Karibu heißt willkommen

Mit wenigen Swahilivokabeln und viel Vorfreude im Gepäck flog Kirsten nach dem Abi nach Tansania. Von Freiheit, Piki pikis und tollen Menschen.

Hakuna Matata, weite Savanne, wilde Tiere und Affenbrotbäume, deren Silhouetten sich vor ­einem orangeroten Abendhimmel abzeichnen – typisch Afrika? Im ostafrikanischen Tansania können sich Safaritouristen dieses Bild tatsächlich bestätigen lassen. Doch nach meinem ­Abitur fand ich es viel spannender, ein ganzes Jahr in dem fremden Land zu leben und einen authentischen Einblick zu bekommen. 

Nötig war dafür erst mal eine intensive Bewerbungsphase bei der evangelischen Entsendeorganisation ›Mission Eine Welt‹. Als feststand, dass ich als Lehrerin an einem Internat für körperlich behinderte Kinder in Sanya Juu, ­einem Dorf in der Nähe des Kilimanjaro, eingesetzt werden würde, gab es kein Halten mehr. Ich stürzte mich in die Vorbereitungen: Am Wochenende Swahili lernen, Gelbfieber-, Typhus- und weitere nötige Impfungen in die Wege leiten, Malariatabletten besorgen und mein Leben irgendwie in einem einzigen Koffer unterbringen. 

Ankunft in einer fremden Welt

Auf und ab hüpften mein Koffer und ich im Landrover auf der Buckelpiste, die zu meinem Zuhause auf Zeit führte. Der Mitarbeiter der Schule, der mich am Flughafen abgeholt hatte, zeigte mir dort angekommen freundlich das Häuschen, in dem ich wohnen sollte. Es war aufgrund der Regenzeit kalt und außerdem mitten in der Nacht. Also legte ich mich direkt auf die­ ­bröselige Kaltschaummatratze, zog die Decke bis unter die Nasenspitze und versuchte, mich von den Geckos an der Wand und der Zugluft, die durch das kaputte Fenster wehte, nicht allzu sehr beeindrucken zu lassen. 

Der erste Tag brach an und der leichte Anflug von Einsamkeit und Kulturschock verflog ziemlich schnell. Die Tansanier, mit denen ich in dem weitläufigen Schulkomplex zusammenarbeiten würde, waren von Anfang an sehr gastfreundlich und hilfsbereit. Zwar konnte ich mich zu Beginn mit meinen wenigen Swahili-Sätzen nicht allzu intensiv mit ihnen unterhalten, doch das änderte sich schnell. Besonders, als endlich meine Schüler nach ihren Sommerferien zurück ins Internat kamen, füllte sich der Ort mit Leben, vielen Liedern und ziemlich ­wenig Englisch. Ich war also gezwungen, an meinen Sprachkenntnissen zu feilen – was ­allerdings nicht schwer ist, wenn einen 90 Kinder bei Fehlern ungeniert auslachen und korrigieren. So hatte ich nach ein paar Monaten ein ganz passables Alltags-Swahili drauf und übernahm immer mehr Aufgaben an der Schule: den Büchereidienst, Sport-, Computer- und Kunstunterricht sowie nachmittags regel­mäßig Nachhilfestunden.  

Vom Bauernhof nach Sansibar 

Klingt kitschig, ist aber so: Das Leben in ­Tansania hat sich für mich nach Freiheit angefühlt. Ganz nach dem Motto ›Pole, pole‹, was so viel bedeutet wie ›immer schön langsam‹, macht es gar nichts, zu Terminen zu spät zu kommen. Es wird gerne dreimal am Tag eine Pause mit guten Gesprächen, ordentlich gesüßtem Chai und fettigen Teilchen namens Mandazi eingelegt. Stressiges Einkaufen mit viel zu großer Auswahl? Fehlanzeige. Stattdessen holt man sich die Zutaten fürs Mittagessen beim Bauernhof um die Ecke, selber Kühe melken und ­Hühner rupfen inbegriffen. Außerdem beeindruckend: Sonntagsgottesdienste können schon mal bis zu drei Stunden dauern, weil der siebte Improvisationschor auch noch ein Worshiplied schmettern möchte. Anders als in Deutschland wird dazu ausgelassen getanzt – und wer im Rollstuhl sitzt, der wird im Takt geschoben. 

Die Schulferien nutzte ich zum Erkunden dieses beeindruckenden Landes: Die größeren Städte Arusha und Moshi sind mit dem Piki piki, also dem Motorrad, gut zu erreichen. Der tansanischen Großzügigkeit sei Dank durfte ich mir für solche Trips das Piki des Hausmeisters ausleihen. Für weitere Ausflüge boten sich vor allem Busfahrten an: Zum Wandern in die ­Usambaraberge, auf Safari in den Ngorongoro-Krater, zum Städtetrip über die kenianische Grenze nach Nairobi oder für den Badeurlaub nach Dar es Salaam und dann per Fähre nach Sansibar. Dabei habe ich wunderschöne und intensive Eindrücke gesammelt – doch was mich am meisten beeindruckte, waren die Tansanier selbst und ihre unaufgeregte und dankbare Einstellung dem Leben gegenüber. Apropos: Der Ausdruck ›Hakuna Matata‹ ist ziemlich antiquiert – wer was auf sich hält, sagt jetzt ›Hamna shida‹. 


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