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Studieren in Paris: Sorbonne mit dem DAAD

Magdalena hat dort studiert, wo Flair, Charme und Kunst aufeinandertreffen: in Paris! Und sie erfüllte sich damit einen Traum, an dem sie uns in ihrem Erfahrungsbericht teilhaben lässt.

Die antiken Postkarten sind natürlich jedem bekannt, die Poster und Lithographien, des Moulin Rouge, von den Treppen des Montmartre, von den vielen knutschenden Pärchen an der Seine, auf einer Parkbank, auf einer Brücke. Wer sehnt sich nicht danach, einmal in Paris zu leben! Spätestens nach Woody Allens Film ›Midnight in Paris‹ ist diese charmante Künstlerstadt wohl ein Muss für jeden Frankophilen, in deren Leben und Feiern einzutauchen. Wie die Partys im ›Maxim’s‹, der ›Belle Epoque‹ am Montmartre oder dem ›Select‹, dem ›Dôme‹ oder der ›Coupole› der 1920er bei Montparnasse mit seinen Künstlern von Dalí, Picasso, Gertrude Stein über Hemingway bis hin zu Zelda und Scott Fitzgerald. Für mich war eines immer schon klar: Paris ist die schönste und ästhetischste Stadt der Welt, da ließ ich mir nicht reinreden.


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Von der Nostalgie dieser Vorstellung gepackt, entschied ich mich dafür, das dritte Studienjahr meines Bachelors in der französischen Hauptstadt zu verbringen.

Ich bewarb mich für ein einjähriges Stipendium beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Mit dessen Unterstützung begann ich ein Studienjahr im Programm der Licence franco-allemande (deutsch-französische Literatur-, Kultur-, Politik- und Geschichts-Studien) an der Sorbonne, eine der ältesten und angesehensten Universitäten in Paris. Seit meiner Ankunft bin ich von der geschichtsträchtigen Stadt fasziniert: Wie viele Künstler, Philosophen und bekannte Persönlichkeiten haben hier, am ›Nabel der Welt‹, wie man so sagt, bereits gelebt! Vom Fenster meiner kleinen Kammer, eine typische Pariser Chambre de bonne, schaue ich auf den Eiffelturm und den Tour Montparnasse. Toilette auf dem Gang, Dusche im Schwimmbad und eine kleine Kochplatte im Zimmer, jedoch ohne Kühlschrank. Platz haben ist in Paris ein Luxus und so teilen wir uns zu acht den winzigen Wohnraum unter dem Dach der siebten Etage eines typisch Haussmann’schen Gebäudes im 14. Arrondissement. Wohnungen sind rar intra muros. Das erscheint nicht (mehr) verwunderlich, wenn man den Durchschnittspreis eines Quadratmeter Wohnraum erfährt, der bei 8.000 Euro liegt.

Nichtsdestotrotz ist das Leben über den Dächern von Paris mit ein bisschen Fantasie wunderbar.

So ertappe ich mich dabei, mich wie die vielen Schriftsteller in ihrer kleinen Pariser Kammer zu stilisieren. Zum Beispiel, wenn ich bis nachts Bücher wälze, Referate vorbereite oder Ausarbeitungen auf den letzten Drücker schreibe. Im Alltag bin ich als Studentin, wie jeder berufstätige Pariser, den ganzen Tag auf Achse. Von morgens acht Uhr bis oft nach Mitternacht in der Uni, bei Referatstreffen in schönen Pariser Cafés oder aber in Bibliotheken, die ihren Prunk seit ihrer Entstehung im 18. Jahrhundert nicht eingebüßt haben. Bei all dieser Hektik bleibt jedoch Zeit, Paris zu entdecken, durch die vielen Straßen zu schlendern und das Leben der Metropole zu genießen. Auf den Spuren von Hemingway, Sartre, Simone Beauvoir und Picasso. Ja, es gibt sie noch, die Eier und den Espresso im Café Flore, die Muscheln im ›Deux Magots‹ neben der Kirche des Quartiers St. Germain-Près. Auch in der Uni werden wir im Literaturkurs dazu begeistert, das Nouvelle Athènes des 19. Jahrhundert, Wohnungen von Künstlern, Variétés, Theater oder auch die speziellen Friedhöfe in Paris zu erkunden. Aber wird mir ›A la fac‹, in der Uni, auch schnell klar, dass das Unisystem ganz und gar nicht meinen deutschen Vorstellungen entspricht. Da wird von mir ein literarischer Kommentar erwartet oder eine dissertation (ein französischer Essay). Das Wichtigste dabei: Die Form muss stimmen. Einleitung, drei Teile, jeweils drei Unterpunkte, Zusammenfassung – Form statt Inhalt. Willkommen im Geburtsland Descartes! Im Alltag ist von dieser strengen Form kaum etwas zu spüren.

So ist der Pariser zwischendurch immer für einen Plausch, mit café und cigarette, zu haben. In dieser Hinsicht muss ich als Deutsche noch lernen, etwas geduldiger zu werden. Bei administrativen Verrichtungen zum Beispiel, wie beim Bankkonto eröffnen oder Handyvertrag abschließen. Von wegen der Kunde ist König. Ich lerne, den Beamten möglichst schmeichelhaft viel Honig um den Mund zu schmieren, damit ich am Ende das bekomme, was ich möchte. Denn das Motto ist wie France Gall in ihrem Chanson schmettert: ›Resiste, prouve que tu existe!‹ – ›Wehre dich, beweise, dass du existierst!‹ Ja, auch beim Bäcker oder der Post übe ich mich in Geduld. Jeder Kunde wird mit einem »Bonjour, ça va? Et la famille?« begrüßt. Auch wenn eine noch so lange Schlange den Laden beinah zum Platzen bringt – die Form im Theaterstück muss stimmen!

Dass Paris unendlich teuer und eigentlich für Studenten unbezahlbar ist, merke ich bereits in der zweiten Woche.

Ich sehe nur die Scheine aus meinem Geldbeutel herausflattern. Mein anfängliches Startguthaben für die erste Zeit ist bereits nach einer Woche fast aufgebraucht. Bei den vielen Leckereien, den cafés hier und den berühmten apéros dort, muss man doch ab und zu die Methode Hemingways wählen. Er widerstand der Versuchung der in den Bäckereien ausgestellten pain au chocolat, tartes au citron, éclairs, réligieuses, flans, St. Honorés und auch den Restaurants. So gehe ich eben wie einst der mittellose Schriftsteller durch die Parks und zelebriere das Leben in Luft und geistreichen Gedanken – vielleicht noch in dem ein oder anderen Museum zwischendurch, ja, Hunger kann möglicherweise auch anders gestillt werden. Im Nachtleben hat Paris weniger Underground-Elektro-Clubs oder abgefahrene Goa-Partys zu bieten, wie man dies aus der deutschen Metropole gewöhnt ist. Trotzdem bleibt das verrückte Studentenleben. Dies findet jedoch sein Ausleben eher auf WG-Partys, Kneipen und Bars vor allem im elften Arrondissement, die von ›Pop In‹ über ›Le Kitsch‹, ›Nun’s‹ oder ›zerozero‹ reichen. Selbstverständlich haben diese ihren eigenen Charme, denn es wimmelt nur so von jungen, hübschen Franzosen, die netten Studentinnen auch gerne einen ausgeben.

In Sachen Liebe legen gerade diese eine für Deutsche sehr attraktive Verführungstechnik an, ›le jeu de la séduction‹ – das Verführungsspiel. Ja, es ist ein Spiel mit der Leidenschaft, kokett von Charme getränkte Komplimente schmeicheln natürlich jedem Deutschen. Komplimente hören sich ja überhaupt gleich so viel wunderbarer auf melodiösem Französisch an! Und das Fest ist noch nicht zu Ende. In den vielen Kinos (zum Beispiel die Cinémathèque Française), den Theatern, den Museen ist der unglaubliche Charme dieser französischen Kultur zu spüren. Denn die französische Metropole gibt jedem das Gefühl, dass er sich in dieser Stadt selbst feiern muss. Und zwar überall: bei ausgedehnten Spaziergängen à la Balzac durch die Straßen der Quartiers, auf dem Fahrrad den Boulevard St. Michel hinunterbrausend, in den unzähligen Cafés, in die ich mich morgens setze, noch für die Uni ein Buch fertig lesend: Hugo, Dumas, Zola, Sartre, Camus bei Café und Croissant. Bonjour! Einen schönen guten Morgen! In keiner Metropole lassen sich so viel Geschichte, Künstlertum, Feiern und intensives Studium verbinden – Paris, das war schon immer (m)ein Traum! 

 


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