EVS-Freiwillige: Erfahrungsbericht

Miteinander statt nebeneinander: Als EVS-Freiwillige unterstützen Žaneta, Kristýna und Pauline das Austauschprojekt von ›Tandem‹. Sie erzählen, was sie in Regensburg und Pilsen erlebt haben.

Es muss nicht immer um die halbe Welt gehen, um Auslandserfahrungen zu sammeln: »Ich habe mir gedacht, ich probiere einfach mal etwas anderes aus«, sagt Pauline Tschakert. Die deutsche Abiturientin und die beiden Tschechinnen Žaneta Šindlerová, die an der Universität Pardubice Deutsch für Wirtschaftspraxis studiert, und Kristýna Ružicková, die wie Pauline 2015 ihr Abi gemacht hat, absolvierten bei ›Tandem‹ einen Freiwilligendienst. Tandem – das sind die beiden Koordinationszentren Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch in Regensburg und in Pilsen. Die Büros beschäftigen sich – wie der Name schon sagt – mit dem deutsch-tschechischen Jugendaustausch.

Bis Ende August 2016 lebten und arbeiteten Žaneta (23) und Kristýna (20) während ihres Freiwilligenjahres in Regensburg. Pauline (19) war für ein Jahr in Pilsen. Denn Tandem bietet Deutschen und Tschechen zwischen 18 und 30 Jahren die Möglichkeit, im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes ins jeweilige Nachbarland zu reisen und dort – als Mitglied der Tandem-Teams – Praxiserfahrungen in international arbeitenden Büros zu sammeln, die Nachbarsprache zu lernen und täglich anzuwenden sowie das fremde Land und die Kultur kennenzulernen.

An eigenen Projekten arbeiten

Die Freiwilligen betreuten das Jugendportal ›ahoj.info‹ und planten mehrtägige Seminare für deutsch-tschechische Gruppen. Žaneta, Kristýna und Pauline organisierten beispielsweise eine Videoschulung mit Tipps zum perfekten Videodreh, ein Seminar zum Thema ›Mensch auf der Flucht‹ und einen deutsch-tschechischen Kochabend. »Jedes Seminar beginnt mit einer Sprachanimation«, sagt Žaneta. Dabei lernen die Teilnehmer durch Aktivitäten und Spiele einige Basics der Nachbarsprache. »Damit wollen wir zeigen, dass sich die Sprachen teilweise sehr ähneln«, erklärt die 20-jährige Kristýna. »Beispielsweise heißt ›Flasche‹ auf Tschechisch umgangssprachlich ›flaška‹.« Gesprochen wird das ungefähr so: Flaschka.

Die Hauptaufgabe der drei Freiwilligen war jedoch die Betreuung der Website ›ahoj.info‹. Dafür haben sie Artikel, zum Beispiel über Veranstaltungen, Praktika, Seminare oder Stipendien, die im deutsch-tschechischen Bereich angeboten werden, geschrieben. Abstimmen und Austauschen über eine Ländergrenze hinweg, ist allerdings nicht immer einfach. Dafür nutzten die drei Skype und die sogenannte Runda: ein alle zwei Monate stattfindender Termin, an dem sich die Mitarbeiter der beiden Büros treffen, sich austauschen und weitere Schritte planen. Besonders wichtig bei der Berichterstattung auf der Website: Alle Inhalte werden sowohl auf Deutsch als auch auf Tschechisch veröffentlicht. Denn die Zielgruppe der Website sind Menschen, »die schon Kontakt zum Nachbarland hatten und sich gerne weiter informieren wollen «, weiß Žaneta.

Ein Team – zwei Länder

Bei der Betreuung der zweisprachigen Website arbeiteten die beiden Tschechinnen und die Deutsche eng zusammen. »Žaneta und Kristýna haben meine Texte oft übersetzt, weil meine Sprachkenntnisse nicht so gut sind«, gesteht die 19-jährige Pauline. Das ist aber auch nicht schlimm. »Denn eigentlich müssen Bewerber für den Freiwilligendienst bei Tandem nicht unbedingt perfekte Deutsch- beziehungsweise Tschechischkenntnisse vorweisen können«, hakt Žaneta ein. Dann muss aber eine gewisse Motivation, die fremde Sprache zu lernen, vorhanden sein. Dabei werden die Freiwilligen von den Koordinationszentren unterstützt: Sie haben die Möglichkeit, Sprachkurse zu besuchen. »Außerdem durften wir – auf freiwilliger Basis – andere von Tandem organisierte Seminare besuchen«, sagt Pauline begeistert, »um das Team zu unterstützen, Fotos zu machen oder Protokolle zu schreiben.« Darunter: ein Besuch der KZ Gedenkstätte Flossenbürg während eines Seminars zur Erinnerungsarbeit im Jugendbereich oder das Beisein bei den Treffen der Jugendlichen des deutsch-tschechischen Theaternetzwerks Cojc in Bayern, die gemeinsam deutsch-tschechische Theaterstücke aufführen.

Fremd in einem Land und doch zuhause

Žaneta, Kristýna und Pauline standen zudem – sowohl in Deutschland als auch in Tschechien – zwei Ansprechpartner zur Seite, die ihnen bei ihren Projekten in der Arbeit halfen. Auch außerhalb der Büros kümmerte sich auf jeder Seite eine Mentorin um das Wohl der Freiwilligen: »Wir wussten, wenn wir etwas brauchten – egal was – dann konnten wir uns an unsere Mentorin wenden«, berichtet Kristýna. Tandem bietet außerdem den Vorteil, dass sich die Freiwilligen nicht um eine eigene Wohnung kümmern müssen. In Regensburg wohnten Žaneta und Kristýna in einem privaten Wohnheim, das sich ganz in der Nähe des Stadtzentrums und des Büros befand. »Unsere Mentorin hat sich darum gekümmert, dass wir eine Unterkunft bekommen«, fügt die 20-jährige Tschechin hinzu. Bezahlt wurde diese von den Koordinationszentren. »In Pilsen war es schon immer üblich, dass die Freiwilligen im Studentenwohnheim untergebracht sind«, berichtet Pauline.

Nach Hause gehen alle drei mit durchweg positiven Eindrücken. Sie sammelten internationale Berufserfahrung im Bereich Jugendaustausch, lernten neue Leute und ein sehenswertes Nachbarland kennen und wurden von den Mitarbeitern beider Büros herzlich aufgenommen. »Wer Interesse daran hat, etwas Neues zu erleben und das gar nicht so weit weg von der eigenen Heimat, für den sind Tschechien und Tandem eine gut Wahl.« Da sind sich die drei ehemaligen Freiwilligen Žaneta, Kristýna und Pauline einig.


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