Mann mit langen Locken, Brille und Hemd

Besuch im Silicon Valley

Der Dualstudent Raphael Auer war im Silicon Valley und hat viele Eindrücke mitgenommen

»Schon als kleiner Junge sperrte ich die Zimmertüre hinter mir zu, um an Computern herumzuschrauben. Da ich damals keine Computerhardware besaß, besorgte ich mir gebrauchte und ausgediente Teile von Sammelplätzen, auf denen ich das Programmieren gelernt habe. Als ich mit meiner Ausbildung im Bereich Steuern und Finanzen fertig war, holte ich das Abitur nach, schloss direkt ein duales Studium an und zog durch Firmen und Universitäten im Silicon Valley.

Jetzt bin ich 23 Jahre alt, studiere dual Wirtschaftsinformatik in Kooperation mit dem Praxispartner Netto Marken-Discount, bin ein sehr großer Fan des Silicon Valley und Microsoft Student Partner, Teilnehmern an einem Förderprogramm für technologiebegeisterte Studierende von Microsoft. Im Rahmen dieses Programms werde ich mit Themen der Zukunftstechnologie konfrontiert und arbeite bei diversen Projekten erfolgreich mit. Aktuell entwickle ich hauptsächlich Apps für die drei marktführenden Betriebssysteme und durfte den Spirit des Silicon Valley am eigenen Leib erfahren.

Es war schon immer mein Traum, nach San Francisco und ins Silicon Valley, Mekka für alle IT-Geeks, zu reisen. Während in Deutschland eher Betriebswirtschaftler Unternehmen gründen, sind es in Amerika vornehmlich Ingenieure. Das Silicon Valley ist eine ideengetriebene Landschaft und das spürt man auch. Läuft man durch die von beiden Seiten mit Palmen begrenzten Alleen von Palo Alto kommt man an Häusern vorbei, die Geschichte schrieben. Steve Jobs, Steve Wozniak, William Hewlett und David Packard – nur eine Auswahl von herausragenden Gründern, die in den Garagen von Palo Alto und Los Altos ihre Unternehmen gründeten und aufzogen.

Jeden Sommer schreiben Firmen aus Cupertino, Sunnyvale und San José Stipendien für die besten Start-ups aus, deren Gewinner nicht nur rund 15.000 Dollar erhalten, sondern diese können zudem in den Büros der jeweiligen Firma lernen, wie sich eine gute Idee finanzieren lässt. Geschätzt besteht die eine Hälfte des Silicon Valley aus Menschen mit Ideen – die andere aus Menschen, die diese Ideen finanzieren. Da aber auf rund ein Dutzend ›Praktikumsplätze‹ in den Unternehmen tausende Bewerber kommen, müssen sie von ihrer Idee gekonnt überzeugen können.

Auch Google entstand 1998 aus einer Idee zweier Standford-Studenten und hat hier seine Weltzentrale. Meinem Glauben nach ist der Google-Komplex in Mountain View nur eine Attrappe. Die eigentliche Machtzentrale des Internetgiganten mit all den Servern rattert irgendwo tief im Untergrund vor sich hin. Trotz seiner Größe zeigt sich das Unternehmen außerordentlich offen gegenüber Interessierten. Gäste können ohne Schwierigkeiten in diverse Räume innerhalb des Komplexes gelangen, mit den ›Googlebikes‹ das Gelände erkunden oder sich auf den vielfältigen Sportanlagen auspowern.

Google hat es bereits geschafft, während viele Start-ups noch auf ihren Durchbruch warten. Das Erfolgsrezept vieler Ideen liegt dabei nicht in der bloßen Theorie, sondern in der bestmöglichen Vermarktung und sehr viel Arbeit: Studenten der Eliteuniversität Stanford University sind bereit, sich 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche mit dem Studium zu beschäftigen und sich auch im Scheitern zu üben: An der Uni werden durchschnittlich am Tag mehr als 50 Firmen gegründet – 48 davon gehen innerhalb der ersten Stunde pleite, so die Ansprache eines dort lehrenden Professors zu Semesterbeginn. Die Studenten lernen aus den Misserfolgen und machen es beim nächsten Mal besser – ein grundlegender Unterschied zum deutschen Studiensystem. Hierzu passt auch die Beobachtung, die ich während meines Besuchs des Campus' der Stanford University machen konnte: Völlig unkonventionell skizzierte ein Student einem Professor seine Idee auf einer Serviette.

Auch HP oder Apple entstammen der Wiege der Stanford University. Dabei ist die Universität kein in sich geschlossenes System, sondern gehen die Studierenden äußerst offen mit ihren Geschäftsideen um, auch um Feedback von ihren Kommilitonen zu bekommen. Nicht selten finden sich die Studenten zu einer Gruppe zusammen, um gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten.

Ein wenig abseits der Universität deuten bereits die Straßennamen wie Hacker Way darauf hin, dass hier viel an Computern gearbeitet wird. In der Nachbarschaft finden sich facebook sowie WhatsApp und das ehemalige Gelände von Sun Microsystems erstreckt sich über mehrere Quadratkilometer. In diesem südlichen Teil der San Francisco Bay Area sind die Menschen voller Optimismus und Risikofreude. Harte Arbeit wird oft mit Erfolg belohnt: Aus dem Nichts zum Milliardär – im Silicon Valley ist dies kein Ding der Unmöglichkeit. Ohne das Silicon Valley wäre unser Leben anders: facebook fördert unsere Beziehungen, Instagram erinnert uns an den letzten Urlaub, PayPal erleichtert uns das Bezahlen und Google weiß genau, wonach wir im Netz suchen.

Ob es eine Garagenfirma letztlich zum Weltkonzern schafft, bestimmen dabei weder Geschäftsmodell noch Zeitpunkt, sondern größtenteils die Studenten, die Macher, die eisern an ihren Ideen arbeiten und diese immer weiterentwickeln. Daher sind das Wissen und die Erfahrungen von IT-Geeks stets willkommen – Grund genug für mich, dem Silicon Valley immer wieder einen Besuch abzustatten.«


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