Mann sitzt vor Felswand auf Bali
Fotos: Andreas Brösa

Ein Semester auf Bali

Kulturstätte, Rollerfahrermekka und Feilscherparadies: Andreas Brösa hat auf Bali studiert und viel fürs Leben gelernt, was ihm tatsächlich die Schuhe ausgezogen hat.

Bali, ein weltbekanntes Reiseziel und doch so fern und unnahbar. Viele verbinden damit ein tropisches Inselparadies mit Honeymoon-Potenzial, feucht-warmes Wetter, eine fremde Kultur, Reisfelder und Strände gesäumt von Palmen und wellenreitenden Surfern – seien wir ehrlich: All das trifft es auch auf den Punkt! Aber es gibt noch mehr: Vier traumhafte Monate habe ich auf dieser magischen Insel in Indonesien verbracht, als Austauschstudent. Viele werden nun lächeln und denken, dass man da prima Urlaub machen kann, aber nicht ernsthaft studieren. Ich habe jedoch unheimlich viel gelernt.

Nicht nur in meinem Studium ›International Business Studies‹ an der ›Udayana University‹ in Denpasar, sondern auch für mich selbst, im täglichen Kampf mit den Kulturunterschieden. Nebenher habe ich dann noch ›ein bisschen‹ Urlaub gemacht. Doch lasst mich diesen Ort ein wenig näher beschreiben…


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Der Balinese lächelt gern

Semester auf BaliÜberall bekommt man ein Lächeln zugeworfen, von jung und alt, von Männern, Frauen und Kindern. Das beginnt bereits am Flughafen und lässt einen sofort unbewusst die Stimme in sich hören: »Echt angenehm hier!« Die typisch deutsche ›Kälte‹ – man denke hierbei nicht nur an die Jahresdurchschnittstemperatur – ist somit sofort vergessen, sobald man aus dem klimatisierten Flughafengebäude endlich ins Freie tritt. Ja, es ist wirklich verdammt heiß und schwül hier, der Reiseführer sollte Recht behalten. Als Weißer wird man von den Indonesiern gern als ›bule‹ bezeichnet, was soviel heißt wie ›Weißer‹ oder ›Westler‹ und eben jene haben alle einen unheimlichen Haufen an Geld, naja, zumindest um einiges mehr als die meisten Balinesen. Darum wird natürlich keine Gelegenheit ausgelassen ein gutes Geschäft zu machen – feilschen ist an der Tagesordnung. Preise werden generell beim Zehnfachen des eigentlichen angesetzt und der gutgläubige bule glaubt trotzdem ein gutes Geschäft zu machen. Vielleicht deswegen dieses dauerhafte Grinsen!? Scherz beiseite, ich habe mich in Bali verliebt – die herzlichen Menschen, die kunstvoll angelegten Reisterrassen, die erhabenen Vulkane, die farbenprächtigen Sonnenuntergänge, die Kultur, die Internationalität, die unendlichen Möglichkeiten und diese schwer in Worte zu fassende Magie, die einen nicht loslässt – Bali hat einfach alles.

Auslandsaufenthalt auf BaliUnd von manchen Dingen auch etwas mehr: Man sollte beim Frühstück lieber noch eine Tasse Kaffee mehr getrunken haben, denn dem balinesischen Verkehr mit halbgeschlossenen Augen zu begegnen ist keine gute Idee. Zwölf Kilometer durfte ich mich jeden Morgen mit meinem Roller – dem Transportmittel schlechthin in ganz Süd-Ost-Asien – durch den Hauptstadtverkehr schlängeln. Um es kurz zu machen: Es wurde nicht langweilig auf Balis Straßen. Hunderte Motorroller, Taxis, Hunde, Touristen, Straßenhändler mit ihren rollenden Verkaufsständen, Schlaglöcher, die selbst jedem ausgewachsenen bule ein neues Zuhause hätten bieten können, spielende Kinder und mittendrin ein paar verlassene Polizisten, die versuchten, ein wenig Struktur in das Chaos zu bringen – ein pures Abenteuer. Schwer zu glauben, dass die offiziellen Verkehrsregeln den deutschen sehr ähnlich sein sollen … An der Uni gab es nach einloggen via Fingerprint Vorlesungen bis zum Nachmittag. Gott sei Dank in klimatisierten Räumen, denn auch jede geistige Tätigkeit ist eine Qual bei diesem Klima. Mit zusätzlichen Gruppenarbeiten, Präsentationen und anderen ›Personal Assignments‹ kam auch nach der Uni keine Langeweile auf. Darüber hinaus wurden wöchentlich Exkursionen organisiert, so konnte ich, neben dem Theorieunterricht, auch viel von der wirklichen Business-Welt kennenlernen und nebenher mein Indonesisch verbessern. Natürlich blieb auch noch Zeit für die schönen Dinge des Lebens wie Surfen, Shoppen, also hartnäckiges Handeln und das berühmte Nightlife. Apropos: Feierwillige brauchen in Bali nicht lang zu suchen, egal ob private Poolparty oder die Bars und Clubs der Partymeile – die Bandbreite ist groß und das Partyvolk feiert bis zum ersten Hahnenkrähen.

Faszinierend ist jedoch, wie sehr der Tagesablauf auch durch den Hinduismus geprägt ist, der vorherrschenden Religion auf Bali. Im Falle einer Zeremonie wird alles stehen und liegengelassen, die Götter gehen vor. Es gibt Haus und Hof-Zeremonien, Zeremonien in jeder Gasse, in jedem Distrikt und Dorf, Zeremonien für dies und das. Einmal im Jahr gibt es sogar einen Tag, an dem niemand auf die Strasse darf, für 24 Stunden pures Nichtstun, keine Arbeit, kein Fernseher, kein Licht, selbst körperliche Vergnügungen sind verboten. Dieser Tag heißt ›nyepi‹, was soviel wie ›Ruhe‹ bedeutet. Es ist unmöglich als Tourist an diesem Tag nach Bali zu reisen, denn auch der Flughafen ist stillgelegt. Mal davon abgesehen gibt es den Rest des Jahres über genug zu sehen und zu staunen. Die Balinesen glauben, zwischen den Göttern über den Bergen und den Dämonen unter der Erde als ausgleichendes Element auf der Erde zu existieren. Ihr Leben widmen sie der Aufrechterhaltung der Balance, rein und unrein, Nord und Süd, gut und böse. Unzählige Zeremonien, Tänze, Bräuche ziehen sich durch das gesamte Jahr – ein buntes Spektakel, welches auf den Besucher eine magische Anziehung und Faszination ausübt. Und um bei der Magie zu bleiben: Ein balinesischer Freund hat mir die Geschichte vom ›rain-stopper‹ erzählt: Es gibt einen Mann, der mit Hilfe schwarzer Magie und gegen ausreichende Bezahlung, Regenwolken verschieben kann. Es muss nur der Ort sowie das Zeitfenster bestimmt werden. Kaum zu glauben? Es hat bisher immer funktioniert … Im wahren Leben ist der Mann übrigens ein einfacher Hotelangestellter.

Gehen wir über zum indonesischen Essen

Die heutige indonesische Küche ist von vielen Nationen beeinflusst worden und alle haben ihre Spuren hinterlassen – die Holländer, die Chinesen, die Inder und Malayen. Das ergibt einen interessanten Mix: Reis, Nudeln, Hühnchen, Schwein, Rind, Seafood, Sambal, eine feurig-scharfe Würzpaste aus roten Chilis, Tofu und Soja sowie typisch asiatisches und europäisches Gemüse sorgen für Abwechslung auf dem Teller. Achtung Insidertipp: Der ungeübte europäische Magen sollte die Kohletablette immer griffbereit haben! Wer auf die eher modernen Einflüsse steht, bekommt echt italienische Pizza, original japanisches Sushi, französisches Baguette oder man hält am Restaurant zum goldenen M und bestellt sich ein ›McRice mit Chicken‹ – Selamat Makan!

Bali hält einfach jeden Tag etwas Neues bereit

So zum Beispiel als ich einen Abend im strömenden Regen zurück ins Hotel gelaufen bin. Der Fußweg war holprig und übersät mit Pfützen. Eine davon hatte etwas Besonderes, sie war quasi ›elektrisierend‹, sodass es mir die Schuhe auszog und ich einen reflexartigen Sprung machte, der mindestens für die nächste Olympiaqualifikation im Hochsprung gereicht hätte. Da muss man ruhig bleiben. Die Balinesen, nur wenige Meter von mir entfernt, konnten dem nur ein großes Grinsen abgewinnen: einfach mitlächeln!


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