfolgreich sind Deutschlands Gründer Ihrer Meinung nach?

Ich glaube, dass Deutschlands Gründerszene insgesamt auf einem guten Weg ist. Das lässt sich daran erkennen, dass die Anzahl von erfolgreichen Start-ups stetig zunimmt.

Welches Ziel hat der High-Tech Gründerfonds (HTGF) in diesem Zusammenhang?

Unser Ziel ist es, junge High-Tech-Unternehmen erfolgreich zu machen. Dafür investieren wir in der frühen Phase – sprich in den ersten drei Jahren nach der Unternehmensgründung – zwischen 500.000 und 600.000 Euro. In Ausnahmefällen auch bis zu einer Million Euro. Zusätzlich stehen für weitere Finanzierungsrunden nochmals zwei Millionen Euro zur Verfügung. Insgesamt können wir also bis zu drei Millionen Euro in junge Unternehmen investieren.

Das sind beachtliche Summen. Woher kommt dieses Kapital?

Das Geld kommt einerseits aus öffentlichen Quellen, etwa vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, und andererseits aus mittelständischen und großen Unternehmen, die in den Fonds investiert haben.

Welche Beweggründe sehen Sie im Engagement der Kapitalgeber?

Die Öffentlichen haben die Motivation, gute Ideen in die Kommerzialisierung zu führen. Denn Deutschlands Unternehmen sind zwar sehr gut darin, aus Geld Wissen zu machen, aber nicht umgekehrt. Start-ups tragen dazu bei, aus Ideen eine gute Innovation zu machen und diese in den Markt zu tragen. Deshalb ist der High-Tech Gründerfonds für öffentliche Investoren und auch für den Steuerzahler ein sehr gutes Investment. Die 30 privaten Großunternehmen, die ebenfalls in den Fonds investieren, sind daran interessiert, Innovationen in ihr Unternehmen zu bringen. Sie möchten Kontakte zu den Start-ups knüpfen und mit ihnen kooperieren, um so auch Innovationen in die eigene Firma zu transportieren. Denn die meisten Großkonzerne und großen Mittelständler sind in ihrer Innovationsgeschwindigkeit limitiert. Deshalb laufen sie Gefahr, irgendwann nicht mehr mithalten zu können und vielleicht sogar abgehängt zu werden. Start-ups hingegen gelten als sehr flexibel, schnell und innovativ, sodass sie perfekte Partner für diese großen Unternehmen darstellen.

Das Kapital ist das Eine, wie unterstützt der HTGF junge Start-ups noch?

Neben der Finanzierung unterstützen wir auch mit unserer Erfahrung aus inzwischen 1.800 Transaktionen – und mit Vitamin B. Zum einen bieten wir Gründern die Möglichkeit mit anderen Investoren in Kontakt zu treten und diese für eine Anschlussfinanzierung zu gewinnen. Zum anderen können wir dabei helfen, gute Management-Partner für ihr Team zu finden. Denn wir haben ein Netzwerk von über 800 potenziellen Unternehmern, die zwar in großen Unternehmen arbeiten, aber gerne in ein Start-up einsteigen wollen. Wir vermitteln zwischen diesen Interessierten und den Start-ups. Außerdem tragen wir mit unseren Ansprechpartnern in großen Industrieunternehmen dazu bei, dass Start-ups leichter Umsatz generieren können und helfen den jungen Unternehmen generell bei Fragen in der Aufbauphase – zum Beispiel indem wir den Kontakt zu Scouts und Experten herstellen.

Geben Sie unseren Lesern einen Tipp: Was würden Sie Gründern generell raten, wie sie in der Planungsphase vorgehen sollen?

Ich würde ihnen raten, mit Außenstehenden zu reden, ihr Projekt zu reflektieren und von verschiedensten Seiten Feedback einzuholen. Sie können auch an Businessplan-Wettbewerben teilnehmen oder darüber nachdenken, einen Coach einzubinden. Im Prinzip ist es aber der Austausch mit anderen, der ein Gründerteam weiterbringt. Daneben würde ich vor allen Dingen mit Kunden reden, um die Relevanz eines Produkts oder einer Dienstleistung einschätzen zu können. Denn letztendlich kommt es darauf an, ob der Kunde bereit ist, dafür Geld auszugeben. Ist er es nicht, kann das Projekt nicht erfolgreich werden.

Was können Gründer beherzigen, wenn es darum geht, einen Investor zu überzeugen?

Da gibt es zwei Komponenten. Die emotionale Ebene und die sachliche Ebene. Gerade am Anfang müssen Gründer ein Problem beschreiben, welches sie in besonderer Weise lösen und herausarbeiten, wie sie mit ihrer Lösung im Idealfall die Welt oder Märke ein Stück weit verändern können. Das ist ein wichtiger Step, bei dem Start-ups ihre Investoren zunächst einmal einfangen müssen. Dann muss es dem Team gelingen, neben der Begeisterung auch das Vertrauen des Investors zu gewinnen. Das geht über eine gut recherchierte sachliche Lage: Gründer sollten auftretende Probleme ansprechen, aber auch Lösungswege beschreiben. Werden Risiken und Hürden verschwiegen und der Investor stößt auf sie, ist das denkbar nachteilig. Im Prinzip sollten Gründer also Chancen adressieren, klar herausarbeiten, aber auch die Risiken und Hürden benennen und zugleich Lösungsansätze mitliefern.

Wie schätzen Sie die künftigen Perspektiven für Start-ups in Deutschland ein?

Die Aussichten sind positiv. Vor allen Dingen, weil immer mehr starke, hochtalentierte Absolventen sich dazu entschließen in die Start-up-Szene zu gehen.

  • Dr. Michael Brandkamp ist seit 2005 – also seit der ersten Stunde – Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds. Er verfasste den wesentlichen Teil des Businessplans für die Frühphaseninvestition in junge Technologie-Start-ups. Dr. Brandkamp studierte Volkswirtschaft an den Universitäten Münster, Nairobi und Bonn und promovierte an der Technischen Universität Freiberg am Lehrstuhl für betriebswirtschaftliche Innovationsforschung. In der Mensa aß der HTGF-Geschäftsführer am liebsten Currywurst mit Pommes.

 


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