Mensagespräch mit FlixBus CIO Daniel Krauss

Zu dritt fingen sie 2011 an, das erste Büro hatte nichtmal elf Quadratmeter. Heute ist FlixBus die Nummer Eins des Deutschen Fernbusmarktes. Im Gespräch erzählt Daniel Kraus, CIO von FlixBus, vom Abenteuer Gründung und dem First Big Investment – einem Drucker für 300 Euro

Daniel, der Legende nach entstand die Idee zum Fernbusgeschäft in der Kneipe. Stimmt’s?

Zumindest fast. 2009 saßen Jochen, André und ich erstmals in einer Münchner Bar zusammen. André kannte ich schon aus der Schule. Zu Studienzeiten hatten wir bereits ein eigenes IT-Start-up gegründet, das wir für unseren Abschluss allerdings wieder aufgaben. André war damals Fraktionsvorsitzender der Grünen in Fürth – er hatte im Koalitionsvertrag der Bundesregierung von den Liberalisierungsplänen zum Fernverkehr gelesen. Diese einmalige Chance, einen Markt neu zu gestalten, wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Welches Vorwissen habt ihr drei Gründer damals mitgebracht?

Jochen und André kamen aus der Strategieberatung und ich hatte zuvor bei Microsoft gearbeitet. Mit Bussen hatten wir damals eher weniger zu tun, das Thema fanden wir aber extrem spannend.

Du bist der Techie im Gründerteam. Welchen Stellenwert hat die IT in einem Fernbusunternehmen?

Es geht eben nicht nur um Busse: wir sind eine Kombination aus Technologie-Start-up, E-Commerce- und klassischem Verkehrsunternehmen. Eindeutig war die Digitalisierung eines analogen Verkehrsmittels die Basis für unseren Erfolg. Nur durch digitale Prozesse und einem extrem großenTeam von Entwicklern und Product-Ownern konnten wir die Qualität des Angebots und die Geschwindigkeit unseres internationalen Netzausbaus sicherstellen. 

Salopp gefragt: Was ist das Erfolgsgeheimnis von FlixBus?

Glück und gutes Timing. Außerdem haben wir einfach viele kleine Entscheidungen richtig getroffen. Eine davon war definitiv das Businessmodell. Es war recht schnell klar, dass sich in diesem Markt nicht die Spieler mit dem großen Geld, sondern die, die schnell und flexibel auf Kundenwünsche reagieren, durchsetzen werden.

Diese Flexibilität verdankt ihr sicher auch eurer anfänglichen Start-up-Struktur …

Klar. Wir sind einfach näher am Produkt und am Kunden, als Großkonzerne, die sich in einem neuen Geschäftsfeld versuchen. Wir wissen, was die Fernbus-Nutzer wollen und treiben Produktinnovation sowie die Weiterentwicklung unseres Angebots voran. So haben wir im Gegensatz zur Konkurrenz die Busse voll bekommen und können das Geschäft nachhaltig und trotz günstiger Ticketpreise rentabel betreiben. 

Nun ist FlixBus – ziemlich rasant – in fünf Jahren von drei auf über 1.000 Mitarbeiter gewachsen. Wie habt ihr das gemanagt?

Ein derartig schnell wachsendes, mittlerweile internationales Team erfordert eine gute Abstimmung und Zusammenarbeit. Zusätzlich haben wir durch viel Mut, Teamgeist, Kundenorientierung und Gründerspirit viel erreicht. 

Was waren die härtesten Brocken, an denen ihr zu kauen hattet?

Eine große Unsicherheit war, ob der Fernbusmarkt tatsächlich liberalisiert wird. Außerdem haben wir versucht mit ein paar schönen Slides traditionelle, sicherheitsliebende Mittelständler von unserer Idee zu überzeugen – keine leichte Aufgabe. Nach über 5.000 geputzen Klinken unterschrieben gerade einmal sieben Startpartner.

Neues Jahr, neue Ziele: Welche Projekte stecken für 2017 in der FlixBus-Pipeline?

Wir wollen auch zukünftig das Thema Mobilität in Europa neu denken – Stichwort Automatisierung und künstliche Intelligenz – und dabei noch mehr Menschen vom Individualverkehr in ein optimal vernetztes, komfortables und nachhaltiges öffentliches Reisemittel bekommen. Im Frühjahr 2017 eröffnen wir ein Inlandsnetzwerk in Dänemark und erweitern somit unser europaweites Netzwerk in Skandinavien.  Viele Studierende spielen mit dem Gedanken, ein eigenes Start-up zu gründen.

Für wie wichtig hälst du die richtige Zusammensetzung des Gründerteams?

Das passende Gründerteam ist das A und O. Alleine hätte es keiner von uns bis hierher geschafft. Zudem haben wir uns mit anderen Start-ups und Profis ausgetauscht und haben unsere vorhandenen Netzwerke genutzt. Vor allem sollte man sich jedoch etwas trauen und keine Angst vor großen Wettbewerbern und Konzernen haben.Wer selbst nicht gründet, möchte vielleicht bei FlixBus mitmischen.

Was muss ein (IT-)Absolvent mitbringen, um bei euch zu landen?

Wir suchen mutige und begeisterungsfähige Kollegen, die etwas bewegen wollen und einfach auch mal quer denken können. Vor Kurzem erst habe ich die Arbeit in der IT umgekrempelt: Jeder soll sein eigenes Experiment am Laufen haben und Selbstorganisation ersetzt klassische Hierarchie. Unsere Mitarbeiter sollen ihre Komfortzone hin und wieder verlassen und Neues wagen – denn je mehr Leute kreativ denken, desto mehr Innovationen entstehen. 

Hast du von Anfang an daran geglaubt, dass eure Idee mit den Bussen einmal so einschlägt?

Am Anfang stand definitiv nur Deutschland im Fokus. Der Plan war, hier ein flächendeckendes, nationales Angebot zu etablieren. Recht bald haben wir aber gemerkt, dass unser Produkt in nahezu allen europäischen Ländern erfolgreich sein kann. Dass es bald auch FlixBus France, FlixBus Italia oder FlixBus Danmark, Teams in Paris, Mailand oder Zagreb und ein europaweites Netz geben wird, hätten wir uns damals in der Kneipe aber definitiv nicht träumen lassen.

 


Anzeige

Anzeige