Dächer der Altstadt von Prag

Theo in Prag: Das Erasmus-Ding

Theo verbringt sein Erasmussemester in Prag. Ein Erfahrungsbericht. Diesmal: Ich wage Erasmus.

Erasmus: ein Semester, eine Stadt, ein Studium. Wie vor mir schon einige Tausend andere, gehe ich für fünf Monate nach Prag, um an der Karlsuniversität Literaturwissenschaft zu studieren. Und doch ist damit noch nichts gesagt. Klar, die Ideen, die dieses akademische Flaggschiff Europas antreiben, sind allgemein bekannt: europäische Einheit, Vernetzung der Universitäten, Austausch der Kulturen, so was eben.

Aber ganz ehrlich: Selbst nach einigen Seiten dieses typischen Brüssel-Jargons habe ich noch immer keine Ahnung, was das alles wirklich bedeuten soll. Umberto Eco hat da schon eine klarere Vorstellung von Erasmus. Er spricht von einer "sexuellen Revolution", die durch das Programm angestoßen wird: Eine Italienerin geht nach England und verliebt sich in einen Schweden, sie heiraten und bekommen Kinder – das ist für Eco ein gelebtes Zusammenrücken der Länder Europas. Ist Erasmus nicht mehr als die größte Partnerbörse des Kontinents? Sollten die Klischees der erasmusierenden Party-Horden am Ende stimmen? Das kann ich nicht glauben. Deshalb muss ich selbst weg, volle Härte Erasmus. Um herauszufinden, was dieses Erasmus-Ding eigentlich ist.

Erasmus-Ding, welch ein herrlich unkonkreter Begriff. Und genau so möchte ich über die kommenden fünf Monate in Prag auch berichten; zufällig, neugierig und offen für alles, was sich mir in den engen Prager Gassen und in den weiten Korridoren der Karlsuniversität vor die Füße wirft: Worüber reden Erasmus-Studenten nach dem vierten, fünften Bier, wenn der erste Small-Talk überwunden ist? Sind sie politisch, künstlerisch begabt, religiös? Welche Drogen nehmen sie? Wird in Seminaren diskutiert oder nur brav zugehört? Auf welche bürokratischen Hürden werde ich selbst stoßen? Welche Freunde treffe ich, wie treffe ich sie? Kann ich heute noch frei studieren? Und nicht zuletzt: Wie Europa ist Erasmus?

Vorgenommen habe ich mir also einiges. Ach, und studieren muss ich nebenbei auch noch. Eh klar.


Anzeige

Anzeige