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Kündigung in der Probezeit – was jetzt?

Die Probezeit ist dazu da, damit Mitarbeiter und Unternehmen sich kennenlernen und herausfinden können, ob sie zueinander passen. Eine Kündigung kann in dieser Zeit von beiden Seiten ohne Angabe eines Grundes ausgesprochen werden. Geht sie vom Arbeitgeber aus, löst das oft Panik beim Arbeitnehmer aus: Sieht das im Lebenslauf blöd aus? Wie du in diesem Fall weiter vorgehst, erfährst du hier.

Kündigung in der Probezeit: Kündigungsfristen

Die Dauer der Probezeit ist meistens im Arbeitsvertrag festgehalten. In Deutschland beträgt sie maximal sechs Monate. Sie ist aber keine Pflicht – jedes Unternehmen kann selbst entscheiden, ob es eine Probezeit veranschlagt oder nicht. Falls nicht, gilt der Mitarbeiter aber direkt als fest eingestellt, eine Testphase bleibt also für beide Seiten aus. Die Kündigungsfrist bei einer Festanstellung ist wesentlich länger als die in der Probezeit. Dort beträgt sie nur 14 Tage. Eine Ausnahme bilden Tarifverträge, in denen eine kürzere Kündigungsfrist festgelegt sein kann. Sie zu verlängern ist ebenfalls möglich – das gilt dann für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen.

Kündigung in der Probezeit: Sonderfall fristlose Kündigung

Die oben genannten Kündigungsfristen stellen den Normalfall dar, also den Fall einer fristgerechten Kündigung. Anders ist es, wenn sich eine der beiden Seiten sich etwas zuschulden kommen lassen hat. Extrembeispiele zur Verdeutlichung wären sexuelle Belästigung oder Diebstahl. Dann ist eine außerordentliche – also eine fristlose – Kündigung möglich, durch die das Arbeitsverhältnis noch am selben Tag beendet wird. Bedingung ist aber, dass der Kündigung innerhalb von zwei Wochen ab Kenntnis des Kündigungsgrunds ausgesprochen wird. Außerdem sollte schriftlich gekündigt werden. In der Probezeit ist bei einem Fehlverhalten des Arbeitnehmers erst eine Abmahnung durch den Arbeitgeber nötig, bevor er bei weiterem Fehlverhalten gekündigt werden kann.

Kündigungsgründe in der Probezeit

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter während der Probezeit jederzeit ohne Grund kündigen. Der Arbeitnehmer ist aber durch eine Regeln vor willkürlikchen Handlungen des Chefs geschützt:

  • Unzeiten: Während der Arbeitnehmer in sogegannten Unzeiten steckt, darf er nicht gekündigt werden. Unzeiten sind Phasen, in denen der Mitarbeiter unter einer enormen Belastung steht, beispielsweise nach einem Todesfall in der Familie.
  • Haltlose Gründe: Gewerkschaftliche oder politische Tätigkeiten während der Probezeit dürfen bei einer Kündigung keine Rolle spielen oder als Grund angegeben werden. Außerdem darf der Grunud nicht diskriminierend sein – Geschlecht oder sexuelle Orientierung sind als Kündigungsgrund unakzeptabel.
  • Besondere Personengruppen: Schwangere, Auszubildende und Schwerbehinderte sind extra geschützt. Schwangere beispielsweise sind durch das Kündigungsschutzgesetz bereits während der Probezeit vor einer Kündigung bewahrt.

Kündigungen während der Probezeit finden häufiger statt als gedacht. Wie du damit umgehen kannst? Lies weiter!

Kündigung in der Probezeit: Grundanalyse

Eine Kündigung ist immer hart – sie heißt aber nicht, dass die Karriere automatisch vorbei ist. Natürlich darfst du dich ärgern oder traurig sein. Pass aber auf, dass du diese Gefühle nicht in die restliche Arbeitszeit mitnimmst, sondern das Beste aus ihr machst. Du musst die Situation so und so akzeptieren. Um die Gründe zu analysieren, stelle dir folgende Fragen:

  • Gab es Fehler meinerseits? Welche?
  • Hat mich mein Chef häufig kritisiert? Warum?
  • Haben die Kollegen mich ausgegrenzt? Warum?
  • Waren die Anforderungen im Job zu hoch oder zu niedrig für mich?
  • Entsprach der Beruf meinen Vorstellungen?

Nicht immer sind alle Punkte relevant für die Kündigung. Aber diese Selbstreflexion hilft dir, eventuelle Beweggründe und Fehler deinerseits zu erkennen und daran zu arbeiten. Wichtig: Verfalle nicht in Selbstzweifel. Du befindest dich noch am Anfang und in der Lernphase, da sind Fehler und Umorientierungen ganz normal. Die Grundanalyse hilft dir außerdem bei kommenden Bewerbungsgesprächen, denn die Frage nach dem Kündigungsgrund kommt dort ziemlich sicher auf dich zu.

Kündigung in der Probezeit: So solltest du dich danach verhalten

Wichtig ist: Nicht betteln oder ausrasten – sondern professionell bleiben. Suche ein klärendes Gespräch mit deinem Vorgesetzten. Er kann dir am besten sagen, woran es lag und was du in Zukunft verbessern kannst. Wenn du in der Branche bleiben und dort Fuß fassen willst, solltest du die Bedeutung deines Rufs nicht unterschätzen. Erledige deine Arbeit also bis zum letzten Tag so gut du kannst, um ein positives Bild zu hinterlassen. Es kann natürlich sein, dass du noch Resturlaub hast. Den solltest du auf jeden Fall bis zum Ende der Kündigungsfrist nehmen. Befolge einfach diese Checkliste, um nach der Kündigung richtig zu reagieren:

  • Die Gründe der Kündigung hinterfragen
  • Nach Feedback suchen
  • Das Feedback für Änderungen nutzen
  • Eigene Qualifikationen verbessern
  • An den Soft Skills arbeiten
  • Frage: War der Job der richtige für mich?
  • Nach geeigneten Positionen suchen

Kündigung in der Probezeit: So erklärst du sie

Auch wenn dich eine Kündigung während der Probezeit beim Schreiben deines Lebenslaufs erstmal verzweifeln lässt – sie ist kein Weltuntergang. Manchmal passt es einfach nicht, das wissen auch Personaler und potenzielle neue Arbeitgeber. Wenn du die Kündigung begründen willst, verfalle nie in einer Verteidigungs- oder Rechtfertigungshaltung. Das macht den Eindruck, als hättest du dir tatsächlich etwas zuschulden kommen lassen. Eine plausible Erklärung ist ausreichend – keine Schuldzuweisungen oder firmeninterne Probleme. Wenn du weißt, dass du einen Fehler gemacht hast, betone den Lerneffekt, der daraus entstanden ist. Einsicht und Wille zur Verbesserung kommen wesentlich besser an als falsche Stolz. Prinzipiell interessieren zukünftige Arbeitgeber nur zwei Dinge:

  • Was hast du aus der Kündigung gelernt?
  • Wie willst du es im neuen Unternehmen besser machen?

Du solltest die Kündigung keinesfalls verheimlichen. Aber du kannst ihren Eindurck mildern, indem du vor allem im Anschreiben andere Dinge hervorhebst. Deine Kompetenzen und Motivation sind für Personaler viel ausschlaggebender. Deinen Fokus solltest du deshalb im Anschreiben darauf legen:

  • Warum passt die neue Stelle zu dir?
  • Inwiefern passt du zum Unternehmen?
  • Wie kannst du dem Unternehmen über die ausgeschriebene Stelle hinaus nützlich sein?
  • Wie kannst du dich möglichst selbstbewusst und kompetent präsentieren?

Die Kündigung selbst taucht in deinem Lebenslauf erstmal gar nicht auf. Es ist lediglich ein kurzer Arbeitsverhältnis angegeben. Von wem die Kündigung ausgehen und wieso sie ausgesprochen wurde, wird im Vorstellungsgespräch besprochen. Und wie gesagt: Der Fokus sollte auf deinen Kompetenzen liegen, die durch die Kündigung ja an sich nicht beeinflusst werden. Konzentriere dich also daraus und versuche, aus dem Negativen etwas Positives zu machen. Wenn du dir bereits im Vorfeld eine plausible Begründung zurechtlegen willst, passt vielleicht eine der folgenden:

  • Die Aufgaben haben sich während der Probezeit entgegen deiner Erwartungen verändert.
  • Die Unternehmenskultur hat nicht zu dir gepasst.
  • Die Beschreibung der Stelle hat nicht mit der Realität übereingestimmt.
  • Veränderungen im Unternehmen haben die Arbeitsatmosphäre nachhaltig verändert.
  • Die beruflichen Perspektiven waren nicht mehr attraktiv für dich.
  • Es gab die Einigung, dass die Zusammenarbeit für beide Seiten nicht zielführend ist.
  • Die Kündigung ging von deinem Chef aus, damit du einer Sperre durch die Arbeitsagentur entgehen kannst.

Du willst noch mehr Tipps für eine Bewerbung nach der Kündigung? Klick dich rein!

 

 


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