Fast Food Restaurant mit Schriftzug A&W
A&W Lorenz

Eat Canadian!

Ich verrate euch ein Geheimnis: ich bin ziemlich verfressen. Also nicht im Sinne von „viel“ Essen, aber im Sinne von "Neues ausprobieren“ und gucken wie’s schmeckt. Das macht mir Spaß. Deswegen war ich ziemlich neugierig, was meine Zeit als TravelWorks-Stipendiat in Sachen „Hau rein“ so mit sich bringt :-)

Zuerst mal meine Gastfamilie: Frau Wong, also Mimi, ist echt ne liebevolle Köchin. Jeden Abend, also wirklich JEDEN, kocht sie was für sich, ihre Kinder und mich. Gestern gab’s Spaghetti Bolognese, echt lecker, anders als bei uns, irgendwie tomatiger, und vorgestern hat sie uns köstliche selbergemachte Wraps kredenzt.

Nachdem wir die zusammen gegessen hatten, hat Megan, die Tochter, übrigens die „Kardashians“ im Fernsehen geguckt und ich hab mich bisschen dazugesetzt, Stichwort Landeskunde. Unfassbar! Stellt euch einen Mix aus den trashigsten Teilen einer Daniela Katzenberger Doku-Soap, den Geissens und Topmodel vor, und ihr habt die Kardashians - Trash pur! Außerdem offensichtlich gemacht für ein Publikum, von dem die Produzenten denken, es kann sich die einfachstenDinge nicht länger als zwei Minuten merken, denn die sowieso überschaubare Handlung wird ständig zusammengefasst und wieder- und wieder- und wiederholt. Aber das nur nebenbei als kleine Anekdote, war quasi unser „Nachtisch“.

Am Freitag hatte Frau Wong Geburtstag, und sie hat total netterweise mich mit ihrer Familie zum Essen ins Restaurant eingeladen, und zwar ins China-Restaurant! Denn wie schon gesagt: In Vancouver, ganz besonders in meiner Nachbarschaft, gibt es unglaublich viele Asiaten, und die Wongs sind ja Chinesen. Ich war schon gespannt, wie es sein würde! Denn eins war mir klar: Mit China-Essen wie bei uns „einmal Hähnchen Süßsauer“ würde man das bestimmt nicht vergleichen können. Das Restaurant war riesig, und die Gäste waren nur und ausschließlich Chinesen - bis auf mich. Es war unfassbar laut, die meisten Tische waren rund und auf ihnen standen auf drehbaren großen Rondellen, die in der Mitte des Tisches festgemacht sind, Unmengen von verschiedenen Gerichten auf verschiedenen Tellern.

So war das dann auch bei uns: Die Wongs bestellten viele verschiedene Gerichte, die kommen auf die große Drehplatte in der Mitte, und dann essen alle von Allem und drehen die Platte dorthin, wo das Gericht steht, das sie gerade anlacht. Super! Nicht so wie bei uns, wo jeder seins bestellt und isst. Ich war schon mal in China, und es ist genauso wie dort! Wahnsinn - da erlebe ich gleich zwei Kulturtrips in einem Land. Und natürlich gab’s auch spannende Sachen, Gemüse, die ich nicht kannte, Garnelen verschiedener Art, Entenfleisch doppelt gebacken, sehr lecker und knusprig, aber nix ekliges wie Frosch oder Hühnerfüße oder so.

Wir hatten so viel bestellt, dass wir die Hälfte der Sachen für den nächsten Mittag mit heim genomen haben! Es hat Spaß gemacht, zu sehen, wie eine kleine kanadische Familie mit anderen Wurzeln so ein Geburstagsessen zubringt und ich finde es supernett, dass ich dabeisein konnte. Aber wie, sagt ihr jetzt vielleicht, da ist er in Kanada und erzählt von China-Essen und Spaghetti Bolognese? Was ist mit Burgern? Mit Pommes? Triple Frapuccino Iced Latte mit Extrashot Vanille?

Entwarnung: Habe ich alles sondiert, gibt es alles und schmeckt: Wow! Wenn wir uns was gönnen wollen, gehen wir nach dem Unterricht am Greystone-College zum Beispiel Burger essen zu A&W. Die sind übrigens die älteste US-amerikanische Franchise-Handelskette in der Systemgastronomie, ganz schön viel Tradition! Aber die Burger - die übrigens als kleine "Burgerfamilie" mit Mama-, Papa- und Uncle Burger verkauft werden - sind natürlich jung und frisch und echt lecker. Dazu gibt's Root Beer, auch eine Spezialität der Kette, und frisch frittierte Zwiebelringe.

Eine Sache die einen allerdings vom sich Vollfressen abhält: die Preise! Das Essen und Trinken ist nicht billig, für ein Mittagessen geb ich locker 12 kanadische Dollar (so etwa 8€) aus. Zum Glück kann ich mir manchmal von zu Hause Mittagessen mitnehmen - meistens locken aber dann doch die guten Essensstände ;-).

An heißen Tagen wie jetzt im Sommer ist natürlich Eis das Beste - in der Bella Gelateria in der Corova Street, das ist in Downtown Vancouver, gibt's das Beste der Stadt. Sie haben schon allerlei Preise gewonnen! Verbinden wir nach der Schule immer wieder mal mit einem Bummel durch die Stadt, der bei schönem Wetter immer wieder faszinierende kleine und große Beobachtungen erlaubt: Die Freundlichkeit der Menschen zum Beispiel. Ich war als typischer Morgenmuffel echt erstaunt, dass JEDER Fahrgast im Bus dem Fahrer beim Einsteigen einen guten Morgen wünscht und sich beim Aussteigen bedankt - das Klischee der kanadischen Höflichkeit scheint schonmal zu stimmen.


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