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Bewerbung und Vorstellungsgespräch: Nachhaken erlaubt

Das Vorstellungsgespräch ist geschafft – jetzt ist Warten angesagt. Oft dauert es bis zu mehreren Wochen, bis ein Unternehmen sich bei den Bewerbern meldet. Da kann schon mal Nervosität aufkommen. Aber wie lang solltest du die Füße still halten, bis du anfängst, nachzuhaken? Und solltest du das lieber per Mail oder telefonisch machen? Hier gibt's Tipps für dich.

Nachfragen nach der Bewerbung – dein gutes Recht!

Wenn du eine gefühlte Ewigkeit auf eine Rückmeldung zu deiner Bewerbung oder deinem Vorstellungsgespräch wartest, ist es dein gutes Recht als Bewerber, nachzufrage, um den aktuellen Stand zu erfahren. Aber bitte nicht zu voreilig. Vielleicht ist innerbetrieblich momentan viel los oder der Personalentscheider ist krank – es gibt viele Gründe, wieso eine Rückmeldung etwas dauern kann. Wie viel Zeit du vergehen lassen solltest, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Mittelständler oder Konzern: Je steiler die Hierarchie, desto länger dauert es. Bei Mittelständlern sind oft weniger Leute an der Entscheidungsfindung beteiligt.
  • Anzahl der Bewerber: Klar, bei weniger Kandidaten geht es schneller, als bei vielen – immerhin nehmen allein die Vorstellungsgespräche dann mehr Zeit in Anspruch.
  • Erstvorstellung oder Folgegespräch: Beim ersten Gespräch dauert es meist länger, als in einer weiteren Gesprächsrunde. Grund: Die Anzahl der Kandidaten verringert sich.

Die Faustregel besagt, dass du zwischen zwei bis sechs Wochen warten solltest, ehe du im Unternehmen nachhakst. Damit du unangenehme Wartezeiten schon im Vorfeld vermeidest, kannst du bereits im Vorfeld einige Dinge unternehmen:

  • Lass dir den Namen und die Funktion deiner Ansprechpartner nennen.
  • Bitte nach dem Gespräch um die Visitenkarte deines Gegenübers.
  • Frage am Ende, wie es weitergeht, wann du mit einer Antwort rechnen kannst und was die kommenden Schritte sind.
  • Verfasse nach dem Gespräch eine kurze Dankes-Mail. Das ruft dich ins Gedächtnis der Personaler.

Diese Maßnahmen sorgen erstens dafür, dass du einen bleibenden positiven Eindruck hinterlässt und zweitens weißt du dann genau, bei wem du nachhaken kannst, falls du doch etwas warten musst.

Tipps fürs Nachhaken: Wie aufdringlich darfst du sein?

Gar nicht so einfach, denn der Grat zwischen Interesse und Aufdringlichkeit ist schmal. Hier sind ein paar Tipps, wie du höflich nachfragst, ohne deinem Eindruck zu schaden:

  • Frag zuerst telefonisch nach: Über die Stimme kannst du Emotionen, also Interesse und Höflichkeit, transportieren. Das wirkt meist freundlicher als eine Mail. Am besten rufst du deinen Gesprächspartner aus dem Vorstellungsgespräch an.
  • Bereite dich auf das Telefonat vor: Überleg dir, was du sagst, damit du nicht stotterst oder einen falschen Ton anschlägst. Auf Rückfragen wie Stellenbezeichnung, Datum des Gesprächs oder Referenznummer solltest du antworten können.
  • Bleibe freundlich und vorwurfsfrei: Lächle – so klingt deine Stimme direkt freundlicher. Pass außerdem auf, dass du keine ungeschickten Formulierungen einbaust, die einen Vorwurf transportieren
  • Keinen Druck ausüben: Dräng den Personaler nicht zu einer Entscheidung oder einer eindeutigen Antwort. Vermittle bescheiden, dass das Feedback dir helfen würde, ohne penetrant auf eine konkrete Entscheidung zu bestehen.
  • Erwarte keine direkte Auskunft: Du bekommst allgemeine Informationen, beispielsweise ob deine Bewerbung den Zuständigen bereits erreicht hat, ob sie gerade in der Prüfung ist und so weiter. Rechne aber nicht mit einer sofortigen Zusage oder Einladung.

Nachfragen per Mail: Das solltest du sein lassen

Wenn du schüchtern bist oder aus anderen Gründen nicht direkt anrufen willst, kannst du auch per Mail nachhaken. Hier ist aber Vorsicht geboten, denn durch nur eine einzige falsche Formulierung kann dein ganzer Eindruck zunichte gemacht werden. Hier einige Phrasen, auf die du besser verzichten solltest:

  • "Warum haben Sie nicht noch nicht gemeldet?": Hinter der Frage versteckt sich der Vorwurf, der Personaler würde seine Aufgaben nicht richtig erledigen. Beziehe deine Nachfrage also nicht auf ein Fehlverhalten des Personalers, sondern beispielsweise auf deine Bewerbungsunterlagen, indem du fragst, ob diese schon angekommen sind.
  • "Sie wollten sich Montag melden, jetzt ist schon Dienstag": Hier ist es ähnlich wie beim vorherigen Punkt: Die Nachfrage klingt vorwurfsvoll und frech. Ein Tag Wartezeit ist gar nichts – warte noch etwas länger oder verpacke deine Nachfrage geschickter und höflicher.
  • "Ich bin dankbar für jede Antwort": Das klingt nach Verzweiflung. "Jede" Antwort ist zu beliebig, immerhin willst du eine positive Antwort. Am besten wählst du eine Formulierung ganz ohne Wertung, beispielsweise "baldige" Antwort.
  • "Haben Sie sich schon entschieden? Ich habe auch andere Angebote": Bloß nicht! Auch, wenn du damit nur mitteilen möchtest, dass du bald eine Entscheidung treffen musst, wirkt diese Phrase so, als würdest du den Job sowieso nicht unbedingt wollen, weil du auch andere Optionen hast. Das schießt dich schnell ins Aus.

Nachfragen per Mail: Muster

So kann eine positiv formulierte Nachfrage per Mail aussehen:

"Sehr geehrte Frau Mustermann,

vor einer Weile habe ich Ihnen meine Bewerbung auf Ihre Stelle als _________ geschickt. Ich bin mir bewusst, dass Sie vermutlich viele Zuschriften erhalten haben und der Bewerbungs- und Auswahlprozess einige Zeit in Anspruch nimmt. Ich wollte nur einmal sicher gehen, ob meine Unterlagen Sie erreicht haben und ob Sie noch weitere Informationen benötigen. Falls dem so ist, würde ich mich über ein kurzes Signal freuen.
 

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.

Mit freundlichen Grüßen"

Nachhaken nach dem Vorstellungsgespräch

Wenn du die erste Hürde – das Vorstellungsgespräch – schon überstanden hast, kommen ebenfalls Wartezeiten auf dich zu. Auch hier darfst du nach einer angemessenen Zeit nachhaken. Auch hier solltest du am Telefon freundlich und höflich sein und keinen Druck machen oder gar ein Ultimatum stellen. Zeige dein ehrliches Interesse an der Stelle und versuche, zwischen den Zeilen zu hören, ob du eine Chance auf den Job hast. Vielleicht gehst du dann mit einem positiven Gefühl aus dem Telefonat und die Wartezeit fällt im Anschluss etwas leichter.

Du hast zwei Jobangebote und willst eines nicht annehmen? Lies hier nach, wie du deine Bewerbung zurücknehmen kannst.


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