Bevor man sich bewirbt, sollte man sich die Stellenanzeige ganz genau durchlesen pixabay.com | loufre

So analysierst du eine Stellenanzeige

Du wirst bald mit deinem Studium fertig und suchst nun nach Einstiegsstellen für Absolventen? Oder bist du Schüler und suchst einen passenden Ausbildungs- oder dualen Studienplatz? In jedem Fall solltest du für einen erfolgreichen Berufseinstieg wissen, wie du Stellenanzeigen richtig liest und wie du die angegebenen Informationen optimal für deine Bewerbung nutzen kannst.

Aufbau einer Stellenanzeige: Die 10 wichtigsten Elemente im Überblick

Bei der Suche nach einer Einstiegsstelle für Absolventen oder einem Ausbildungsplatz 2020 durchforstest du in der Regel viele Stellenanzeigen. Falls du eine Ausschreibung interessant findest, lies dir diese – am besten mehrmals - aufmerksam durch. Eine vertrauenswürdige Anzeige enthält Informationen zur Stelle, zum Unternehmen und zum Bewerbungsprozess. In welcher Fülle diese dargestellt werden, ist dabei jedem Arbeitgeber selbst überlassen. Ob nun ausführlich oder in Form von Eckdaten, in der Regel folgt der Aufbau einer Stellenanzeige immer dem gleichen Muster:

  1. Jobtitel wie beispielsweise „Nachwuchsingenieur im Bereich Elektrotechnik“ oder „Auszubildender zum Pflegefachmann“. Der Zusatz (m/w/d) steht für männlich, weiblich und divers und besagt, dass Bewerbungen von allen Geschlechtern gleichermaßen willkommen sind. Manchmal steht neben der Stellenbezeichnung auch eine Referenznummer bzw. Kennziffer. Gib diese am besten direkt im Betreff an, damit der Personaler deine Bewerbung richtig zuordnen kann.
  2. Eintrittstermin: Ausbildungsgänge bzw. duale Studiengänge beginnen in der Regel zum 1. August oder 1. September; Fachkräfte werden das ganze Jahr über gesucht.
  3. Arbeitsort und Unternehmen: Hier bekommst du Informationen zu dem Arbeitgeber wie Unternehmensgröße, Branche, Produkte und Dienstleistungen etc. Auch steht in dem Inserat, an welchem Standort die Stelle angeboten wird. Gerade größere Unternehmen sind oft so strukturiert, dass es neben dem Hauptsitz verschiedene andere Standorte gibt, manchmal auch im Ausland – ideal, wenn dir Fremdsprachen liegen und du gerne in einem internationalen Umfeld arbeiten möchtest!
  4. Dauer der Beschäftigung: Die Stelle kann befristet sein, z. B. als Elternzeitvertretung oder für die Laufzeit eines bestimmten Projektes. Ein anderer Grund für einen Zeitvertrag kann auch sein, dass der Arbeitgeber den neuen Mitarbeiter erst besser kennenlernen möchte, bevor er ihn fest anstellt. Alternativ dazu werden unbefristete Verträge geschlossen – in diesen ist eine Probezeit von bis zu 6 Monaten üblich, die ebenfalls dem gegenseitigen Kennenlernen dient. Ausbildungsverträge sind auf die Dauer der Ausbildung ausgelegt; in den meisten Berufen beträgt diese drei Jahre.
  5. Tätigkeitsbeschreibung: Alternative Überschriften sind auch „Ihre Aufgaben“ oder „Ihre Herausforderung“. In diesem Absatz steht, was genau deine Tätigkeiten sein werden. Bei Ausbildungsgängen, dualen Studiengängen und Trainee-Stellen findest du meist auch Informationen darüber, welche Fachabteilungen du durchläufst und welche Ausbildungsinhalte dir vermittelt werden.
  6. Arbeitszeiten und -bedingungen: Vollzeit oder Teilzeit? Feste oder flexible Arbeitszeiten? Urlaubstage? Reisetätigkeit? Möglichkeit zu Home-Office? Wöchentlicher Unterricht in der Berufsschule oder Blockunterricht? Im Hinblick auf die eigene Work-Life-Balance bzw. Work-Life-Separation haben Bewerber in der Regel viele Fragen. Die Antworten darauf finden sich häufig bereits in der Stellenausschreibung - teils als separater Punkt, teils auch integriert in „Leistungen und Benefits“. Manchmal wird der Absatz auch mit „Was wir bieten“ überschrieben.
  7. Voraussetzungen und Qualifikationen: Mögliche Überschriften für diesen Abschnitt sind auch „Ihr Profil“, „Was wir erwarten“ oder „Was Sie auszeichnet“. Darin steht, was für einen Schul- oder Studienabschluss du mitbringen sollst und welche Qualifikationen gewünscht sind. Wichtig: Bei den Voraussetzungen und Qualifikationen unterscheidet man zwischen Muss- und Kann-Anforderungen. An welchen Formulierungen du diese erkennst, liest du im nächsten Kapitel.
  8. Leistungen und Benefits des Arbeitgebers, die Mitarbeiter zusätzlich zu ihrem Gehalt bzw. zu ihrer Ausbildungsvergütung bekommen, wie beispielsweise Urlaubs- und/oder Weihnachtsgeld, Jobticket, freie Pausengetränke und Snacks sowie Sport- und Gesundheitsangebote. Die Teilnahme an Schulungsprogrammen zur fachlichen und/oder persönlichen Weiterentwicklung wird je nach Stellenanzeige ebenfalls unter „Leistungen und Benefits“ oder unter dem nachfolgenden Punkt „Perspektiven“ aufgeführt.
  9. Perspektiven: „Welche Zukunftschancen bietet mir der Arbeitgeber?“ Da viele Bewerber früher oder später diese Frage stellen, wird sie immer mehr bereits in der Stellenanzeige beantwortet. Bei Ausbildungsgängen kann das ein Hinweis auf eine Übernahme nach der Ausbildung und/oder Weiterbildungsmöglichkeiten wie Meister, Techniker oder Fachwirt sein; bei Absolventenstellen ein Hinweis auf höhere Positionen im Management wie Teamleitung, Projektleitung oder Abteilungsleitung.
  10. Ansprechpartner und Bewerbung: Am Ende der Stellenanzeige erfolgt eine Angabe zu dem gewünschten Bewerbungsweg, beispielsweise per Post, per E-Mail, per Online-Formular oder per Video, sowie zu dem Ansprechpartner, der dir bei Rückfragen zur Verfügung steht und an den du deine Bewerbung adressierst. Tipp: Falls diese Angabe fehlt, solltest du bei dem Unternehmen anrufen und nachfragen.

Wie du Muss- und Kann-Anforderungen richtig unterscheidest

Die Informationen aus der Stellenanzeige sind für die Formulierung deiner
Bewerbungsunterlagen sehr wichtig. Insbesondere auf die Angaben zu den Muss- und Kann-
Qualifikationen solltest du als Bewerber in deinem Anschreiben und Lebenslauf eingehen.

Muss-Anforderungen

Sogenannte Muss-Anforderungen sind für die ausgeschriebene Stelle absolut notwendig, weshalb du diese als Bewerber auch mitbringen solltest. In der Regel werden Muss-Anforderungen an erster Stelle genannt, wobei du sie an bestimmten Formulierungen erkennen kannst: „Sie bringen … mit“, „...sind erforderlich“, „Voraussetzungen sind…“, „Wir erwarten…“. Auch Wörter wie „notwendig“, „unabdingbar“ oder „zwingend“ helfen dir, Muss-Anforderungen ausfindig zu machen. Beispiele für Muss-Anforderungen sind ein bestimmter Schulabschluss (bei Ausbildungen), ein abgeschlossenes Studium (bei Absolventenstellen) sowie Fachkenntnisse in bestimmten berufstypischen Bereichen.

Kann-Anforderungen

Kann-Anforderungen hingegen sind gewünschte Qualifikationen seitens des Unternehmens. Diese bilden keine notwendige Voraussetzung für die Stelle. Folgende Formulierungen können für sie gewählt werden: „Wünschenswert…“, „Idealerweise…“, „Erste Erfahrungen im Bereich…“, „… sind von Vorteil“ oder „… runden Ihr Profil ab“. Ein gutes Beispiel für eine Kann-Qualifikation ist eine erste Berufserfahrung, bei angehenden Azubis beispielsweise durch ein Schülerpraktikum, bei Absolventen beispielsweise durch ein Praxissemester. Pflicht oder Kür: Ob eine bestimmte Eigenschaft oder Fähigkeit ein K.O.-Kriterium darstellt oder nicht, richtet sich nach der Stelle, weshalb du die Anzeige unbedingt genau lesen solltest! Mit einem mittelprächtigen Schulenglisch kannst du dich bei einer Formulierung wie „gute Englischkenntnisse sind von Vorteil“ guten Gewissens bewerben, bei der Anforderung „verhandlungssicheres Englisch ist für Sie selbstverständlich“ macht eine Bewerbung u. U. weniger Sinn.

Bewerbungstipps

Wenn du beim Lesen der Stellenanzeige bereits merkst, dass du nicht alle Anforderungen mitbringst, ist das kein Weltuntergang. Wenn du 60 bis 70 Prozent der Anforderungen erfüllst, lohnt es sich bereits, dich auf die ausgeschriebene Stelle zu bewerben. Um eine Übersicht über die Anforderungen zu erhalten, empfiehlt es sich, die Muss- und Kann-Anforderungen separat auf einem Blatt zu notieren. Anschließend kannst du dein Anschreiben gezielt auf das Unternehmen und die Stelle ausrichten und die gewünschten Anforderungen mit Beispielen aus deinem bisherigen Werdegang untermauern.

Mit einer individuellen Bewerbung, die sich konkret auf die Stellenanzeige bezieht, kannst du dich von Mitbewerbern abheben und deine Chancen auf ein Vorstellungsgespräch bei dem Arbeitgeber erhöhen.

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