Claudius Habbich

Mit dem DAAD ins Ausland: So geht's!

Wie und warum der DAAD dir bei der Auslandssemester-Planung hilft.

Claudius Habbich vom DAAD im Gespräch mit unserem Redakteur Thomas Günther:

Welche Aufgaben und Ziele hat der DAAD?

Der Deutsche Akademische Austauschdienst ist eine gemeinsame Einrichtung der deutschen Hochschulen und ihrer Studierendenschaften und hat seit seiner Gründung im Jahr 1925 die Studien- und Forschungsaufenthalte von insgesamt über 1,5 Millionen Personen aus dem In- und Ausland gefördert. In den verschiedenen Programmlinien waren es im Jahr 2010 fast 70.000 Deutsche und Ausländer. Damit ist der DAAD die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern. Das Angebot für deutsche Studierende reicht dabei von der finanziellen Unterstützung für einen Sprachkurs oder für ein Praktikum im Ausland über Stipendien für Auslandssemester bis hin zur Förderung von Auslandsaufenthalten im Rahmen einer Promotion. Die Tätigkeit  geht aber weit über die Vergabe von Stipendien hinaus: Der DAAD fördert die Internationalität der deutschen Hochschulen, die Germanistik und die deutsche Sprache im Ausland, den Aufbau leistungsfähiger Hochschulen in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und berät in der Bildungs-, Wissenschafts- und Hochschulpolitik.

Die Aktivitäten in diesen Arbeitsfeldern werden überwiegend aus Mitteln verschiedener Bundesministerien finanziert, vor allem des Auswärtigen Amtes und der Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF) sowie für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Darüber hinaus sind es auch Gelder der Europäischen Union sowie von Verbänden, Stiftungen und ausländischen Regierungen. 

Warum sollten sich Studierende, die für einen gewissen Zeitrahmen ins Ausland wollen, an den DAAD wenden?

Zunächst sollten sie sich gar nicht direkt an den DAAD wenden! Informationen rund ums Studium im Ausland und zu den Förderungsmöglichkeiten gibt es im Internet unter www.daad.de und auf der Webseite www.go-out.de sowie in zahlreichen Publikationen. Ganz wichtige Anlaufstellen sind das Akademische Auslandsamt bzw. das Internationale Büro in der Hochschule und die Auslandsbeauftragten, die es in vielen Fachbereichen gibt. Sie geben Hinweise und beraten, wissen Bescheid über Partnerschaften mit ausländischen Hochschulen sowie finanzielle Förderung. Gerade bei der Finanzierung von studienbezogenen Auslandsaufenthalten gibt es unterschiedliche Möglichkeiten und Formen, die manchmal hochschulspezifisch ausgeprägt sein können. Hilfreich und wertvoll sind immer auch Tipps von Kommilitonen, die schon im Ausland studierten, also alles schon einmal gemacht haben.

Was sind die Hauptgründe dafür, dass viele Studierende gern mindestens ein Semester im Ausland studieren wollen?

Ein studienbezogener Auslandsaufenthalt trägt zur "Erweiterung des Horizonts" und zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit bei. Er bietet die Chance, Sachverhalte aus einer neuen Perspektive zu betrachten, fachlich und persönlich etwas hinzu zu lernen, die Sprachkompetenz vor Ort zu verbessern, interkulturelle Erfahrungen zu sammeln und internationale Kontakte zu knüpfen. Da ließe sich noch vieles nennen. Neugier und ein bisschen Abenteuerlust gehören immer auch dazu.

Ein Grund ist nicht zuletzt, dass Auslandsstudienaufenthalte während der Ausbildungszeit an der deutschen Hochschule von vielen Seiten erwünscht sind und gefördert werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der DAAD haben sich zum Ziel gesetzt, dass mindestens jeder zweite Studierende derartige Auslandserfahrungen gemacht haben sollte. Verbunden ist das mit der Aufforderung an die Hochschulen, die Rahmenbedingungen für diese Mobilität zu gewährleisten. Viele Hochschulen haben bereits Auslandsmodule in Studiengänge integriert und wissen auch sehr wohl, welche große Bedeutung die Auslandsmobilität deutscher Studierender - und eben nicht nur die Anzahl der ausländischen Immatrikulierten und Gastdozenten - für die "Internationalität" ihrer Einrichtung hat.

Welche Gründe gibt es, dass etliche Studierende diesen Weg nicht beschreiten können?

Eigentlich sollte sich fast immer ein Weg finden, den Wunsch auf einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt zu realisieren. Bei der Form, ob Auslandsstudium, Praktikum, Sprachkurs, Recherche oder Studienreise, und der Dauer gibt es viele Möglichkeiten. Wichtig ist herauszufinden, was für einen selbst das Richtige zum optimalen Zeitpunkt ist. Ein aktives Verhalten und eine positive Einstellung sind dabei ebenso notwendige Voraussetzungen wie gute Information, gründliche Vorbereitung und Beratung - alles unverzichtbare Bestandteile, damit der Auslandsaufenthalt nicht nur ein schöner Gedanke bleibt.

In einer repräsentativen Studie zur internationalen Mobilität deutscher Studierender, die HIS (Hochschul-Informations-Sytem, Hannover) im Auftrag des DAAD 2007 und nochmals 2009  durchgeführt hat, werden als häufigster Grund für das Nichtzustandekommen eines Auslandsaufenthalts finanzielle Schwierigkeiten genannt. Jeder zweite Studierende sieht sich durch finanzielle Probleme daran gehindert. Nicht viel weniger gravierend sind andere Hinderungsgründe, einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt durchzuführen: Mangelnde Unterstützung durch die Hochschule und schwierige Vereinbarkeit mit den Anforderungen im Studiengang werden mit relativ geringerem Abstand an zweiter und dritter Stelle genannt. Und mehr als ein Drittel der Befragten befürchtet Zeitverluste. Etwas mehr als ein Drittel sagt, dass es Schwierigkeiten gebe, Informationen zu bekommen und die Organisation des Auslandsaufenthalts zu viel Mühe koste - das sind jedoch Gründe, die durch individuelle Merkmale geprägt sind, weniger durch eine sachliche Grundlage.

Wie hilft der DAAD an dieser Stelle?   

Zum einen hat der DAAD ein großes Informationsangebot im Internet, das Tipps zu Studium und Praktikum im Ausland und Studieninformationen mit Texten und Web-Links zu allen Ländern der Welt ebenso bietet wie verschiedene Suchfunktionen zu internationalen Studiengängen und Sprachkursen an Hochschulen im Ausland sowie Stipendien und Förderungsmöglichkeiten. Viele dieser Informationen gibt es auch in Druckfassungen, die in den Akademischen Auslandsämtern der Hochschulen zu erhalten sind. Zum anderen haben das BMBF und der DAAD im Jahr 2006 die Informations- und Werbekampagne "go out! studieren weltweit" initiiert, in deren Rahmen beispielsweise viele Informationsveranstaltungen und Aktivitäten an den Hochschulen stattfinden sowie Fachkonferenzen und Foren zur Auslandsmobilität und über vorbildliche Studiengänge mit Auslandsmodulen organisiert werden. Kern all dieser Bemühungen ist die Botschaft, dass sich studienbezogene Auslandsaufenthalte in jeder Hinsicht lohnen und mögliche Finanzierungsschwierigkeiten nur ein Aspekt sind, der sich nicht als Problem oder als eine besonders hohe Hürde erweisen muss, weil zahlreiche finanzielle Hilfen vorhanden sind: Stipendien des DAAD oder anderer Organisationen und ausländischer Regierungen und Hochschulen, ERASMUS-Mittel der EU, Auslands-BAföG, Bildungskredit zu günstigen Bedingungen. Neben den verschiedenen Individualstipendien für Auslandsaufenthalte gibt es zudem etliche Strukturprogramme und Hochschulpartnerschaften, die erhebliche Vergünstigungen und finanzielle Entlastung bieten.

Wie sollten sich Studierende auf einen Auslandsaufenthalt vorbereiten, damit das Auslandssemester auch wirklich zu einem unvergesslichen Erlebnis mit positiven Erinnerungen wird? 

Das A und O ist eine gezielte und engagierte Vorbereitung mit sehr viel Informationsrecherche und Kontakten zu Informations- und Beratungsstellen, möglichen Gasthochschulen im Ausland und auslandserfahrenen Kommilitonen und Dozenten. Neben der notwendigen Ausdauer bei den Vorbereitungsschritten ist auch ein guter Zeitplan erforderlich, denn rund ein Jahr oder mehr vom ersten Gedanken bis zur tatsächlichen Abreise sollte man schon für alles einkalkulieren. "Last-Minute-Reisen" sind nicht zu haben - wer das versucht, dürfte scheitern. Es sind viele Dinge zu regeln und zu klären. Es fängt bei Nachfragen zur späteren Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen und Prüfungen sowie den Voraussetzungen für die Einschreibung an der Gasthochschule an und reicht bis zur Frage nach Unterkunft Und Lebensmodalitäten am Zielort. Ganz wichtig sind natürlich die Sprachkenntnisse, denn je besser man sich an der Hochschule und im Alltag verständigen kann desto erfolgreicher und nachhaltiger wird der Auslandsaufenthalt sein. Selbst wenn Kurse und Unterrichtsveranstaltungen für internationale Studierende auf Englisch angeboten werden, ist es doch sehr hilfreich gut in der Landessprache kommunizieren zu können. Letztlich öffnet diese Fähigkeit viele Türen - und vor allem auch die Herzen der Menschen im Gastland! 

Was sind die Hauptprobleme, mit denen Studierende vor Ort zu kämpfen haben?

 Das kann sehr unterschiedlich sein und hängt vom jeweiligen Gastland und dem Ort ab. Wer sich gut vorbereitet und im Vorfeld gute Kontakte geknüpft hat, dürfte keine größeren Probleme haben. 

Welches sind die beliebtesten Destinationen deutscher Studierender?

In Europa sind das nach der genannten Studie von HIS Frankreich und Großbritannien mit jeweils 14% sowie Spanien mit 11%. Mit weitem Abstand folgen dann Italien, Schweden und die Schweiz mit jeweils 5%. Zwei Drittel aller Studierenden bleiben bei ihren studienbezogenen Auslandsaufenthalten in Westeuropa, 11% zieht es aber auch in Länder Osteuropas, vor allem ins Nachbarland Polen und nach Russland. Attraktiv sind selbstverständlich auch Hochschulen in den USA, so dass 10% der Studierenden dort Auslandsaufenthalte realisieren. Australien mit 5% und China mit 4% gehören ebenfalls zu den stärker nachgefragten Gastländern, während Lateinamerika  und Afrika jeweils nur insgesamt 7% und Ostasien 5% der Studierenden als Zielregion wählen. Deshalb wünschen wir uns auch, dass die Länder Mittel- und Südamerikas, Afrikas und Asiens stärker in den Blick der Studierenden geraten, wenn es um die Planung und Realisierung von Studienaufenthalten im Ausland geht. Auch dort gibt es viele hervorragende Hochschulen, höchst interessante Studienangebote und attraktive Möglichkeiten für Projekte und Praktika.


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