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Umweltingenieur: ein Eldorado für junge Ingenieure

Effizientere Energie und gesündere Umwelt - das sind die spannenden Ziele von Umwelttechnikern. Auch für dich?

Klimawandel, Naturkatastrophen, gestörte Ökosysteme – was die Umwelt betrifft, sieht sich die Weltgemeinschaft bekanntermaßen mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, die nachhaltig gelöst werden müssen. Mit dem wachsenden Bewusstsein für Umweltproblematiken steigt zugleich auch die Nachfrage nach Fachleuten aus dem Bereich der Umwelttechnik. Absolventen der Ingenieurwissenschaften, die sich auf eines der zahlreichen Teilgebiete aus dem Feld Energie und Umwelt spezialisiert haben, sind also gefragt auf dem Arbeitsmarkt.

Da wundert es nicht, dass mittlerweile viele Studiengänge angeboten werden, die sich vertieft mit dieser Thematik auseinandersetzen. Ein Beispiel dafür ist der Studiengang ›Umweltingenieurwesen‹ der TU Braunschweig. Studiendekan Prof. Dr. Frank Suhling führt aus, welche beruflichen Anforderungen auf seine Studierenden zukommen können: »Die Aufgaben von Umweltingenieuren bestehen darin, naturwissenschaftlich und technisch fundierte Lösungen für die effiziente, nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung auszuarbeiten und die dazu notwendigen Infrastrukturbauten und -anlagen zu planen, zu realisieren und zu betreiben.« Um dafür möglichst fit zu sein, absolvieren die Studierenden im sechssemestrigen Bachelorstudiengang eine breite Ausbildung mit vielen individuellen Vertiefungsbereichen wie ›Gewässermanagement‹, ›Bauphysik‹ oder ›Ver- und Entsorgungswirtschaft‹. Das darauf aufbauende, viersemestrige Masterstudium ist dann noch stärker mit den Studiengängen ›Umweltnaturwissenschaften‹ und ›Bauwesen‹ verzahnt und bietet Lehrveranstaltungen zu den Themen ›Bodenschutz und Geotechnik‹, ›Umweltmonitoring‹ oder ›Verkehr und Infrastruktur‹.

Dirk Franzen, Geschäftsführer der Gesellschaft Energie und Umwelt des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI-GEU), freut sich sehr darüber, dass es mittlerweile einige Studiengänge gibt, die den Bereich Umwelt facettenreich abdecken. Er betont, dass unsere Gesellschaft dringend qualifizierten Nachwuchs braucht, der sich mit Umweltthemen und der dazugehörigen Technik gut auskennt. Und er nennt gleich ein Beispiel dafür, wo diese Fachleute ihr Wissen einbringen können. »Eine der bedeutendsten Herausforderungen unserer Zeit liegt in der erfolgreichen Umsetzung der Energiewende«, erklärt er. »Hier liegt der ingenieurwissenschaftliche Fokus auf der Entwicklung neuer Technologien, die einen Beitrag hin zu einer CO2-ärmeren Energieversorgung leisten können.« Ein weiterer wichtiger Punkt ist laut dem Diplomingenieur der sichere Umgang mit den noch nicht abgeschalteten Atomkraftwerken in Deutschland, der bis zum letzten Tag gewährleistet sein muss: »Nicht nur für die Betriebsführung der Kraftwerke, sondern auch in Hinblick auf den Rückbau, die Entsorgung und die sichere Aufbewahrung von Materialien aus kerntechnischen Anlagen ist fachkundiges Personal unbedingt erforderlich.« Für Frank Suhling, der an der TU Braunschweig als Dozent für organismische Ökologie, Biodiversität und Naturschutz arbeitet, kristallisieren sich neben der Energieversorgung und -einsparung im Baubereich momentan drei weitere Themenkomplexe heraus, die künftig noch mehr an Relevanz gewinnen werden: nachhaltige Wasserversorgung und die nachhaltige Nutzung von Oberflächengewässern, die Planung und Gestaltung der Stadt der Zukunft sowie Mobilität und Verkehr.

Die Vielfalt der umweltbezogenen, ingenieurwissenschaftlichen Themen spiegelt sich in den Berufsmöglichkeiten in diesem Bereich wider. »Umweltingenieure können als Entwickler, Hersteller und Betreiber von Technologien und Ausrüstungen der Umwelttechnik in Ingenieurbüros, General- und Industrieunternehmen sowie in der Forschung arbeiten«, gibt Frank Suhling einen Überblick über potenzielle Einsatzgebiete. »Bei Banken und Versicherungen beurteilen Ingenieure mit ökologischer Spezialisierung Projekte im Hinblick auf ihre Umweltauswirkungen und -risiken. Weitere Tätigkeitsfelder eröffnen sich bei öffentlichen Verwaltungen, im Vollzug der Raumplanungs- und Umweltschutzgesetzgebung sowie in der Leitung von kommunalen Ver- und Entsorgungsbetrieben.« Wer den Nutzen seiner Arbeit so direkt wie möglich spüren möchte, ist bei der Entwicklungshilfe im Ausland gut aufgehoben: »Hier können Umweltingenieure etwa mit der Versorgung der Bevölkerung mit frischem Trinkwasser oder der Entsorgung der anfallenden Abwässer einen großen Beitrag zur Verbesserung der dortigen Lebensumstände leisten«, erklärt der Studiendekan. Egal, in welchem Bereich angehende Umweltingenieure beruflich Fuß fassen möchten, ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein sollten sie nach Auffassung des 51-Jährigen immer mitbringen. »Man darf sich im späteren Berufsleben nicht davor scheuen, die anfallenden Aufgaben in teilweise leitenden Funktionen eigenverantwortlich zu bewerkstelligen«, betont er. »Da man in diesem Bereich sehr häufig auch im Team arbeitet, sind Diskussions- und Kommunikationsfähigkeit sowie Überzeugungs- und Tatkraft ebenfalls relevante Eigenschaften.«

Fachlich gesehen sollten sich Umweltingenieure nicht nur mit den rein ingenieurwissenschaftlichen Zusammenhängen auskennen, sondern zudem ein hohes Interesse an anderen Fachrichtungen wie den Naturwissenschaften, der Wirtschaft oder der Soziologie mitbringen. Dirk Franzen weist zusätzlich darauf hin, dass im Arbeitsalltag gute Kenntnisse rechtlicher Zusammenhänge enorm wichtig sind: »Beispielsweise sind im Rahmen der Planung, der Genehmigung und des Baus von Energieerzeugungsanlagen immer auch rechtliche Regelwerke wie beispielsweise das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie das Bau- und Immissionsschutzrecht zu beachten.« An der TU Braunschweig ist diese Tatsache bereits im Lehrplan berücksichtigt. »Wir bieten unseren Studierenden einige Rechtsvorlesungen, zum Beispiel zum europäischen und internationalen Umweltrecht, zum Wasserrecht oder zum Genehmigungsrecht«, erklärt Frank Suhling.

Sowohl der Studiendekan als auch VDI-Experte Dirk Franzen sind sich sicher: Mit einer interdisziplinären Ausbildung und bestenfalls auch noch interkulturellen Kompetenzen im Gepäck können Umweltingenieure in puncto Karriere richtig durchstarten – und dabei dafür sorgen, die Welt jeden Tag wieder ein bisschen nachhaltiger zu machen.


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