@pixabay.com / martinlutze-fotografie

Klischee oder Wahrheit: Augenoptiker

Unsere Klischee-Wahrheit-Checks. Diesmal: Ausbildungen zum Augenoptiker

 

Klischee

Du hast genau mit zwei Kategorien von Menschen zu tun: Die einen, die wegen maulwurfartiger Sehfähigkeiten eine Brille brauchen, aber keine wollen. Und die anderen, die adlerscharf sehen, aber ein Hipster-Nasenfahrrad als top of top ihrer modischen Selbstinszenierung brauchen. Dazwischen pendelst du tagein, tagaus hin und her, holst pro Kunde gefühlt 250 Modelle aus den Schaukästen, nur um kundenseitig eins ums andere Mal mit Kopfschütteln zur weiteren Sondierung deines Sortiments angehalten zu werden. Damit fertig, heißt es Dioptrien rausfinden, endlos lange lässt du Kundschaft vom Teenager bis zum Mütterchen langweilige Zahlen- und Buchstabenkombis ablesen, auf der stetigen Suche nach der Antwort auf die Frage: Ist die Schärfe der Buchstaben mit 0,25 Dioptrien besser, weniger oder gleich? Und weil der geneigte Bald-Brillenträger sich hier nicht so richtig festlegen möchte, kann das dauern und dauern. Geduld ist also den zweiter Vorname in diesem Job – denn die in Kombi mit kaufmännischem Fingerspitzengefühl brauchst du auch, wenn es an nach der reinen Style-Beratung an das Finden der passenden Gläser geht. Ach ja – selbstverständlich musst du  als Augenoptiker selbst bebrillt sein und ein Mindestmaß an Kontaktlinsenerfahrung mitbringen, sonst weißt du ja gar nicht, wie sich das Maulwurfdasein anfühlt. 
 

Wahrheit

Frieder Barnikel von Optik Schmidt über den Arbeitsalltag als Optiker


»Diesen Klischees muss und kann ich aufs Schärfste widersprechen: Ein Sehtest dauert etwa zehn bis 15 Minuten. Es macht Spaß und ist sozusagen ›Optiker-Ehre‹, die genau passende Sehstärke gemeinsam mit dem Kunden zu ermitteln. Bei der Suche nach der geeigneten Brille hole ich sicherlich keine 250 Modelle aus dem Schrank. Oft passt die erste Brille oder zumindest eine der ersten. Damit das gelingen kann, müssen Optiker ein gutes Gespür dafür entwickeln, was dem jeweiligen Kunden gefällt und mit welcher Brille er sich wohlfühlt: Form, Farbe und der Stil der Fassung müssen passen – zur Persönlichkeit des Kunden und damit zu seinem Outfit und seinem Auftreten. Mehrere Hundert Brillen auszuprobieren, macht gar keinen Sinn! Thema Reizüberflutung: Irgendwann kann unser Gehirn nicht mehr differenzieren. Wenn Kunden zufrieden und mit einem zu ihnen passenden Look unser Geschäft verlassen und wir wissen, jemanden in seinem individuellen Typ perfektioniert zu haben, ist das ein sehr erfüllendes Gefühl.« 
 


Anzeige

Anzeige