Typisches Gebäude in Madrid
djedji/Pixabay

Madrid im Herzen – Erasmus Auslandssemester in Spaniens Hauptstadt

Majestätische Gebäude,
versteckte Parks und magische Leben­digkeit. Wer einmal in Madrid 
gelebt hat, wird die Stadt für immer lieben

In eine fremde Kultur eintauchen, den Alltag auf Spanisch meistern, das Leben an einem anderen Fleck dieser Erde hautnah kennenlernen – für mich stand schon früh fest, dass diese Erfahrung Teil meines Studiums werden sollte. Da ein Auslandsaufenthalt in meinem interkulturellen Studiengang International Cultural and Business Studies ohnehin Pflicht ist, verliefen die Vorbereitungen relativ unkompliziert. Ich reichte meine spanische Bewerbung mit Anschreiben und Lebenslauf beim Auslandsamt meiner Uni ein und erhielt einige Wochen später einen Studienplatz an meiner Wunschuniversität in Madrid. Meine weiteren Vorbereitungen vor dem Abflug ins Erasmussemester hielten sich in Grenzen. Ich wählte ein paar Kurse aus, die ich in Madrid gerne belegen wollte und klärte im Vorfeld ab, ob sie an meiner deutschen Uni anrechenbar waren.

Wie alles begann - Auslandssemester in Madrid

An einem der heißesten Tage des Jahres landete ich in der spanischen Hauptstadt. Selbst im dünnsten Sommerkleid war die Hitze kaum auszuhalten. Tagsüber war wenig los auf den Straßen. Erst als sich die Sonne senkte, kamen die Spanier aus ihren Häusern und belebten die Bars, Gassen und Plätze mit ihren ausgelassenen Konversationen. Es war so anders. Und es gefiel mir von der ersten Minute an. Ein WG-Zimmer wollte ich mir vor Ort suchen. Deshalb verbrachte ich die ersten paar Nächte in einem Hostel im Zentrum der Stadt. Schon an meinem zweiten Tag in Spanien hatte ich meinen Mietvertrag unterzeichnet – es war viel einfacher als gedacht.

Am liebsten mittendrin

Von nun an wohnte ich mit sieben anderen Studenten im Herzen Madrids, unweit des Plaza Mayor. Mein Campus befand sich etwas außerhalb, mit der Metro brauchte ich circa eine Dreiviertelstunde. Obwohl ich es aus meiner deutschen Unistadt gewohnt war, fußläufig in fünfzehn Minuten im Vorlesungssaal zu sein, kam mir die Fahrtzeit schnell relativ kurz vor. Mir ein Zimmer im abgelegenen Viertel am Stadtrand zu suchen, um in der Nähe der Uni zu leben, kam für mich nicht infrage. Ich wollte dort sein, wo das Leben pulsierte und alle Sehenswürdigkeiten, Bars, Restaurants, Diskotheken, Museen und Kulturzentren auf mich warteten.

Leben lernen auf Spanisch

Trotz des unglaublich großen Freizeitangebots bemühte ich mich, erfolgreich am Unileben teilzunehmen – schließlich wollte ich hier meine Spanischkenntnisse ausbauen, Neues lernen und Kontakte zu den einheimischen Studierenden knüpfen. In meinen Kursen fühlte ich mich schnell wohl. Die Dozenten waren sehr nett und nahmen Rücksicht darauf, dass das Spanisch der ausländischen Studierenden durchaus noch etwas holprig sein konnte. Meine madrilenischen Kommilitonen verhielten sich zwar anfangs noch zurückhaltend, aber freundlich – und die anderen Erasmusstudenten aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Holland und Italien, die ich unter anderem aus dem Einführungssprachkurs kannte, waren aufgeschlossen, unternehmungslustig und vor allem bereit, das vielfältige und nie enden wollende Nachtleben in vollen Zügen auszukosten.

Komfortzone verlassen

Gerade weil Madrid vor Austauschstudenten aus aller Welt wimmelt, war es eine Herausforderung, sich darauf zu konzentrieren, Freundschaften mit Spaniern aufzubauen. Natürlich verbindet es, neu in der Stadt und an der Uni zu sein – und es ist mehr als verlockend, es sich beispielsweise in einer Gruppe aus Deutschen bequem zu machen. Ich wollte jedoch Spanisch sprechen und ganz viel Zeit mit Einheimischen verbringen. Deshalb setzte ich mich in meinen Unikursen bewusst weg von den Internationalen – und landete schließlich in Arbeitsgruppen mit Spaniern. Anfangs fiel es mir schwer, meine Komfortzone zu verlassen, mich von ersten Vertrauten aus dem Einführungssprachkurs zu distanzieren und mich allein neben fremden Grüppchen niederzulassen. Doch ich kann es nur jedem ans Herz legen. Denn bei mir hat es sich ausgezahlt: Aus Kommilitonen wurden mit der Zeit enge Freunde, die mir die spanische Lebensweise zeigten.

Ein neues Zeitgefühl

Diese spanische Lebensart mit ihrem nach hinten verlagerten Tagesablauf war wohl auch dafür verantwortlich, dass sich die einzelnen Tage für mich viel länger anfühlten als in Deutschland. Der Morgen begann meist entspannt mit einem Café con Leche und einem kleinen süßen Gebäck. Viele meiner Kurse fingen erst mittags an, dafür gingen die letzten aber auch bis 20 Uhr. Während diese späten Vorlesungen in Deutschland mit einem pünktlichen Abendessen korreliert hätten, blieb in Spanien noch massig Luft bis zum letzten Mahl des Tages. Es war völlig normal, sich noch um halb elf gemütlich zum Essen zusammenzusetzen. Die Gelassenheit hinsichtlich des Tagesablaufs übertrug sich schnell auch auf alle anderen Lebensbereiche.

Ganz nah dran

Je tiefer ich in die Kultur eintauchte, desto besser konnte ich diese Gelassenheit und die Mentalität der Madrilenen erspüren. Ich ging zu Sprachaustausch-Treffen, unterhielt mich in Bars stundenlang mit neuen Bekannten, erledigte Gruppenarbeiten mit meinen einheimischen Kommilitonen und nahm an spanischspra-chigen Museumsführungen teil. Mein Spanisch wurde immer fließender und ich glaubte zunehmend zu wissen, wie die Spanier ticken. Auch wenn ich meine eindrucksvollen Reisen durch das Land nie vergessen werde, war mein persönliches Highlight die Einladung zur Familie einer madrilenischen Freundin, die landestypisch für mich aufkochte. Es gab Cocido Madrileño, ein köstliches traditionelles Gericht mit allen erdenklichen Arten von Fleisch, Suppennudeln, Kichererbsen und Gemüse. Wir quatschten ausgelassen auf Spanisch, lachten viel – und ich hatte das Gefühl, im echten Madrider Leben angekommen zu sein.

Du kannst es spüren

Nach wenigen Monaten war ich so begeistert von meinem Aufenthalt, dass ich sogar noch um ein Semester verlängerte und insgesamt zehn Monate blieb. Je mehr Zeit ich in dieser wundervollen, aufregenden Stadt verbringen konnte, desto besser. Es ist schwer, in wenigen Worten zu beschreiben, was das besondere Lebensgefühl in Madrid ausmacht. Ist es die Offenheit der Menschen, das unerschöpfliche Freizeitangebot, die Magie der Parks? Vielleicht liegt es auch an den prachtvollen Gebäuden, den belebten Straßen und den zahlreichen heiteren Sonnenstunden. Jeder, der einmal in Spaniens Hauptstadt gelebt hat, wird das unbeschreibliche Feeling bestätigen können. Und wer die Chance dazu hat, sollte sie unbedingt am Schopfe packen. Es lohnt sich. Versprochen.

Julias Geheimtipps für ein Auslandsjahr in Spanien

Unvergesslich: Den Blick von der Dachterrasse des Círculo de Bellas Artes über Madrid schweifen lassen und dabei ein kühles Getränk genießen.

Das geht nur hier: Morgens um halb fünf nach einer durchtanzten Nacht Churros con Chocolate in der Chocolatería San Ginés verspeisen.

Unbedingt probieren: Eine köstliche Tapaskreation nach der nächsten. Mein Favorit: croquetas caseras. Schmecken immer.

Lieblingsort: Die Plaza de la Paja ist eine Oase der Ruhe mitten im Zentrum von Madrid. Kleine Cafés laden zum Verweilen ein.

Typisch: Zur Begrüßung ein Küsschen links, eines rechts geben. Vor allem am beliebten Treffpunkt ›Puerta del Sol‹ ein gesellschaftliches Muss.

Geheimtipp: Im Museo Sorolla impressionistische Malerei bewundern und durch das tolle, original eingerichtete Künstlerdomizil wandeln.


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