Angelique Stranz

Selbstpräsentation im Bewerbungsprozess

Zeig', was du kannst! Angelique Stranz ist Recruiting Consultant beim Personaldienstleister Gulp Solution Services in Mannheim. Sie betreut und berät unter anderem Berufseinsteiger in ihrer Karriereplanung.

Frau Stranz, ...

Worauf kommt es bei der Selbstpräsentation im Vorstellungsgespräch bzw. Assessment Center an?

Ein gepflegtes Erscheinungsbild und eine offene Kommunikation sind immer wichtig. Im Gespräch sollte der Bewerber unbedingt die Chance nutzen, sich als Persönlichkeit vorzustellen. Dazu gehören auch eigene Interessen, Erfahrungen und berufliche Ziele. Schließlich möchte der Ansprechpartner nicht nur vom fachlichen Know-how überzeugt werden, sondern auch davon, dass der Bewerber als Person ins Team passt. Dabei aber immer authentisch bleiben und keine eingeübte Rolle spielen – das durchschaut ein versierter HR-Experte sofort und es macht den Bewerber unglaubwürdig.

Worauf ist bei einer Selbstpräsentation auf Karriereportalen wie Xing zu achten?

Das eigene Profil im Netz ist wie eine Visitenkarte. Ähnlich wie bei einem Lebenslauf sollte man darauf achten, dass die Basics stimmen: ein freundliches professionelles Foto und keine Tippfehler. Man sollte auf aussagekräftige und verständliche Formulierungen achten und bei der Beschreibung der Qualifikationen die jeweiligen Buzzwörter benutzen. Denn Recruiter und Personalleiter sind durch ihre tägliche Arbeit geeicht, danach zu suchen. Trotzdem gilt beim Ausfüllen des Profils: weniger ist mehr. Lieber knapp und präzise sich und sein Know-how darstellen. Zudem gilt es, sein Kontaktnetzwerk zu präsentieren. Kontakte können Mitarbeiter in Unternehmen sein, die man während seines Praktikums kennengelernt hat, Kommilitonen oder ehemalige Mitschüler. Auch kann man sich in Diskussionsgruppen engagieren. So erfährt ein Recruiter ebenfalls etwas über die Interessen und erkennt, dass der Bewerber Expertise in seinem Metier besitzt.

Was steht einer gelungenen Selbstpräsentation im Weg?

Erfolgreiche berufliche Projekte haben die wenigsten kurz nach dem Abschluss vorzuweisen, deshalb neigen viele zum Tiefstapeln. Aber der Bewerber muss aktiv seine Qualifikationen präsentieren. Es ist nicht die Aufgabe des Personalers die Fähigkeiten aus einem heraus zu kitzeln. Jeder hat etwas Besonderes zu bieten. Das ist etwas, was im Vorfeld des Gesprächs sehr gut vorbereitet und geübt werden kann. Am besten dazu die wichtigsten Stichworte aufschreiben und verinnerlichen. Floskeln sollten dabei vermieden werden, denn leere Worthülsen fallen schnell auf.

Welche Tipps gibt es für die Selbstpräsentation für die Bewerbung?

Man sollte sich immer auch auf sein Gegenüber vorbereiten und Informationen über das Unternehmen, die Abteilung, laufende Projekte, etc. einholen. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Website des Unternehmens und Social Media Kanäle sind klassische Anlaufstellen, um sich zu informieren. Zudem ist es auch immer hilfreich, das Internet zu durchforsten. Vielleicht war das Unternehmen mit einem seiner Projekte ja kürzlich in den Medien. Da hätte man für das Gespräch einen guten Anknüpfungspunkt.

Inwieweit sind in der Selbstpräsentation kleine Schwindeleien erlaubt?

Schummeln bringt nichts und ist auch nicht notwendig. Viele Karrierewege verlaufen heute nicht mehr geradlinig. Eine Lücke von drei Monaten muss nicht unbedingt kaschiert werden. Handelt es sich um eine längere Unterberechnung, sollte man einen Beleg dafür haben, was man in dieser Zeit gemacht hat, zum Beispiel eine Weiterbildung, eine größere Reise oder Familienzeit. Wer sich sympathisch, natürlich und selbstreflektiert präsentiert, hat gute Chancen auf den Job.

Positive Selbstdarstellung: Was wenn ich nicht der Typ dafür bin?

Eine Portion Selbstbewusstsein tanken. Viele Bewerber neigen dazu, ihr Licht unter den Scheffel zu stellen. Ich empfehle, eine Liste mit allen seinen positiven Eigenschaften und Qualifikationen zu machen. Am Ende kommt eine Menge zusammen. Es hilft, auch Familie und Freunde zu befragen, welche Stärken sie in einem sehen. Eine gute Selbstpräsentation gelingt nicht auf Anhieb. Aber Bewerber können sie zu Hause üben.

Warum ist die Selbstpräsentation im Bewerbungsprozess so wichtig?

Ein Abschluss und die Qualifikationen allein sind heutzutage nicht mehr entscheidend, denn die haben in der Regel auch die Mitbewerber. Man muss sich als Bewerber auch mit seiner Persönlichkeit abheben, um erfolgreich zu sein. Und das gelingt eben mit einer guten Selbstpräsentation. Der Personalleiter hat meist nur wenig Zeit, um sich ein umfassendes Bild zu verschaffen. Je überzeugender man als Kandidat auftritt, desto höher liegt die Chance, dass man überzeugt.

Welche Möglichkeiten habe ich durch eine Selbstpräsentation?

Eine gute Bewerbung und Selbstpräsentation sind kein Hexenwerk, sondern Übungssache. Deshalb ist es wichtig, sich bereits während des Studiums mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wenn es nach dem Abschluss nicht gleich mit dem Wunschjob klappen sollte, nicht aufgeben und nicht an sich zweifeln. Denn zu jedem Bewerbungsprozess gehört auch eine Portion Glück. Auf jeden Fall sollte man sich nach einer Absage Feedback einholen und sich überlegen, seine Bewerbungsunterlagen professionell prüfen zu lassen. Manchmal hilft auch, um die Ecke zu denken: Vielleicht entpuppt sich eine Tätigkeit, die man sich vorher nicht vorstellen konnte, letztendlich als der Traumjob.


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