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5 Spielregeln, um Konflikte zu lösen

Immer dann, wenn Menschen mit unterschiedlichen Erwartungen, Bedürfnissen oder Zielen aufeinander treffen, ist die Grundlage für Konflikte gelegt. Warum ist das so?

Die Chaosforschung liefert eine anschauliche Grundlage, um die dynamischen und komplexen Vorgänge eines Konfliktes besser verstehen zu können. Der US-amerikanische Meteorologe Edward Lorenz gilt als Wegbegleiter der Chaostheorie. Er entdeckte, dass das chaotische Wetter Ordnungsmuster aufweist, so genannte Attraktoren (Anziehungspunkte). Attraktoren beenden das Chaos, das heißt, sie wirken wie ein imaginäres Ziel, auf das ein chaotisches System langfristig zustreben kann und dadurch ein relativ geordnetes Verhalten annimmt. Ein chaotisches System sucht daher systemimmanent immer nach Kohärenz (Stimmigkeit).

Unsere VUCA gewordene Welt und die ihr innewohnende Dynamik und Unordnung bietet in diesem Zusammenhang ein modernes Sinnbild von Instabilität und fehlender. Unsere Multioptionen-Gesellschaft ermöglicht uns unglaublich viele Chancen. Wir können in sehr vielen Bereichen unseres Lebens einen fast schon radikalen Individualismus ausleben, virtuell jederzeit ungefragt unsere Meinung äußern und sind dabei trotz aller Anonymität doch sehr oft ungeschützt.
 

Das globale „Feld der Möglichkeiten“

Auf diesem globalen „Feld der Möglichkeiten“ gibt es unendlich viele Spieler – aber kaum allgemein definierte Spielregeln. Treffen nun die hochindividualisierten Spieler auf dem globalen Feld der Möglichkeiten aufeinander, fehlen nicht nur die Regeln, sondern sehr oft auch die Erfahrung – und vor allem die Zeit, gemeinsame Spielregeln zu entwickeln, um das Spielziel zu definieren.

Und nun entsteht, oft in sehr kurzer Zeit, ein chaotischer Zustand. Unterschiedliche Bedürfnisse, Ziele und Erwartungen prallen aufeinander und stehen sich im chaotischsten Fall unvereinbar gegenüber. Der Konflikt ist da. Und er ist immer hoch emotional, denn in dem Moment, wo die eigenen Bedürfnisse, Ziele und Erwartungen drohen, nicht erfüllt zu werden, kochen die Gefühle über. Auf beiden Seiten. Um eine solche Situation zu entspannen, ist es wichtig, gemeinsame Attraktoren zu finden und die Kohärenz wieder herzustellen. Dabei können diese 5 Spielregeln helfen:
 

5 Spielregeln

  1. Spielfeld -Analyse:
    Im Falle eines Konfliktes ist es sinnvoll, zunächst innezuhalten und zu analysieren, auf welchem Spielfeld Sie sich bewegen. Ist das Spielfeld beruflich oder privat? Ist das Spiel ein Heim- oder ein Auswärtsspiel?
  2. Spieler-Analyse:
    Als nächstes ist es wichtig hinzuschauen, wer der oder die Spieler sind, mit denen wir es zu tun haben. Welche Voraussetzungen und Erwartungen bringen die externen Spielfiguren mit – und mit welchen Voraussetzungen und Erwartungen haben wir selbst das Spielfeld betreten?
  3. Spielziel definieren
    Jeder Spieler kommt im Regelfall mit einer eigenen Agenda. Um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, sind individuelle, nicht aufeinander abgestimmte Ziele jedoch hinderlich. Daher ist es notwendig, ein gemeinsames Spielziel zu definieren. Stellt sich an dieser Stelle heraus, dass die Gemeinsamkeit nicht erreicht werden kann, kann das Spiel an der Stelle auch getrost abgebrochen werden.
  4. Spielregeln definieren
    Ist das Ziel definiert, geht es nun darum, den Weg dorthin gemeinsam zu beschreiten. Es geht hier um nichts Geringeres als die Spielregeln und die Beantwortung der Frage, wie und womit das Ziel erreicht werden kann. Da die Voraussetzungen und Erwartungen der einzelnen Spieler bekannt sind, können an dieser Stelle nun auch sämtliche Spieler-Ressourcen mit eingebunden werden, um das Commitment zu erhöhen. An dieser Stelle sollte nicht vergessen werden, auch gelbe und rote Karten einzubauen – klare Regeln, wenn Spielregeln gebrochen werden.
  5. Anpfiff
    Sind Spielfeld und Spieler analysiert und das Spielziel sowie die Spielregeln definiert, beginnt das Spiel – mit allem Ernst, der jedem Spiel innewohnt, dessen Ziel man erreichen möchte. Gleichzeitig aber auch mit allem Spieltrieb und der ihm innewohnenden Flexibilität. Denn immer dann, wenn Menschen aufeinander treffen und es nicht um Pokale oder Medaillen geht, sondern um berufliche Ziele und private Existenzen, verändern sich die Spielfelder, die Spieler – und die Regeln. Daher kann es sein, dass kurz nach dem Anpfiff oder in der Mitte des Spieles, die ersten vier Punkte noch einmal durchlaufen werden müssen, um eine erneute Kohärenz auf dem Spielfeld herzustellen. 

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