Von Hirnblutung bis Pubkultur

Klinikalltag und Irlands Schönheit: Jing erzählt von ihrem Pflichtpraktikum in einer von Dublins Notaufnahmen und einem unvergesslichen Auslandsaufenthalt

Die Patientin saß da auf ihrer Liege, die mitten in der überfüllten Notaufnahme stand. Sie hatte ihre Beine etwas angezogen, die Hände verkrampften sich in dem schwarzen Anorak und ihr Blick war starr nach vorne gerichtet. Unter ihrer Jacke lugte ein buntes Shirt hervor, wahrscheinlich hatte sie es passend zur gestreiften Strumpfhose herausgesucht. Mit dem Make-up und dem Glitzer im Gesicht hätte sie gerade von einem Festival heimkommen können, aber nein. »Attempted suicide«, erklärte mir der Arzt. Für die Notaufnahme am St. Vincent’s University Hospital, in der ich im September 2017 als Medizinstudentin ein Praktikum absolvierte, waren solche Fälle nichts Ungewöhnliches.

Mein Weg in die Notaufnahme

Ich wollte am St. Vincent’s University Hospital in der Notaufnahme famulieren, um das irische Gesundheitssystem kennenzulernen und mein medizinisches Fachvokabular auf Englisch zu verbessern. Da die Klinik einen guten Ruf besaß, ich aus anderen Famulaturberichten viel Positives über die Notaufnahme gehört hatte und Dublin auch sonst einen Besuch wert war, ließ ich es auf einen Versuch ankommen, bewarb mich um ein Praktikum im Emergency Department und saß ein halbes Jahr später im Flieger.

Gesprengte Schmerzskala

Die große Analoguhr in der Zentrale zeigte Viertel nach zehn an. Ich führte ein Anamnesegespräch bei einem Patienten, der offensichtlich unter Nierensteinen litt. »Sir, on a scale from zero to ten, how would you rate your pain right now«, fragte ich. »It’s definitely twenty«, presste der Patient zwischen zusammengekniffenen Zähnen hervor. Er brauchte Schmerzmittel, seine Frau starrte mich ungeduldig an und ich eilte los, um einer Ärztin von dem Patienten zu berichten. 

Während meines bisherigen Studiums hatte ich noch nie so viele Patienten mit verschiedenen Krankheitsbildern gesehen wie während meiner Famulatur. Ich führte ein Anamnesegespräch nach dem anderen, stellte die Patienten anschließend dem Arzt vor und diskutierte mit ihm über meine Verdachtsdiagnose. Ich nahm Blut ab und legte Zugänge, durfte Wunden tackern, Katheter legen und bei allen interessanten Maßnahmen zuschauen. So lernte ich das ganze Patientenspektrum einer Notaufnahme kennen. Manche Menschen kamen wegen Kleinigkeiten zu uns und wollten lediglich Hustensaft oder Antibiotikum verschrieben bekommen, andere wurden vom Rettungsdienst im komatösen Zustand eingeliefert, hatten einen Herzinfarkt oder eine Hirnblutung. Der Arbeitstag eines Arztes im St. Vincent’s begann um acht Uhr und endete nicht vor 18 Uhr. Die Famulanten durften gehen, wann sie wollten. Je nachdem wie viel los war, machte ich mal um vier, mal gegen sieben Feierabend.


Die Sache mit dem Busfahren

In Dublin bin ich mit dem Bus so gut wie überall hingekommen. Ich habe mir dafür ein Studententicket geholt, die sogenannte ›student leap card‹. Eine Karte, die ich mit Geld aufladen und vor jeder Busfahrt einfach vor den Kartenleser halten konnte, damit dieser den entsprechenden Betrag abbuchte. Wichtig zu wissen: Die Busse in Dublin halten nur an, wenn die Fahrgäste sie am Straßenrand zu sich heranwinken. Am Anfang wusste ich das nicht, sodass ich zu Beginn schonmal einen Bus verpasst hatte, obwohl ich direkt an der Haltestelle stand. 

Land und Leute

Die Hauptstadt Irlands ist ein Touristenmagnet, daher ist in der Stadt immer was los und es gibt viel zu sehen. In der Innenstadt reihen sich Souvenirshops, Straßenmusiker und Essensstände aneinander. An den Wochenenden habe ich größere Ausflüge unternommen und bin unter anderem nach Belfast gefahren, in die Hauptstadt Nordirlands. In Belfast, der Baustätte der Titanic, habe ich das berühmte Titanic-Museum besichtigt, einen Abstecher in die angeblich schönste Bar der Welt namens ›Crown Liquor Saloon‹ gemacht und auf dem Gipfel des Cavehill die wunderbare Sicht über Belfast genossen. Ein weiteres Wochenende habe ich bei den Cliffs of Moher verbracht. Die Steilklippen sind unter anderem als Drehort für Szenen aus ›Harry Potter und der Halbblutprinz‹ bekannt. Der Ort hat etwas Magisches, nicht nur wegen Harry Potter: Wellen schlagen gegen die Steine, vom Rand der Klippen aus blickte ich unendlich weit über das Meer. Hier tummeln sich viele Touristen, die die schmalen Pfade abwandern und Selfies über dem Abgrund ins Wasser machen. 

 

Mein Fazit

Irland ist wunderschön und die Mentalität der Iren ist es auch: Sie sind freundlich und hilfsbereit. Bei der Begrüßung schieben sie stets ein »How are you?« hinterher und wenn ich nach dem Weg fragen musste, halfen sie mir bereitwillig weiter. Meine Famulatur in Dublin war eine super Erfahrung, die ich nur weiterempfehlen kann. Für die tolle Lehre und das Erlernen der praktischen Fertigkeiten in der Klinik, für das Leben in einer aufregenden Stadt und für die neu entstandenen Kontakte in dieser Zeit bin ich unendlich dankbar. 

Land und Leute


Die Hauptstadt Irlands ist ein Touristenmagnet, daher ist in der Stadt immer was los und es gibt viel zu sehen. In der Innenstadt reihen sich Souvenirshops, Straßenmusiker und Essensstände aneinander. An den Wochenenden habe ich größere Ausflüge unternommen und bin unter anderem nach Belfast gefahren, in die Hauptstadt Nordirlands. In Belfast, der Baustätte der Titanic, habe ich das berühmte Titanic-Museum besichtigt, einen Abstecher in die angeblich schönste Bar der Welt namens ›Crown Liquor Saloon‹ gemacht und auf dem Gipfel des Cavehill die wunderbare Sicht über Belfast genossen. Ein weiteres Wochenende habe ich bei den Cliffs of Moher verbracht. Die Steilklippen sind unter anderem als Drehort für Szenen aus ›Harry Potter und der Halbblutprinz‹ bekannt. Der Ort hat etwas Magisches, nicht nur wegen Harry Potter: Wellen schlagen gegen die Steine, vom Rand der Klippen aus blickte ich unendlich weit über das Meer. Hier tummeln sich viele Touristen, die die schmalen Pfade abwandern und Selfies über dem Abgrund ins Wasser machen. 

 

Mein Fazit


Irland ist wunderschön und die Mentalität der Iren ist es auch: Sie sind freundlich und hilfsbereit. Bei der Begrüßung schieben sie stets ein »How are you?« hinterher und wenn ich nach dem Weg fragen musste, halfen sie mir bereitwillig weiter. Meine Famulatur in Dublin war eine super Erfahrung, die ich nur weiterempfehlen kann. Für die tolle Lehre und das Erlernen der praktischen Fertigkeiten in der Klinik, für das Leben in einer aufregenden Stadt und für die neu entstandenen Kontakte in dieser Zeit bin ich unendlich dankbar. 


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