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Fünf Gesprächsphasen: Ablauf und Dauer des Vorstellungsgesprächs

So ein Bewerbungsgespräch kann schon nervenaufreibend sein. Innerhalb kurzer Zeit musst du deine Qualifikationen, deine Persönlichkeit, deine Stärken und Schwächen und deine Motivation auf dem Silbertablett servieren. Und das alles unter hohem Stresspegel. Klingt nach Arbeit. Aber: Die meisten Vorstellungsgespräche verlaufen ähnlich. Wir sagen dir, wie.

Gesprächsphasen beim Vorstellungsgespräch: So lang dauert es

Vorbereitung ist alles – sie lindert deine Nervosität und führt dich durch den roten Faden des Vorstellungsgesprächs. Ein Jobinterview dauert in der Regel zwischen 30 und 60 Minuten, wobei eine halbe Stunde die absolute Untergrenze ist und eher zeigt, dass es nicht so gut läuft. Wenn es gut läuft, dauert es meistens etwas länger. Gerade bei höheren Positionen kann sich das Gespräch auch mal über ein bis zwei Stunden ziehen – hier geht es um mehr Geld und Verantwortung, deshalb muss der Personaler natürlich besonders genau hinsehen. Bei einem Standard-Bewerbungsgespräch kannst du mit einer Dauer von circa 45 Minuten rechnen. Und dann erwartet dich der folgende Ablauf ...

Gesprächsphasen beim Vorstellungsgespräch: Der Ablauf

1. Smalltalk (fünf Minuten)

Über Sympathie entscheiden oft schon die ersten Sekunden. Laut Murray Barrick, Professor für Management an der Texas University, entscheiden die Personaler bereits nach ein paar Minuten, ob der Bewerber den Job bekommt oder nicht – Qualifikationen und Skills werden hintenangestellt. Nicht umsonst heißt es: »Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.« Die erste Gesprächsphase ist also enorm wichtig für ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch. Folgende Punkte solltest du beachten, um einen optimalen ersten Eindruck zu hinterlassen:

  • Zu viel Eigenlob ist fehl am Platz: Einen Angeber will niemand als Kollegen haben.
  • Wer zu viel redet oder in seinen Aussagen übertreibt, sammelt Minuspunkte.
  • Selbstvertrauen ist wichtig – aber Natürlichkeit siegt über Arroganz.
  • Nervosität ist keine Schwäche, du musst sie also nicht verstecken, sondern darfst sie ruhig vor dem Personaler zugeben.
  • Passende und gepflegte Kleidung: So zeigst du, dass du zum Team passt und dich mit dem Dresscode des Unternehmens auseinandergesetzt hast.
  • Warte ab: Du bist eingeladen – also warte, bis dir die Hand gegeben wird, du zum Setzen aufgefordert wirst oder dir Getränke angeboten werden. Nicht zu forsch vorauspreschen!
  • Ein fester Händedruck und Blickkontakt vermitteln gesundes Selbstbewusstsein.
  • Körpersprache-Tabus: Auf dem Stuhl lümmeln, Arme verkreuzen, Blickkontakt meiden, Dauerzappeln.
  • Besser: Aufrecht und leicht vorgelehnt sitzen. Pass dich der Sitzhaltung deines Gegenübers an, ohne nachzuäffen.
  • Bei mehreren Gesprächspartnern: Schau nicht immer nur einen an, sondern beziehe alle durch deine Blicke in das Gespräch ein.
  • Immer schon lächeln!

2. Kennenlernen (15 Minuten)

Der erste Eindruck ist geschafft. Jetzt geht es tiefer ins Gespräch: Der Personaler will dich näher kennenlernen und mehr über dich, deine Qualfikation und Erfahrung herausfinden. Meistens beginnt diese Gesprächsphase mit Fragen wie:

  • Erzählen Sie etwas über sich
  • Warum möchten Sie bei uns arbeiten?
  • Warum sollten wir Sie einstellen?
  • Was können Sie uns bieten, was andere Bewerber nicht können?

Im Normalfall hat dein Gesprächspartner sich deine Unterlagen im Vorfeld angesehen. Du musst jetzt also nicht jede einzelne Station deines Lebenslaufs aufsagen, sondern direkt und punktuell deine relevanten Fähigkeiten für den ausgeschriebenen Job darstellen. Du zeigst damit, dass du für den Job bestens qualifiziert bist und die Stelle als Karriereschritt für dich logisch ist. Zweiteres vermittelt dem Persoaler, dass du deine Karriereziele vor Augen hast und dich weiterentwickeln willst - ein deutliches Plus! In dieser Gesprächsphase können dich Rück- und Testfragen wie Brainteaser erwarten. Immer heißt es: locker bleiben. Auf viele Standardfragen kannst du dich vorbereiten. Wenn du dir unsicher bist, wie du wirkst, dann spiel das Gespräch mit einem Freund durch und lass dir direktes Feedback geben.

3. Vorstellung des Unternehmens (zehn Minuten)

Ein Vorstellungsgespräch ist kein Verhör, bei dem nur du Rede und Antwort stehen musst. Natürlich möchte der Personaler so viel wie möglich über dich erfahren, um einschätzen zu können, ob du für die Stelle geeignet wärst. Genauso geht es aber darum, dass du ebenfalls einen Eindruck vom Unternehmen bekommst. Um das zu gewährleisten stellt der Personaler üblicherweise sich, das Unternehmen und insbesondere die ausgeschriebene Stelle vor. Achtung: Bleib aufmerksam. Bloß nicht abschalten! Personaler merken es, wenn du abdriftest. Du solltest Interesse und Präsenz zeigen und zuhören. Nur so kannst du auf das Gesagte reagieren und einen angenehmen Gesprächsfluss wahren. So kannst du auch zeigen, dass du dich über das Unternehmen informiert hast und Dinge wie Leitbild, Unternehmenskultur und Kundenstamm bereits kennst.

4. Rückfragen (zehn Minuten)

Nach der ausgiebigen Kennenlernphase stellt der Personaler meist eine entscheidende Frage: »Haben Sie noch Fragen?« Zu verneinen oder den Kopf zu schütteln wäre das Schlechteste, was du jetzt machen kannst. Nachfragen sind aus zwei Gründen wichtig: Du kannst noch mehr über das Unternehmen, deine Aufgaben und die Kollegen erfahren und du kannst beweisen, wie gut du dich vorbereitet hast, indem du tiefere Rückfragen stellst. Aber Vorsicht: Es gibt auch dumme oder unnötige Rückfragen, die du unbedingt vermeiden solltest. Dazu gehören Fragen, die eh nur auf eine Weise beantwortet werden können, wie beispielsweise: »Sind die Kollegen nett?« Hier wird der Personaler wohl kaum mit ›Nein‹ antworten. Solche Fragen wirken naiv und flach. Ebenso fehl am Platz sind Fragen über Gehaltserhöhungen, Urlaubsansprüchen und Zusatzleistungen sowie solche, die bereits im Gespräch beantwortet wurden und beweisen, dass du nicht richtig zugehört hast. Um das zu vermeiden, kannst du dir während des Gesprächs Notizen machen und am Ende gezielt Detailfragen zu bestimmten Punkten stellen. So bekundest du nochmals Interesse.

5. Abschluss (fünf Minuten)

Geschafft! Zumindest fast. Bevor du den Raum und damit das Vorstellungsgespräch verlässt, solltest du die Chance nutzen, um einige Fristen zu klären. Frag nach, wie lang die Auswahl dauern wird und wann du mit einer Rückmeldung rechnen kannst. Zwei Wochen solltest du mindestens abwarten, bis du nochmal telefonisch beim Unternehmen nachhakst. Manchmal kann es mit der Entscheidung auch etwas länger dauern – zum Beispiel, wenn mehrere Instanzen Mitspracherecht haben oder der Entscheider krankheitsbedingt ausfällt. Versuch also, keinesfalls zu nerven oder aufdringlich zu sein. Ein freundlicher Weg, sich in positive Erinnerung zu rufen, ist ein Dankschreiben. Das ist zwar etwas unüblich, aber lässt dich gerade deshalb mit Sicherheit aus den Bewerbern herausstechen. Betone, dass du das Gespräch positiv fandest und nach wie vor gerne in dem Unternehmen anfangen würdest. Du kannst auch ein bis zwei Erkenntnisse aus dem Gepräch aufgreifen. Insgesamt sollte es nicht länger als eine halbe Seite sein.

Du siehst: Ein Bewerbungsgespräch ist meistens gleich aufgebaut. Wenn du dich auf jede Gesprächsphase gut vorbereitest, steht einem erfolgreichen Kennenlernen nichts im Weg. Du brauchst noch mehr Tipps und um deine Bewerbung? Lies nach, was du bei Lebenslauf, Motivationsschreiben, Deckblatt und Co. beachten solltest.

 


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