Häuser in Lissabon von Sonne angestrahlt

Sprachkurs in Lissabon

Lavinia absolvierte im Rahmen ihres Studiums der Romanistik einen Sprachkurs in Lissabon, der Entdeckermetropole Portugals und genoss das Flair, einheimische Speisen und die zahlreichen Sehenswürdigkeiten.

Als ich im Hauptstudium, Hauptfach Romanistik, die Möglichkeit erhielt, ein Stipendium für einen Sprachkurs im europäischen Ausland zu beantragen, dachte ich zuerst an die üblichen Ziele wie Paris, Rom oder Barcelona, doch mein damaliger bester Freund lernte Portugiesisch und so kam ich auf die Idee, mich für Lissabon zu bewerben. Ich kannte kein Wort Portugiesisch und lernte nur auf die Schnelle noch ein paar ›Basics‹, um mich zumindest am Anfang gleich ein wenig verständigen zu können. Für mich war die Sprache wie auch das Land völlig neu, meine Vorstellung davon: ein kleines, unauffälliges Land mit einer weichen und schwer verständlichen Sprache am Rande Europas, von dem wir kaum etwas wissen.


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Schwer verständliche Landessprache

Ich buchte also einen Flug für drei Wochen Lissabon im September, was sich als eine sehr gute Jahreszeit erweisen sollte, und machte mich auf den Weg ins Unbekannte. Ich hatte als Unterkunft eine Familie gewählt, die aber letztlich nie da war, mich aber unbekümmert und mit größter Selbstverständlichkeit die Wohnung quasi als Familienmitglied mitnutzen ließ. Dann die Schule: ähnlich nonchalant, freundlich und sehr flexibel, denn ich bekam nach drei Tagen, in denen ich fleißig, aber für meine Stufe etwas zu schnell gelernt hatte, einen Privatlehrer. Von da ab hatte ich nur noch zwei Stunden pro Tag, aber Einzelunterricht. Nach einer Woche konnte ich schon in den Geschäften und auf der Straße Vieles lesen und verstand einzelne Worte. Allerdings fand ich das Verstehen eher schwer, da für mich das gesprochene Portugiesisch ein genuschelter Singsang war, bei dem ich oft einzelne Wörter nicht unterscheiden konnte.

Viele Sehenswürdigkeiten zu besichtigen

In meiner recht großzügig bemessenen Freizeit sah ich mir die meisten der zahlreichen Sehenswürdigkeiten an: Am meisten beeindruckten mich das Museum der Stiftung Calouste Gulbenkian, dessen Dauerausstellung Kunstwerke aus verschiedenen Ländern und Epochen zeigt (auch portugiesischer Künstler, aber die Publikumsmagneten sind wohl die Werke Rembrandts, Monets und Manets), den Torre de Belém, die Aussicht vom Castelo São Jorge und ein Ausflug nach Cascais am Meer. Ich wohnte im Stadtzentrum und konnte zu Fuß fast alles erreichen. Was mir sofort auffiel, war, dass Lissabon, obschon es Hauptstadt ist und über 700.000 Einwohner hat, doch viel weniger hektisch und unüberschaubarer ist als andere europäische Haupt- beziehungsweise Großstädte.

Lissabon hat ein menschlicheres Tempo, und seine Lage am Meer beeinflusst nicht nur das Klima positiv, sondern auch den Charakter der Menschen, den ich so beschreiben würde: Die Portugiesen sind ein Volk mit einer sehr interessanten, teilweise ruhmreichen Geschichte als Entdecker und Eroberer, was auch ihr Verhältnis zum Meer und zum Rest Europas bestimmt. Wenngleich dies lange Vergangenheit ist, so sind sie dennoch ein stolzes und selbstsicheres Volk, das das Eigene bewahrt, aber Fremdem freundlich und offen begegnet. Allerdings hat das Volk auch einen unterschwellig schwermütigen Charakter, der wohl am besten im Fado, der traditionellen Musik Portugals, zum Ausdruck kommt, die meist Unglück in der Liebe oder Sehnsucht zum Inhalt hat und sehr schön ist, aber traurig stimmt.

Portugiesische Lebensfreude und Leibspeisen

Umgekehrt kommt die Lebensfreude der Portugiesen jedoch wie in anderen südeuropäischen Nationen ganz klar in ihrer Freude an kulinarischen Genüssen zum Ausdruck – auch hier wie beispielsweise in Süditalien insbesondere für einfache Gerichte. Man stößt dabei ständig auf Stockfisch, auf Eintöpfe, der Wein ist ausgezeichnet und ebenso der starke, konzentrierte Kaffee, der dem Espresso entspricht, aber hier Bica heißt und nicht zuletzt die Süßspeisen, allen voran Doce de Ovo (wie viele portugiesiche Süßigkeiten mit viel Eiern und Zucker) und die berühmten Pastéis de Nata – mit Sahnepuddingtörtchen nicht wirklich treffend übersetzt. Man kann sehr schmackhaft und qualitativ hochwertig und dabei preiswert essen, und natürlich isst man am besten dort, wo viele Portugiesen sind und nicht viele Touristen. Trotz seiner Größe und trotz der ewigen Warnung vor Taschendieben insbesondere in der historischen Tram, der man mit einer gesunden Vorsicht gut begegnet, ist Lissabon eine sehr sichere Stadt, in der ich mich als junge, allein reisende Frau, nie bedroht gefühlt habe. Sich fortzubewegen ist zudem sehr unkompliziert.

Rückkehr nach Passau

Wie bereits weiter oben erwähnt ist das Klima fast immer sehr angenehm: Es weht meist ein leichter Meereswind und es ist nie sehr heiß oder wirklich kalt. Die besten Reisemonate sind Spätsommer oder Frühling, wenn man viel sehen und unternehmen und beispielsweise auch andere Städte wie Porto oder Coimbra bereisen will. Letzteres ist übrigens gut machbar, da das Land eine Nord-Süd-Ausdehnung von unter 600 Kilometer besitzt. Eines meiner schönsten Erlebnisse war ein Abend mit einer Gruppe anderer Schüler meiner Sprachschule im Viertel Bairro Alto in einem Fado-Lokal und anschließend noch ein paar Drinks in Baixa mit einem Spaziergang am Rio Tejo. Es waren auch ein paar Portugiesen dabei, die uns das nichttouristische Lissabon zeigten, und ich hatte an dem Abend das Gefühl, ein wenig verstanden zu haben, wie die Portugiesen sind und was die Faszination Lissabons ausmacht. Als ich dann nach drei Wochen wieder nach Passau zurückkehrte, fiel mir ein paar Tage lang die Umstellung schwer. Ich hatte ganz erstaunliche Fortschritte im Portugiesischen gemacht, die meinen besten Freund sehr überraschten.

Ihm gefiel zudem sehr, dass ich mich in seinem Lieblingsland so wohl gefühlt und so schöne Erfahrungen gemacht hatte. Für mich viel wichtiger war aber, ein Kleinod entdeckt zu haben, das zwar seither immer bekannter wurde und leider seinen Geheimtipp-Status verlor, das sich aber – da bin ich sicher – sein Eigenes noch lange wird bewahren können und sich wie viele schöne Orte wirklich nur dem erschließt, der sich darauf einlässt und ihm mit Offenheit und Neugier begegnet. Ich bin seither noch nicht wieder nach Lissabon geflogen und habe bedauerlicherweise auch mein Portugiesisch in weiten Teilen vergessen, aber für nächstes Jahr ist eine Reise dorthin geplant, diesmal nicht allein, sodass die Stadt anders wirken wird, aber sicher nicht minder beeindruckend. 


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