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Klischee oder Wahrheit: Philosophie Studium

NICHTS ALS DIE WAHRHEIT

Unsere Klischee-Wahrheit-Checks. Diesmal: zum Philosophie Studium.

 

Klischee

Eine Runde rumlabern – dafür kriegst du im Philosophiestudium schon den halben Doktortitel. Vorlesungsbesuch ist was für konventionelle Mainstreamler, als Philosophiestudent schläfst du dich vormittags aus, denkst nachmittags nach und diskutierst die Welt bewegenden Fragen abends bei zwei, drei Wein in deiner Kneipe. Selbstverständlich gehst du dorthin schwarzgewandet in bester Jean-Paul Sartre-Tradition und findest die Welt und ihre Läufe ganz grundsätzlich eher mal scheiße. Klassisch viel zu lernen brauchst du nicht, dein Studieninhalt heißt lesen, lesen, lesen und denken. Auf deinem Nachttisch stapelt sich Geisteskraft von Platon über Kant bis Wittgenstein, die Belletristik überlässt du den Banalisten. Deine Kommilitonen, allesamt denkerische Weltverbesserer mit der Überzeugung, die klügeren Menschen zu sein, lachen wenig und wenn, dann nur zu geistreichen bildungsschwangeren Insiderwitzen. Du weißt: Eine crazy Welt wie die unsere braucht Philosophen, die sie uns erklären. Anders wären Erfolge wie der von Richard David Precht unter keinen Umständen erklärbar. Deshalb hast du auch keine Angst, als Taxifahrer zu enden. 

Wahrheit

Sabine Storch über ihr Studium der  Philosophie & Buchwissenschaft
»Ganz so entspannt ist ein Philosophiestudium dann doch nicht: 700 Seiten dicke Wälzer von John Rawls, Platon oder Hume wollen gelesen werden – meist häppchenweise von Seminarsitzung zu Seminarsitzung. Dazu muss ich mir natürlich selbst auch Gedanken machen, Fragen überlegen und die Aussagen interpretieren. Im Seminar besprechen wir dann in kleineren Gruppen Fragen, die der Dozent sich überlegt hat oder aber derjenige, der die Stunde halten beziehungsweise moderieren muss. Anschließend werden die Ergebnisse besprochen – und diskutiert. Je nach anwesenden Freigeistern wird da schon mal recht heftig debattiert – auch mit dem Dozenten. In den Semesterferien stehen dann Essays und Hausarbeiten an. Tatsächlich habe ich in meinem Philosophiestudium nur eine Klausur geschrieben: in Logik. Das ist ähnlich wie Mathe, wird in den ersten Semestern des Studiums unterrichtet und soll später dabei helfen, Argumente zu analysieren – Philosophie ist also nicht nur ausschlafen, rumlabern, Wein trinken. Auch die Vorlesungen und Seminare sind meist gut besucht – anfangs, weil sonst der Einstieg verpasst wird, in den höheren Semestern allein schon, weil ständiges Fehlen bei den kleinen Seminargruppen doch auffällt. Unter meinen Kommilitonen fanden sich alle möglichen Typen: Vom ökologischen Barfußläufer über den langhaarigen Heavy-Metal-Fan hin zum Dichter und Denker. Lachen konnten aber alle häufig – auch über ganz normale Witze – und allzu viel schwarz wurde weder getragen noch gesehen. Was ich fürs Berufsleben mitgenommen habe: Argumentieren, analysieren, verschiedene Meinungen tolerieren und auch ungefragt über die eigene Sichtweise reflektieren.« 
 


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