drei Studentinnen an Schreibtisch mit Arbeitsmaterial
Lorenz

Study Canadian!

Drei Wochen sind nun fast rum, unglaublich, wie die Zeit vergeht. Ich lebe mich immer mehr ein, finde einen immer besseren Tagesrhtythmus und fühle mich tatsächlich schon ein bisschen "at home". Und jetzt hab ich auch genug Erfahrung, um euch ein wenig genauer zu erklären, was ich als TravelWorks-Stipendiat am Greystone College eigentlich so mache und lerne.

Wie gesagt - mit unserem deutschen Schul- oder Unialltag hat das hier wirklich nichts zu tun, es ist viel „privater“, die Gruppe intensiver und auch der Stoff klarer festgelegt. Wir fangen morgens um 9 Uhr an, erste Session, bis 11 15 Uhr, dann ist Pause. Unsere Professorin, Leyvi, die übrigens aus den Phillipinen kommt und seit einigen Jahren hier in Kanada unterrichtet, ist auch tatsächlich „unsere“ Professorin, sprich: Sie und ausschließlich sie betreut unseren Kurs und leitet ihn an. Lehrerwechsel im 45-Minuten-Takt ist nicht :-)

Der Komplett-Kurs, den ich besuche, nennt sich „Business Communication“ und dauert, wenn man ihn mit einem " Diploma in Business Communications" abschließen würde, ein Jahr. Für mich sind es nur acht Wochen, ich schließe dann mit einem "Certificate" ab. Er ist in verschiedene Module aufgebaut, jeweils einen Monat, die alle in sich abgegrenzt und somit eigene Lerneinheiten sind - man kann also monateweise in den Kurs ein- und auch wieder aussteigen, ohne nötigen Basis-Stoff nicht zu kennen. Viele aus meiner Klasse bleiben ein Jahr, aber nicht alle - ich zum Beispiel ;-)

Das Modul, mit dem ich begonnen habe, nennt sich „Organizational Behaviour“. Am Anfang wusste ich nicht so recht, wie und was - woher auch - aber: man kommt ins Thema rein, und zwar ziemlich schnell. Vereinfacht gesagt geht es darum, wie Strukturen, in denen Menschen zusammenarbeiten - seien es kleine Teams, große Unternehmen, Fußballvereine oder auch Familien oder ähnliches - unter psychologisch-menschlichem Aspekt funtkionieren und wie die Produktivität, die Ergebnisse und die Effizienz solcher Strukturen optimiert und verbessert werden können. Konkreter gesagt: Wie führt man ein Team? Was heißt Führung? Auf welche strukturellen und menschlichen Eigenschaften muss ich achten, welche muss ich optimieren, wenn ich will, dass mein Team top arbeitet? Wie motiviert man Menschen? Welche „Typen“ von Menschen gibt es? (Das kennen wir ja alle aus unseren Klassen, Vorlesungen und Freundeskreisen: Es gibt den Coolen, den Clown, den Netten, den Underperformer, den Kumpel, den Streber und so weiter). Das ist natürlich auch im Job so, und im Kurs gibt uns Leyvi Strategien an die Hand, wie wir uns solche „Menschensysteme“ anschauen, sie analysieren und das Beste aus ihnen herausholen können.

Klar, das klingt jetzt mega-theoretisch, aber ich finde es wirklich interessant, weil man solche Strukturen ja immer wieder trifft, sogar im Sportverein oder in der eigenen Klasse. Am Anfang dachte ich öfter, mal gucken wie ich das hinkriege, aber mittlerweile finde ich die Inhalte wirklich interessant und suche immer nach Anwendungsmöglichkeiten z.B. in meiner Familie oder der Firma meiner Eltern.

Da haben wir also dann morgens von 9 bis 11 die erste Session: meistens Frontalunterricht, denn es gibt ein Buch, das wir durcharbeiten müssen. Dann ist Pause, juhu, Kaffee - und Donutzeit. ;-) Danach geht der Unterricht weiter, um 12 ist eine Stunde Mittagspause, dann müssen wir nochmal bis halb 2 rein.

Darüber, dass der Kurs super schwer ist müsst ihr euch übrigens keine rießen Gedanken machen; ich hab immer ein bisschen zu Hause oder bei Starbucks bei nem Kaffe nachgeholt was wir gemacht haben und hatte beim ersten Test echt keine Probleme.

Oft haben wir auch Projektarbeit in Gruppen. Im Moment zum Beispiel erarbeiten wir in verschiedenen Gruppen eine Präsentation zum Thema „Distinctive Personality“. In diesem Rahmen analysieren wir Persönlichkeiten, die durch ihre „Extremheit“ auffallen oder ein Zeichen setzen und wir versuchen zu durchleuchten,welche Teile ihrer Persönlichkeit sie zu den herausragenden Menschen machen, die sie sind; wie sie gewissermaßen als Mensch „funktionieren“.

Wir - das sind Augusto, Erika, Mateo und ich - haben uns Vladimir Putin ausgesucht. Wir treffen uns oft im College oder in der Stadtbibliothek von Vancouver, um gemeinsam zu recherchieren und unsere Präsentation zu erarbeiten. Mir macht das großen Spaß, denn das Thema gefällt mir, und gleichzeitig lernt man sich in der Klasse natürlich auch noch mal viel besser kennen, wenn man sowas miteinander umsetzt.

Falls sich jemand von euch Gedanken um sein Englisch macht: Das müsst ihr nicht! Ich spreche „klassisches“ Schulenglisch, eingehört und mein Alltagsvokabular "getunt" hab ich mit ungefähr 200 Folgen „Southpark“-In-der-Originalversion-Gucken, das hat mir fürs Abi selber schon total geholfen. Und mit diesem Englisch komme ich super zurecht, bin sogar einer der Besten im Kurs, daher: No worries.

Jetzt bin ich natürlich sehr gespannt, wie der Kurs weitergeht, es ist ja noch nichtmal Halbzeit für mich - Ihr kriegt natürlich alles hier mit!


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