Foto: Kimberly Farmer/Unsplash

Die Unfreiheit in der Schule oder ›I was here‹

An dem Ort, den man erst verlassen darf, wenn eine Autorität sagt, dass jetzt Schluss ist (aka Schule), kann keine Freiheit herrschen. Oder?

Schwarz auf weiß. Ein Graffiti, das die Schulwand ziert. ›I was here‹, ein Ausruf äußerster Tragik für jeden, der nun auch hier ist. Hier an dem Ort, den man erst verlassen darf, nachdem eine Autorität sagt, dass jetzt Schluss ist.

Hier in der Zeit, die vom Auswendiglernen geprägt ist und der Hoffnung auf bessere Zeiten. Hier in dem Kosmos, der mir naiven Menschen die Sehnsucht auf den Weg gibt, irgendwann andere belehren zu dürfen. ›Nieder mit dem System!‹, brüllt der Punk in mir spätestens seit der fünften Klasse.

Jeden Tag langweiliger Schulunterricht. Lehrer, die unverschämt bösartig sind. Mitschüler, die es selbst nach Jahren irgendwie schaffen, die wenigen Dinge zu vergessen, die sie tatsächlich für das Leben fit gemacht hätten. Ich, der sich zwar für alles irgendwie interessieren kann, aber sein Interesse gleich wieder vergisst, sobald er das miefige Schulgebäude betritt.

Ach, dieses lächerliche Mantra, das uns immer wieder gepredigt wird: Ohne Logarithmus sind wir aufgeschmissen, ohne die Analyse eines Kafkas werden wir nie irgendeinen Text verstehen. Auch diesen hier wahrscheinlich nicht. Pi mal Daumen macht uns der Prozess der Alphabetisierung aber bereits fit für alles, meine ich. Nach der Freiheit alles denken zu können, folgt sogleich die Freiheit der uneingeschränkten Kommunikation. Worte haben eben Macht. Dafür braucht es keinen Logarithmus, sondern nur schwarz auf weiß.


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