Auslandssemester in Österreich

Für ein Auslandssemester war Kira in Österreich, dem Land von Mozartkugel, Mannerwaffel und Sachertorte

»Österreich? Wie originell, da spricht man Deutsch, was willst du da?« So oder so ähnlich lauteten die typischen Fragen einiger meiner Berliner Freunde als sie von meinen Plänen hörten. Sie waren sich weitestgehend einig: Österreich, das grenzt an Bayern und gehört praktisch noch zu Deutschland. Bei meinem ersten Wienbesuch war ich sofort Feuer und Flamme gewesen. Meine Pläne wurden durch den Erfahrungsbericht eines Kommilitonen bestärkt, der mir von seiner super Zeit in Österreich erzählt hatte.

Zudem stehen österreichische Hochschulen für eine hohe akademische Qualität und genießen einen hervorragenden Ruf. Mein Studiengang Naturschutz und Landnutzungsplanung an der Hochschule Neubrandenburg ist noch recht jung, daher haben wir keine Partneruniversität für diesen Bereich, ich suchte mir also eine Universität für die Agrarwissenschaftler und Landschaftsarchitekten aus: Die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU). Doch inwiefern würde sich das Leben in Österreich von dem in Deutschland unterscheiden? Vermutlich nicht allzu sehr…Hatte ich eine Ahnung!


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Auslandssemester in Österreich: Startschuss

Der Tag, an dem das Abenteuer Auslandssemester beginnt, kommt dann doch überraschend plötzlich. Nach einer siebenstündigen Autoanreise von Berlin aus erreiche ich mein Domizil in Wien, die Wohnung einer Freundin. Erster kleiner Schock: Die Geschäfte haben bloß bis 19.30 Uhr geöffnet, samstags nur bis 18.00 Uhr. Wie soll ich das überstehen? Überraschung: Ich habe mich innerhalb von zwei Wochen daran gewöhnt, und auch die Möglichkeit, sonntags am Westbahnhof einzukaufen, habe ich nur selten in Anspruch genommen. Überhaupt ist mein Eindruck von Österreich, dass alles gemächlicher abläuft. Man schert sich nicht zu sehr um die Hektik des modernen Zeitalters. Alles wirkt entschleunigt, egal ob man einkaufen geht oder sich mit Freunden trifft. Besser plant man etwas mehr Zeit ein, denn spontane Planänderungen gehören in Österreich dazu.

Auslandssemester in Österreich: Internationaler als gedacht

Auslandssemester Österreich- WienWien – das sind 1,7 Millionen Einwohner auf einer Fläche von 414.87 km². Alles in allem also etwa um die Hälfte kleiner als meine Heimatstadt Berlin. Für mich die perfekte Größe! Die wohl größte Gemeinsamkeit der Wiener und Berliner: Die Wiener sind pampig, die Berliner unfreundlich. Viele Österreicher reagieren zunächst reserviert, wenn man sich als Deutscher zu erkennen gibt. Studienplätze und andere Rivalitäten spielen hier eine Rolle. Ich hatte jedoch keinerlei derartige Probleme.

Schnell kristallisierte sich heraus, dass viele meiner Studienkollegen kein Deutsch sprachen. So wurde das Kommunizieren auf Englisch alltäglich. Ein positiver Nebeneffekt für mich, der unerwarteter nicht hätte sein können, sich jedoch als Highlight erwies. Überall auf der Straße wird Englisch gesprochen, das kannte ich in diesem Ausmaß aus Deutschland bislang nicht.

Auslandssemester in Österreich: ECTS und alles einfacher?

Ungewohnt war das Arbeitspensum während des Auslandssemesters, denn leider ist durch die Umstellung auf ECTS nichts leichter geworden. Ich hatte deutlich mehr zu tun in Österreich, um auf meine Credits zu kommen. Allerdings gibt es eine Fülle an außergewöhnlichen und interessanten Kursen und Projekten, viele Module werden geblockt abgehalten und schon nach fünf Wochen mit einer Prüfung abgeschlossen, so dass man sich auf ein nächstes Thema stürzen kann. Dieses System gefällt mir unglaublich gut. Es blieb bis zum Ende spannend, ob und wie ich meine ECTS zusammenkriegen würde, die großartigen akademischen und persönlichen Erfahrungen machten diese Unannehmlichkeiten jedoch wett. Und so viel sei verraten: Ich habe es geschafft. Die Hilfe vom Zentrum für Internationale Beziehungen vor Ort war grandios. Uns wurde mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Die BOKU ist mit ihren 11.700 Studenten um einiges größer als die HS Neubrandenburg (2.100 Studenten). Da lobte ich mir meine German Pünktlichkeit, denn die Hörsäle quollen förmlich über. Die Dozenten hätten von ihrem Stil her jedoch auch in das Neubrandenburger Kollegium gepasst, umgänglich wie sie waren. Meine Kurse fanden hauptsächlich am Hauptstandort – der Türkenschanze – statt. Ein wunderbarer Campus, mit direktem Parkanschluss.

Auslandssemester in Österreich: Campusleben

Doch kehren wir vom Campus zurück zu den vermeintlichen Gemeinsamkeiten. »Was soll schon der große Unterschied sein?«, dachte ich. »Wir sprechen die gleiche Sprache und auch sonst ist es ja wohl der gleiche Lebensstil.« Denkste! Die Österreicher sprechen Österreichisch und haben für vieles einen Stammtisch: den Stammtisch der Kärntner, den der Jodelgruppe und viele andere mehr. So gab es auch für uns internationale Studenten einen Stammtisch, der perfekt war, um mit anderen Studis in Kontakt zu kommen und Freundschaften zu schließen. Außerdem bekam ich einen Buddy an meine Seite gestellt, der mir zum Beginn beim Inskribieren half und auch sonst ein offenes Ohr für mich hatte. Auslandssemester Oesterreich- Kaffeehaus.

Auslandssemester Österreich- KaffeehausLangweilig wird es einem in Wien nicht. Die Stadt ist absolut studentisch! Das Freizeitangebot reicht vom Schwimmen in der Donau über einen Kaffeehausbesuch bis hin zum Tanzen bis zum Morgengrauen in einem der zahlreichen lässigen Clubs der Stadt. Die Konzertszene der österreichischen Hauptstadt ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Außerdem ist und bleibt man ja auch ein Stück weit Tourist, deshalb zählen Museen und Tourismusattraktionen, wie der Wiener Naschmarkt, zum Pflichtprogramm.

Wer genug vom Trubel der Großstadt hat, entflieht per Bahn ins Wiener Umland, wo sich zahlreiche Wanderrouten zu einem abenteuerlichen Wegenetz verbinden. Der öffentliche Personennahverkehr ist super ausgebaut, und die Distanzen sind absolut fahrradfreundlich. Man sollte es allerdings gewohnt sein, in größeren Städten zu fahren.

Auslandssemester in Österreich: Viel zu sehen und zu erleben

Schnell wurde mir klar, dass ich einen weiteren Monat Zeit brauchen würde, um Österreich und Umgebung zu erkunden. Salzburg, Eisenstadt, Graz, Budapest, Bratislava und der Semmeringer Bahnwanderweg waren nur einige Attraktionen in dieser Zeit. Besonders begeistert haben mich die herrlichen Bergkulissen und die Festung Hohensalzburg. Die Abende verbrachten wir meist gesellig. Einladungen zum Abendessen sind häufig und die Österreicher sind sehr partyfreudig, herzlich und gastfreundlich. Der Besuch im Heurigen ist unbedingt empfehlenswert und allseits beliebt. Besonders in den sommerlichen Abendstunden zeigt sich Wiens mediterranes Flair, dann, wenn die Straßen überfüllt sind und nur das Meer fehlt. Auch auf die Gefahr hin, ein wenig Schleichwerbung zu machen: Schaut doch einfach mal in Wien vorbei, es lohnt sich!

 


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