Danielle MacInnes / Unsplash

Vorstellungsgespräch für eine Ausbildung

Nervös? Keine Panik! Bevor du wegen eines anstehenden Vorstellungsgesprächs die Panik schiebst, solltest du dir eines klar machen: Wahrscheinlich hat das Unternehmen, bei dem du dich um einen Ausbildungsplatz beworben hast, einen ganzen Stapel Bewerbungen bekommen. Deine hat so viel Interesse geweckt, dass der Ausbilder dich persönlich kennenlernen möchte.

Das heißt: Du wurdest zum Gespräch eingeladen, also interessiert sich dein potenzieller Arbeitgeber für deine Person und Arbeitskraft. Die erste Hürde ist also schon genommen und alle anderen schaffen wir ebenfalls gemeinsam!
 


Vorstellungsgespräch: Vorbereitung

Es gilt also nur noch, einen guten persönlichen Eindruck zu hinterlassen. Das schaffst du am besten, wenn du dich – und das geht ziemlich gut – auf das Gespräch vorbereitest.

Informierenn und üben

Informier dich genau über das Unternehmen, bei dem du dich vorstellst. 

  • Klick dich gründlich durch die Homepage, das ist ganz wichtig und kann eventuell ausschlaggebend sein.
  • Bewirbst du dich bei einem kleinen Unternehmen, kannst du dich bei einem vorherigen – angekündigten (!) - Besuch schlau machen, das zeugt von Interesse und wird keinen nerven.
  • Überlege dir vorab Fragen zur Branche und zum Unternehmen, die dich wirklich interessieren.
  • Mach dir Gedanken über deine Stärken und Schwächen und darüber, was dich konkret an diesem Beruf, für den du dich bewirbst, reizt.

Fragen diesen Inhalts werden im Vorstellungsgespräch nämlich gern gestellt und es kommt weniger gut, wenn du keinen Plan über dein Wunschunternehmen hast oder auf die Frage, warum du EDV-Kaufmann werden willst, nur sagst:»Ich mach halt gern mit’m Computer und so.«

Wenn du also auf solche Fragen aus dem Effeff eine Antwort geben kannst, hast du schon Land gewonnen.

Lebenslauf und Anschreiben mitnehmen

Nimm deine vollständigen Bewerbungsunterlagen oder deine Bewerbungsmappe mit zu deinem Bewerbungsgespräch. Ausdrucken und vor dich auf den Tisch legen. Erstens hast du deine Daten so im Blick und kannst bei Rückfragen zu deinem Lebenslauf kurz spicken, sollte dir eine Station vor lauter Aufregung nicht mehr einfallen. Und zweitens hast du direkt Platz für Notizen.

Hier gilt das gleiche, wie beim Schreiben der Bewerbung: Auch deine Unterlagen sollten keine Fettflecken, Kaffeeränder und Eselsohren haben.
 


Wie du bei einem Vorstellungsgespräch auftreten solltest

Natürliches Auftreten

Versuche nicht allzu verkrampft und unsicher, sondern natürlich aufzutreten. Sagt sich so einfach - aber vielleicht hilft es dir, wenn du dir vor Augen hältst, dass nicht nur du etwas von dem Unternehmen möchtest - nämlich einen Ausbildungsplatz -, sondern das Unternehmen auch etwas von dir - nämlich einen guten, motivierten Azubi, der ins Team passt.

Spiele nicht den coolen Oberchecker

Genauso wichtig: Spiel nicht den coolen Oberchecker, auch wenn du damit nur Nervosität überspielen willst. Im Vergleich mit deinem Gesprächspartner bist du einfach nur ein kleines Würstchen, das gerade mal eine von vielen Hürden, nämlich das Abi, erfolgreich genommen hat.

Der Ausbilder hat massig Bewerber zur Auswahl und wenn du mit der »Ich bin ein Supertyp«-Masche antanzt, wird er dir gerne die Und-Tschüss-Hand geben und sich den nächsten Bewerber anschauen.

Körpersprache

Die Körpersprache wirkt unmittelbar auf deinen Gesprächspartner - entweder positiv oder negativ. Übe mit einem Freund oder einem Familienmitglied und lasse dir sagen, wie du auf den anderen wirkst. Eher verschlossen? Nervös? Oder souverän und selbstbewusst? 

Gut ist ebenfalls, sich selbst in einer gespielten Bewerbungssituation mit dem Handy aufzunehmen und sich das Video danach anzusehen, auszuwerten und es gleich im Anschluss nochmal, und zwar besser, zu machen.

Verschränkte Arme sind ein No-Go, genauso wie kippeln auf dem Stuhl oder zu ausladende Gesten mit den Händen. Wenn du nicht weißt, was du mit deinen Händen machen sollst, dann lege deine Unterarme auf den Tisch und verschränke die Hände ineinander, wie beim Gebet.
 


Welche Kleidung du beim Vorstellungsgespräch wählen solltest

Informiere dich über Standards

Überleg dir außerdem vorher, was du anziehst: Freizeitlook ist nicht drin beim Vorstellungsgespräch, ein Anzug oder Kostüm macht meist Sinn. Schau dir an, was typische Berufsvertreter in dem von dir angestrebten Beruf tragen und orientiere dich an deren Kleidung.

Solltest du dich um eine Ausbildung bei einer Bank bewerben, ist selbstverständlich ein Anzug mit Krawatte Pflicht. Falls du Azubi in einem Handwerksbetrieb werden möchtest, reicht unter Umständen eine ordentliche (!) Jeans und eine Bluse beziehungsweise für die Jungs ein Hemd.

Kein Minirock und kein extremes Makeup

Mädels: Superknappe Minis, Nabelfreies, Durchsichtiges und Hosen mit String-Tanga-Einblick kommen nur bei ‘ner Bewerbung als Club-Gogo gut. Achte aber auch darauf, dass du dich wohl fühlst und nicht steif wie Brokkoli durch die Gegend schreitest. 

Piercings & Co. solltest du lieber daheim lassen, stattdessen Fingernägel und Schuhe putzen und nicht zuviel Haarspray oder Parfum benutzen.

Die Sache mit dem Körpergeruch

Hört sich vielleicht albern an, aber geh vor dem Vorstellungsgespräch unter die Dusche oder in die Badewanne! Du wärst nicht der erste Bewerber, dessen Deo kurz vor dem Gespräch versagt und der als ersten Eindruck eine Fahne von Schweiß hinterlässt.

Knoblauch am Vorabend des Vorstellungsgesprächs ist tabu! Kein Ausbilder möchte einen Azubi einstellen, der aus dem Mund riecht, als würde er in einer Dönerbude leben.

Extrem wichtig: Pünktlichkeit ist selbstverständlich, also mach dich schlau über den Anfahrtsweg und plane lieber ein paar Minuten mehr ein und warte vor der Tür.
 


Wie ein Vorstellungsgespräch für eine Ausbildung abläuft

Vorstellungsgespräche verlaufen meistens nach demselben Schema:

  • Begrüßung und Small Talk
    Zunächst wirst du begrüßt und mit ein bisschen Small Talk aufgelockert. Schon hier kannst du Dämme einreißen, indem du dich nicht schüchtern im Stuhl vergräbst, sondern offen auf deinen Interviewer zugehst, lächelst und eine positive Grundhaltung vermittelst. Ein bisschen Nervosität darf man dir ruhig anmerken, die ist in so einer Situation menschlich und normal.
  • Informationen zum Unternehmen und zur Ausbildungsstelle
    Das eigentliche Gespräch wird dann meist mit einigen Grundinfos zum Unternehmen und der dich erwartenden Tätigkeit eingeleitet.
  • Fragen zu dir und deiner Motivation
    Im Anschluss bist du an der Reihe: Es folgen Fragen zu deiner Motivation, dich auf diese Stelle in diesem Unternehmen zu bewerben, zu deiner Person, deinen schulischen Leistungen und Vorlieben, deinem familiären Hintergrund, evtl. zu deinem Allgemeinwissen und zu kniffligen Situationen, die dir in dem von dir angestrebten Beruf passieren könnten. All diese Fragen dienen dem Interviewer dazu, sich ein Bild von deiner Persönlichkeit, deiner Leistungsbereitschaft und deiner Kompetenz zu machen. Er will herausfinden, wie anpassungs- und teamfähig du bist und ob man gut mit dir zusammenarbeiten kann. Von daher ist es wichtig, nicht zu knapp zu antworten.
     

Wie du im Vorstellungsgespräch mit schlechten Noten umgehen kannst

Sollten einem deine Noten in bestimmten Fächern eher die Trauertränen in die Augen treiben, wird der Personaler dich nach dem Grund fragen:

Bei Lernfächern wird er Faulheit, in Denkfächern andere Schwächen vermuten.

Du solltest dir also überlegen, ob und wie du die 0 bis 5- Punkte-Abteilung in deinem Zeugnis erklären kannst. Ich-kann-nix-dafür-Argumente wie »Das war der blöde Mathe-Lehrer, den konnte einfach keiner ab« oder Ähnliches (auch wenn sie stimmen) solltest du allerdings stecken lassen, die zeugen nicht gerade von deiner Fähigkeit zum eigenverantwortlichen Arbeiten.

Du musst auch nicht jede Frage beantworten - Fragen nach deiner politischen Meinung, nach Vorstrafen oder privaten Plänen wie Heirat sind im Vorstellungsgespräch gar nicht zulässig.
 


Vorstellungsgespräch: Fragen zu deinen Stärken und Schwächen

Konzentriere dich auf die Darstellung deiner Stärken und Schwächen, auf eine gesunde Selbsteinschätzung und auf dein Interesse für den gewählten Beruf.

Frag am besten vorher deine Familie oder Freunde nach deinen Stärken (vielleicht kannst du z.B. andere gut überzeugen) und Schwächen (z.B. Ungeduld) und überleg dir Situationen, in denen diese besonders zu Tage traten. Vielleicht hast du Stärken, die für deinen Traumjob besonders vorteilhaft sind? Vergiss nicht, das dann auch zu sagen!

Sei aber vorsichtig bei der Nennung deiner Schwächen! Eigenschaften wie Unzuverlässigkeit solltest du nicht erwähnen. Erwähn lieber eine harmlosere Schwäche und erkläre, was du dagegen tust.
 


Vorstellungsgespräch: Bereite eigene Fragen vor

Am Ende wird der Interviewer dir Gelegenheit geben, selbst Fragen zu stellen. Auch hier kannst du echtes Interesse und Begeisterung signalisieren, indem du den Dialog suchst.

Sätze wie »Och, eigentlich ist für mich alles klar« werden den Interviewer kaum von deiner Motivation überzeugen. Vermeide aber andererseits Fragen wie »Wann krieg ich den ersten Urlaub?«.

Fragen zum »Gehaltsrahmen« sind okay – allerdings erst ganz am Schluss, wenn der Interviewer nicht von selbst drauf gekommen ist. Erkundige dich zuerst also lieber, wie deine Ausbildung konkret abläuft, wie viele Auszubildende übernommen werden und welche Weiterbildungsmöglichkeiten der Betrieb bietet.

Zum Schluss kannst du locker-flockig fragen, wann du mit einer Benachrichtigung rechnen kannst. Viel Glück!


Anzeige

Anzeige