Tramper mit drei Schildern
Beim Tramprennen treten 100 Teilnehmer gegeneinander an. Mit Hilfe von Pappschildern versuchen sie, als erster ans Etappenziel zugelangen privat

Daumen hoch: Beim Tramprennen reisen über 100 Studenten per Anhalter durch Europa

Pokerspiele, Knock-Outs und eine Fahrt im Aston Martin: Marco Weber ist 2015 beim Tramprennen quer durch Europa gereist. Dieses Jahr geht es laut Veranstalter zum geilsten Arsch der Welt: Tsigov Chark am Batak-See, Bulgarien.

Zwei Mädels und ein Typ mit Dreitagebart stehen gut gelaunt am Straßenrand. Die Daumen zeigen nach oben und auf dem Pappschild in Marcos Hand steht das Wunschziel der heutigen Etappe: Nach Mazedonien, in die antike Stadt Ohrid nahe der albanischen Grenze wollen die drei.

Die Tramper sind nie allein unterwegs

Die kleine Reisegruppe ist Teil eines großen Ganzen: Einem Tramprennen quer über die Asphaltpisten Europas an den gewaltigen Shkodersee in Nordalbanien. Über 100 Tramper sind zeitgleich aus Cottbus, Immenstadt und Wien gestartet. In Teams von zwei bis drei Leuten stoppen sie auf sechs verschiedenen Routen gemeinsam um die Wette.

Vom Shkodersee in Albanien bis nach Zaragoza in Spanien: Ziele gibt es beim Trampen viele

Jedes Jahr geht die Reise an einen anderen Ort, jedes Jahr nehmen mehr Tramper teil. Seit 2008 sammeln die überwiegend studentischen Autostopper auf diese Weise Spenden für die Trinkwasserinitiative Viva con Agua und Pro Asyl – und Geschichten fürs Lagerfeuer. Der Sieg, Nebensache. Der Weg, wie könnte es anders sein, ist das eigentliche Ziel.

Von serbischen Dörfern, Geschwindigkeitsrekorden und dem Vetrauen in den Zufall: Tramper haben einiges zu erzählen

Marco könnte wohl stundenlang erzählen, was er während des Tramprennens schon alles erlebt hat. Von den vielen Gefährten, in die er gestiegen ist zum Beispiel. Boote, Pferdekutschen und Luxusautos, alles ist drin bei der Reise per Daumen. »Ohne zu trampen wäre ich wohl nie in einem Aston Martin, Porsche oder gar in einem Limousinentaxi mitgefahren. Und mein Geschwindigkeitsrekord im Mitfahren läge nicht bei 284 Kilometern pro Stunde«. Nie weiß der 27-jährige Lehramtsstudent aus Eisenach, was ihn erwartet, wenn ein Fahrer am Straßenrand hält. Einmal landete er mit einem Pokerprofi aus dem Saarland im Wiesbadener Casino, der Fahrer besorgte ihm sogar extra einen Anzug. Ein anderes Mal krachte das in Mitleidenschaft gezogene Bett eines rumänischen Lkw-Fahrers auf Marcos Kopf. Die buckelige Straße hatte der Nachtstätte des Fernfahrers den Gar ausgemacht und Marco eine kurze Ohnmacht beschert. Nach einem Wodka auf den Schreck wurde aus dem Erlebten eine weitere kuriose Anekdote unter vielen.

Weiter kommen die Tramper immer. Manchmal dauert es eben

»Es geht eigentlich immer irgendwie weiter, egal wie ausweglos die Situation manchmal erscheint«, hat Marco beim Trampen gelernt. »Manchmal muss ich zwar einsehen, dass ich am falschen Platz stehe und dann einige Kilometer zu Fuß laufen. Am Ende komme ich aber immer vom Fleck«. Wie lange die Wartezeit dauert, kommt ganz darauf an. Ob sie an einer Autobahn oder Landstraße starten zum Beispiel. Oder wie stark die Straße befahren und wie abgelegen der Startpunkt ist. Nützliche Tipps bietet dabei hitchwiki.org – und: »Nette Menschen, die einen gerne mitnehmen, die gibt es überall«, durfte Marco erfahren.

Gastfreundschaft und internationale Freundschaften: Beim Trampen keine Seltenheit

Häufig bleibt auch eine Einladung zum Essen oder Übernachten nicht aus. So auch, als Marcos Gruppe in einem serbischen Dörfchen strandete: »Nach einer Stunde hatten wir fünf Schlafangebote, nach drei Stunden wurde die Kochstelle im Garten angeschmissen, um traditionelle Gerichte für uns zuzubereiten und am Abend saßen wir mit der Dorfjugend am Lagerfeuer.« Mit Abenteuerlust und Vertrauen in den Zufall im Gepäck ist das Tramprennen eine aufregende Option, die Semesterferien zu verbringen.


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