La Reunion bietet Natur pur. Foto: Lisa Beithe

Auslandssemester auf La Réunion

Reif für die Insel: Mitten im indischen Ozean fand Lisa auf La Réunion die perfekte Mischung: Ein bisschen studieren, viel Kultur, Natur pur und die Liebe – zur Destination und ihren Bewohnern

Saint-Denisist der Hauptort des französischen Überseedepartements La Réunionin der Südsee – malerisch zwischen Madagaskar und Mauritius gelegen. Die 142.000-Einwohner-Stadt können Besucher entweder per Luft oder auf der ›Littoral‹, der Küstenstraße erreichen, die einmal um die Insel führt. Mit der Université de la Réunion beheimatet die Insel die einzige europäische Universität im Indischen Ozean. Der Campus ist neben Saint-Denis verteilt auf sechs weitere Städte, rund 12.000 Studierende sind eingeschrieben.

Das Abenteuer auf der Südhalbkugel

Als ich sah, dass die TU Dresden Sprachstudenten jeden Semesters einen Erasmus-Aufenthalt auf der Île de la Réunion im Indischen Ozean anbietet, bereitete ich schnell alle Papiere vor, um einen der Plätze zu erwischen. Ich hatte Glück – und so begann mein Abenteuer auf der Südhalbkugel. Auf einer Insel, auf der regelmäßig ein Vulkan ausbricht, Menschen ab und an von Bulldoggenhaien angegriffen werden und Bewohner und Besucher so ziemlich alle denkbaren Freiluftsportarten ausüben können.

Anfängliche Einsamkeit

Nach neun Stunden Flug landete die Maschine in Saint-Denis, La Réunion. Da ich gerne so früh wie möglich auf der Insel eintreffen wollte, war ich lange vor Semesterstart und damit auch vor allen anderen Erasmus-Studenten gekommen. So hatte ich allerdings auch Zeit, mich erst einmal komplett verloren und einsam zu fühlen. Den Charme der Südseeinsel konnte ich in den ersten Tagen noch nicht recht genießen, da ich niemanden kannte und die Einheimischen mir einbläuten, im Dunkeln nicht mehr allein durch die Stadt zu stromern. Da La Réunion allerdings nah am Äquator liegt, geht die Sonne ganzjährig schon zwischen 18 und 18.30 Uhr unter. Als Wagemutige stellte ich nach kurzer Zeit aber fest, dass Saint-Denis nachts ähnlich sicher ist wie Dresden.

Kuriose Busfahrt

Nach der ersten Nacht in einem Hotel suchte ich mir eine mehr oder weniger bezahlbare Pension für den ersten Monat und begann, die Insel zu erkunden. Gleich am dritten Tag nach meiner Ankunft wurde es kurios: Ich fuhr zum populärsten Strand in den Westen der Insel, Roches noires – mit einem Bus, in dem die Leute laut klatschen, wenn sie aussteigen möchten.

Der Anfang einer Liebesgeschichte

Auf dem Rückweg entschloss ich kurzerhand zu trampen und stieg bei David, einem netten Piloten, ins Auto. Er wollte auf dem Rückweg nach Saint-Denis noch schnell mit seinem Vater in den Bergen Pizza essen. Wir fuhren zahlreiche Serpentinen hinauf in die hauts, die Höhen von La Réunion. Wir hielten vor einem Haus mit Meerblick und Papayabäumen am Rande des Swimmingpools. Herzlichst wurde ich von Lisette und Yves begrüßt, die mich sofort zum Abendessen einluden. Auch David nahm Platz – und ich verliebte mich auf der Stelle in ihn.

Erkundung der Insel mit einem Einheimischen

Dieser Zufall machte es möglich, dass ich die Insel mit einem Einheimischen erkundete. Zusammen gingen wir surfen, trailen, klettern und wanderten nach Mafate, einen Gebirgskessel, in dem es keine Straßen, aber viele Dörfer gibt, die ihre Nahrungsmittel per Helikopter geliefert bekommen.

Das Studentenleben in La Réunion

Natürlich studierte ich auch ein wenig und belegte ein paar Übersetzungskurse: Französisch – Englisch und Französisch – Spanisch. Besonders interessant war mein Kreolisch-Kurs: Die Inselbewohner sprechen neben Französisch nämlich hauptsächlich reunionesisches Kreolisch, eine Mischsprache, die sich aus Französisch, Portugiesisch, Arabisch und etlichen weiteren Sprachen der Ex-Kolonisatoren zusammensetzt. Auf eines musste ich an der Uni allerdings aufpassen: Draußen hatte es zwar konstant etwa 25 bis 30 Grad – ohne Pullover im Unterrichte konnte ich mir jedoch schnell eine Erkältung einfangen, da die Klimaanlagen die Hörsäle der Université de la Réunion in Eisschränke verwandelten.

Weihnachten am Strand

Das Semester dauerte etwa acht Wochen: Von Anfang September bis Ende November. Da ich jedoch im Juli ankam und erst im Februar nach Europa zurückreisen sollte, hatte ich genug Zeit, weiteren Vergnügungen nach zu gehen, wie Litschi-Stehlen und Weihnachten am Strand zu feiern.

Die vielfältige Natur von La Réunion

Neben den tollen Surf- und Trail-Möglichkeiten, konnte ich als Erasmus-Studentin auch einen Tauchkurs belegen, Meerestiere beim Paragliding aus der Luft beobachten und Canyonning entdecken, eine Art Flusswanderung mit tarzanartigen Schwungelementen. Wer die Natur liebt und sich nicht zwischen Meer und Bergen entscheiden kann, ist auf La Réunion richtig! Zahlreiche Mikroklimata laden zu abwechslungsreichen Aktivitäten ein: Hatte ich Lust auf Sonne, räkelte ich mich an den Stränden im trockenen Westen der Insel, wo es selten regnet. Wollte ich es eher grün und saftig, wanderte ich in den Gebirgskessel Salazie im Osten der Insel. Für eine gute Mischung aus sonnig und feucht, schwamm ich in den zahlreichen natürlichen Bassins im Süden des tropischen Paradieses.

Religion auf La Réunion

Besonders faszinierte mich die Art, wie die Menschen auf La Réunion ihre Religion leben: Es herrscht sehr viel Toleranz. Einwohner können gleichzeitig Hindu und Moslem, Moslem und Christ oder Christ und Buddhist sein, je nach Gusto. »Meine Mutter ist Christin und mein Vater Moslem«, erklärte mir mein einheimischer Uni-Kumpel Nicolas. »Also feiere ich alle Feiertage, sowohl die christlichen, als auch die muslimischen. Besser geht es doch nicht!«

La Réunion, übersetzt ›Die Zusammenkunft‹ …

… macht ihrem Namen alle Ehre. Hier leben Chinesen, Afrikaner, Europäer und Inder friedlich zusammen und sind stolz darauf. Obwohl das Überseedepartement politisch zu Frankreich gehört, mit Euros bezahlt wird und die Einwohner europäisch krankenversichert sind – und ich sogar nur den Personalausweis brauchte, um einzureisen –, fühlt es sich hier angenehm uneuropäisch, eher weltbürgerlich, an. Fahr hin und sieh selbst. Erinnerungen an eine solche Zeit beleben dich auch noch Jahre danach und niemand kann sie dir mehr nehmen!

Lisas Tipps

  • Anschauen: Die unglaubliche Mondlandschaft der Plaine des Sables.
  • Unbedingt probieren: Einen Sechs-Stunden-Trail mit der universitären Sportgruppe. Danach kannst du zwei Tage nicht mehr laufen, traust dir aber alles zu.
  • Das geht nur hier: Gleichzeitig mehreren Religionen angehören.
  • Bitte nicht: In den Ozean springen, wenn eine rote Flagge aufgestellt ist. Nachts zu trampen ist auch keine gute Idee.
  • Highlight: Meine Wanderung auf den Piton des Neiges, den inaktiven Vulkan von 3.075 Metern Höhe. Neun Stunden strammer Marsch, dafür volle Abgeschiedenheit von der Zivilisation.

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