Dänische Stadt Odense, Hafen
Studieren in Dänemark: Hygge vom Feinsten Foto: Kathrin Knorr

Auslandssemester in Dänemark

Kathrin erzählt von ihren Erfahrungen in Odense: Ein Semester lang studierte sie in der Geburtsstadt des Dichters und Denkers Hans Christian Andersen

Nach acht Wochen Erasmus-Semester in Dänemark hatte ich mich schon ganz fabelhaft in meiner neuen, nordischen Heimat eingelebt. Na ja, so halbwegs zumindest. Besonders leicht konnte ich mich ans Mittagessen gewöhnen: Smørrebrød in der Unikantine – leckere belegte Brote quasi. Was ich auch schon verinnerlicht hatte, ist ›Unskyld‹ – mich zu entschuldigen. Das musste ich mich für meine mangelhaften Dänischkenntnisse, die Unfähigkeit, mein zweirädriges Gefährt zu beherrschen und sowieso entschuldigen sich Dänen recht inflationär, sodass es nicht schaden konnte, das Wort zu kennen.

Mit dem Fahrrad ans Meer

Auch sonst ließ es sich im beschaulichen Odense, der Geburtsstadt des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen, gut leben. Mit dem Fahrrad kam ich überall hin – und am besten: in 20 Minuten ans Meer! Dummerweise liegt die Uni tatsächlich etwas außerhalb des Stadtkerns – sieben Kilometer in die Pedale strampeln waren angesagt, wenn ich mich morgens auf den Weg zur Vorlesung machte. Hier kommen wir zu der Kleinigkeit der dänischen Kultur, mit der ich erst warm werden musste: dieses Radfahren. Wie kann eine so ausgeprägte Fahrrad-Nation entstehen in einem Land, das zwar flach ist, in dem es aber für ein nicht-überdachtes Fortbewegungsmittel entweder zu nass, zu kalt oder zu windig ist? Immerhin einen Vorteil hatte es: regnete es, blieb ich wirklich für alle meine Kurse in der Uni und setzte mich sogar danach noch für eine Stunde zum Lernen in die Bibliothek. Nur, damit ich nicht raus ins Schmuddelwetter musste.

Kleine Gruppen, großer Lerneffekt

 Warum also hatte ich mir Dänemark als Erasmusland ausgesucht, wenn nicht wegen des Wetters? Erstens liegt es nicht so weit von meiner Heimat entfernt, zweitens ist das dänische Softeis himmlisch und drittens liebe ich Lakritze über alles. Außerdem haben die dänischen Unis einen ausgezeichneten Ruf und die Kurse werden auf Englisch gehalten. Großer Pluspunkt: die coolen Themen der Vorlesungen – zum Beispiel, wie Marketing unbewusst unser ganzes Leben beeinflusst – und die kleinen Gruppen in den Seminaren: häufig waren wir nur zu zehnt. Ein wenig erinnerte mich die Uni manchmal zwar an Schulunterricht, durch Gruppenarbeiten, interaktive Kurse und – tatsächlich – Hausaufgaben hatte ich aber einen echten Lerneffekt, den ich an deutschen Unis oft vermisst habe. Und da die Dozenten und Studierenden im Vergleich durchweg alle motiviert schienen, nahm ich das nur allzu gern auf mich – vor allem, da ich sowieso viel Zeit an der Uni verbrachte. Der Regen und so, du erinnerst dich?

Mit ein paar Spartipps durch Dänkemark

Abgesehen von den guten Uni-Kursen gibt es in und von Odense aus viel zu entdecken: Per Fernbus ist es weder bis in die Hauptstadt Kopenhagen noch bis ins schöne Aarhus besonders weit – von hier kann das ganze Land in einem Semester gut bereist werden. Auch das Nachbarland Schweden ist nur ein paar Stunden entfernt. Einzig nervig: Dass Dänemark so teuer ist. Die dänische Krone und eine Mehrwertsteuer von 25 Prozent schlagen ganz schön zu Buche. Echte Spartipps sind da das Monday Café in Odense, in dem es zu studentenfreundlichen Preisen ein leckeres Abendessen gibt, sowie die Webseite für Mitfahrgelegenheiten ›Go More‹: mit ihr kam ich preisgünstig von A nach B. Denn Dänemark ist viel zu schön, um es nicht zu bereisen. Gut zu wissen: Beinahe alles wird mit Kreditkarte bezahlt.

Multikulti und Freunde fürs Leben

Die Dänen sind übrigens ausgesprochen höflich. Höflich, wohlgemerkt, nicht unbedingt warmherzig. Die Freundschaft eines Dänen zu erobern, erfordert einiges an Durchhaltevermögen. Hast du es aber einmal geschafft, kannst du dir einer wunderbaren Zeit sicher sein. Obwohl ich in meiner Erasmuszeit natürlich nicht nur dänische Kontakte geschlossen habe. In unserer Multikulti-WG konnte ich mithilfe meines Mitbewohners Vincent meine Französischkenntnisse wieder etwas auffrischen – und von regelmäßigen Carepaketen voller Madeleines profitieren, die seine Mama aus Avignon in den hohen Norden schickte. Echte Freunde habe ich auch unter den unzähligen deutschen Masterstudenten gefunden, die an der Syddansk Universitet in Odense kostenlos und auf englisch studieren – gemeinsam versuchten wir, uns durch einen dänischen Sprachkurs zu quälen und stellten fest, dass uns die Laute einfach nicht über die Lippen kommen wollten. Etwas schade im Nachhinein, doch mit Englisch kam ich immer durch.

Viel Bier und viel Herz

Für mich glänzt das kleinste skandinavische Land mit seinen feierwütigen Traditionen auf der einen und der Wortwerdung der Gemütlichkeit auf der anderen Seite: Hygge – also das heimelige Gefühl, das du nur bei ganz guten Freunden verspürst – wird in Dänemark groß geschrieben. Es wird gelebt, immer und überall. Einladungen werden nicht der Höflichkeit halber ausgesprochen, sondern kommen von Herzen. Und gehen mit viel Bier einher, mit dem Dänen gerne anstoßen. Da fiel mir das Eingewöhnen als bayerisches Mädel leicht. Nicht ganz so leicht konnte ich mich jedoch daran gewöhnen, dass es völlig normal ist, schon Freitag um halb zwei die erste Halbe zu zwitschern. Einige dänischen Studenten halten sich gerne für robuster als sie sind, was dazu führt, dass Freitagabend einige Unikate in der Unibar zu bewundern waren, die ihre Promilleverträglichkeit überschätzt hatten.

Sehnsucht nach Hygge

Der Kater am nächsten Morgen ließ sich aber ganz fabelhaft mit ›kanelsnegle‹ – zuckersüßen Zimtschnecken – kurieren und natürlich mit der obligatorischen Fahrradtour. Und ganz ohne es zu Erwarten habe ich genau das aus Dänemark mit nach Hause genommen: Die Angewohnheit, bei jedem Wetter Rad zu fahren, eine Leidenschaft für Zimtschnecken und manchmal eine Sehnsucht nach ›Hygge‹, dem Gefühl, das niemand so wunderbar herzaubern kann wie unser kleiner Nachbarstaat.

Kathrins Dänemark-Tipps

  • Rumkommen Weil es jammerschade wäre, die Schönheit Dänemarks zu verpassen: Gomore.dk ist die dänische Version von Blablacar und bringt Reiselustige zu studentenfreundlichen Preisen von A nach B.
  • Ein Ausflug nach Kerteminde In dem 5.000-Seelen-Städtchen wurde das Wikingerschiff von Ladby ausgegraben, das dort im Museum besichtigt werden kann und echt beeindruckend ist. Kerteminde ist nur etwa 20 Kilometer von Odense entfernt – das perfekte Ziel für eine Wochenendradtour.
  • Aufs Wochenende – Freitagsbar Jeden Freitag ab 14.00 Uhr öffnet sie ihre Pforten: Die Uni-Kneipe. Wer kann schon behaupten, eine eigene Bar auf dem Campus zu haben und dort mit Kommilitonen und Professoren gemeinsam aufs Wochenende anzustoßen. Skål!

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