Vielfalt zum Verlieben

Praktikum in Chile: Carina im Großstadt-dschungel zwischen Bergen und Meer

Rückwirkend betrachtet habe ich viel über mich selbst gelernt, über das Leben, die Menschen und die Welt. Es war nicht alles einfach, aber mein Auslandspraktikum in Chile hat meine Selbstständigkeit gefördert, mein Selbstbewusstsein gestärkt und mir gezeigt, dass Probleme manchmal einfacher gelöst werden können als anfangs erwartet. Ich habe mich einer neuen Kultur geöffnet, meine interkulturellen Kompetenzen gestärkt und gelernt, was es bedeutet, in einem fremden Land ganz auf sich alleine gestellt zu sein. Aber fangen wir mal von vorne an.

Nach meinem Erasmus-Aufenthalt in Paris wollte ich noch mehr von der Welt sehen. Meine Wahl fiel auf Chile, weil mich die südamerikanische Kultur schon immer interessiert hat und ich mein Spanisch verbessern wollte. Bis dato hatte ich nämlich leider nie die Chance, meine Sprachkenntnisse praktisch auszutesten. In Chile musste ich dann aber feststellen, dass Spanisch nicht gleich Spanisch ist: Die Chilenen reden sehr schnell, sie kürzen Wörter oft ab oder verwenden andere als im Spanischen gängig. Es war wirklich faszinierend den Einheimischen zuzuhören, wenn sie untereinander redeten und kaum verwunderlich, dass es mir anfangs schwer fiel, ihnen zu folgen.

Pläne schmieden und verwirklichen

Die Vorbereitung auf meinen Auslandsaufenthalt habe ich selbst in die Hand genommen. Einen Zeitplan zu machen, hat mir dabei sehr geholfen. So hatte ich alle einzuhaltenden Fristen auf dem Schirm. Zum Beispiel musste ich im Generalkonsulat in München ein Arbeitsvisum für einen befristeten Aufenthalt beantragen. Etwa sechs Monate vor meiner Abreise habe ich per E-Mail Initiativbewerbungen an unterschiedliche Büros in Südamerika verschickt. Letztlich ist meine Entscheidung dann auf das Architekturbüro FAR gefallen. Angereist bin ich schon einen Monat vor Beginn meines Praktikums: mit einem 15 Kilo schweren Rucksack samt Winter- und Sommerklamotten – das musste reichen. Allerdings ging’s für mich erstmal nach Buenos Aires. So konnte ich mir beim Flug Geld sparen und noch dazu einen Monat in Argentinien verbringen. In Santiago de Chile ist mir gleich zu Beginn die Gastfreundschaft der Chilenen positiv aufgefallen. Vom Flughafen wurde ich von meinen chilenischen Freundinnen, die ich in Paris kennengelernt hatte, mit dem Auto abgeholt. In der Wohnung angekommen, gab’s zur Begrüßung ›completos‹ – das ist eine typische Art Hot-Dog in Chile, die normalerweise mit gehackten Tomaten, Avocados, Mayonnaise und Sauerkraut serviert wird. Da fühlte ich mich direkt wie daheim.

Positive und negative Erfahrungen machen

Ich wurde aber auch mit den Vor- und Nachteilen des Großstadtlebens konfrontiert: viele Menschen, viel Verkehr, Stress und unpünktliche Busse. Deshalb entschied ich mich, jeden Morgen 30 Minuten zum Büro zu laufen. Besonders ungewohnt war für mich der Verkehrssmog in der Stadt. Durch die geografische Lage zwischen dem Sierra de Ramón und den Anden wird die Windzirkulation behindert, und im Winter kommt oft noch die Inversionswetterlage hinzu. Als besonders unangenehm empfand ich die Kälte während der Winterzeit. Ich bin im April angekommen und musste feststellen, dass es in meiner Wohnung keine Heizkörper gab. Hinzu kam, dass die Wohung – übrigens wie der Großteil der Gebäude in Santiago de Chile – kaum bis gar nicht isoliert war. Auch in der Arbeit saß ich oft mit meiner Winterjacke am Platz. Dadurch habe ich Dinge wie Heizkörper, die für mich zuhause selbstverständlich sind, wieder mehr zu schätzen gelernt. Abgesehen davon gab es viele Highlights wie meine Ausflüge nach Patagonien und in die Atacama-Wüste, die unglaublich hilfsbereiten Menschen und mein Ausblick aus dem Zimmer auf die Anden. Das Land hat wirklich einiges zu bieten: Nicht nur unglaublich schöne, endlose Landschaften, spektakuläre Sonnenuntergänge, Mondlandschaften, Salzwüsten, Höhlen und atemberaubende Farben, sondern auch ein großes kulturelles Angebot. Und obwohl Chile stark von der Kultur Europas geprägt ist, pflegen die Ureinwohner ihre Traditionen in den ländlichen Gebieten weiter. Nicht zu vergessen die Stadtlage, sie ist perfekt: Innerhalb einer Stunde konnte ich günstig mit dem Bus ans Meer nach Valparaíso oder in die Berge fahren. Für mich hat sich das Abenteuer in jeder Hinsicht gelohnt – und das, obwohl ich nur einen kleinen Teil des langen, schmalen Landes gesehen habe.Vielfalt zum verlieben


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