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Sehnsucht als Kompass

Abschluss in der Tasche und du weißt noch nicht, wo es hingehen soll? Wie du deinen Traumjob findest, erklärt Expertin Anja Schreiber

Was soll ich nach dem Studium machen? Diese Frage wird immer drängender, je näher das Studienende rückt. Denn allein mit der Entscheidung für einen Studiengang ist noch längst nicht klar, wohin die Reise nach dem Hochschulabschluss gehen wird. Den Absolventen bieten sich verschiedenste Berufs- und Tätigkeitsprofile. Um bei all den vielen Möglichkeiten die Orientierung nicht zu verlieren, ist die eigene Sehnsucht ein guter Kompass.

Vernunftsentscheidung versus Zufriedenheit

Doch oft bestimmen nicht die persönlichen Bedürfnisse, sondern Vernunftsgründe die Berufswahl. Die Stuttgarter Karriereberaterin Sonja Kämpfer von Vectis Consulting weiß allerdings, dass ›vernünftige‹ Jobentscheidungen nicht automatisch zu mehr Zufriedenheit im Beruf führen. Das Gegenteil ist der Fall: »Oft sind Berufstätige unzufrieden, weil sie nicht darüber nachgedacht haben, was sie gerne tun«, betont Kämpfer. »Im Vordergrund steht oft eine materielle Sicht auf den Job, anstatt sich auf seine Leidenschaften und Stärken zu konzentrieren.« Wer weiß, wofür er brennt und was er wirklich will, hat bei der Stellensuche in der Regel einen entscheidenden Vorteil: Er kann dies den Unternehmensvertretern gegenüber kommunizieren und sie so überzeugen. Es gibt also gute Gründe, über sich und seine Träume und Wünsche zu reflektieren. Die Berliner Karriereberaterin Martina Bandoly rät: »Am besten fragen sich Studierende, was ihnen Spaß macht und wobei sie in den Flow kommen.«

Der Blick zurück hilft

Einigen fällt vielleicht spontan gar nicht ein, was sie wirklich gut können und wofür sie brennen. Deshalb lohnt ein Blick zurück. Ein paar Fragen helfen dabei: Wo konnte ich bisher meine Fähigkeiten unter Beweis stellen? Welche Jobs und Praktika haben mir Spaß gemacht? Welche Inhalte im Studium haben mir besonders gelegen? Wann habe ich mich wohlgefühlt? Wo bekam ich ein tolles Feedback? Es müssen übrigens nicht immer Erfahrungen aus Studium und Job sein, die wichtige Hinweise auf die eigenen Stärken liefern. Das Privatleben und die Hobbys sprechen ebenfalls Bände. Darum sollten Studierende auch dies in ihre Überlegungen einbeziehen – genauso wie die Antwort auf die Frage: Unter welchen Umständen bin ich bereit, morgens freiwillig eine Stunde früher aufzustehen?

Ebenso zentral ist die Reflexion über die eigenen Schwächen. Nicht jedes Praktikum ist ein Erfolg. Manch ein Job macht überhaupt keinen Spaß. Diese Erkenntnisse sind ebenfalls wertvolle Informationsquellen, die als Wegweiser fungieren können. Am besten ist es, sich all diese Überlegungen aufzuschreiben. Denn wer sich Notizen macht, kann diese später noch einmal durchlesen. Er hat damit eine gute Ausgangsbasis für weitere Reflexionen und eine fundierte Entscheidung. Eine Entdeckungstour durch die eigenen Notizen, Tagebücher und Computerdateien kann helfen, hier klarer zu sehen. Vielleicht hat der eine kleine PC-Spiele programmiert, die andere Videos gedreht oder Geschichten geschrieben. All diese Aktivitäten zeigen, wo Stärken und Engagement zu finden sind – jenseits aller Nützlichkeitserwägungen.

Reflexion über Sinn und Werte

Es empfiehlt sich, über die persönlichen Werte und Stärken nachzudenken. Es macht einen Unterschied, ob jemand für eine NGO arbeitet oder für ein Dax-Unternehmen. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, sich ein paar Fragen zu beantworten: Was sind meine wichtigsten Werte? Wo erlebe ich Sinn? Wer oder was begeistert und inspiriert mich? Ein weiteres Thema sollte ebenfalls im Mittelpunkt aller Überlegungen stehen: Wie will ich leben und arbeiten? Es geht hierbei um die eigenen Zukunftsvorstellungen. Am besten ist es, sich den Wunschalltag ganz konkret auszumalen. Will ich einen Nine-to-five-Job oder möchte ich mich selbstständig machen?  Will ich im Team arbeiten oder tüftle ich lieber allein an Lösungen? Welche Arbeitsumgebung inspiriert mich? Genauso wichtig wie die beruflichen Wünsche sind die privaten Träume. Wer viel Zeit mit seiner Familie verbringen will, wird als Unternehmensberater wahrscheinlich nicht glücklich. Schließlich ist dieser Beruf für lange Arbeitszeiten bekannt.

Hat jemand all diese Reflexionsschritte unternommen, ist ihm wahrscheinlich klar, wo ihn die Reise hinführen soll. Das Wichtigste ist dann, praktische Erfahrungen im angestrebten beruflichen Umfeld zu sammeln. Denn so lässt sich am leichtesten erkennen, ob der Traumberuf wirklich der eigenen Sehnsucht entgegenkommt.


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