Mann auf Straße liegend, aufgemalten Rollstuhl schiebend

Ehrenamt im Studium: Tu etwas Gutes!

Gern wird behauptet, dass sich Studenten nicht mehr ehrenamtlich engagieren. Doch das ist einfach nur: Blödsinn

»Mein Grundtenor wäre Dankbarkeit! Dankbarkeit an alle, die wir von der Weitblick-Idee überzeugen konnten und die mit einem unermüdlichen ehrenamtlichen Engagement unsere Projekte im In- und Ausland vorantreiben. Ich hätte mir nie ausgemalt, dass 2.000 Studierende in 15 Städten die ›Plattform guter Ideen‹ Weitblick mit Leben und eigenen Inhalten füllen.«

Mit diesen Worten beantwortet Andreas Pletziger die Frage, welchen Grundtenor seine Festrede anlässlich des siebten Geburtstages der studentischen Initiative Weitblick im kommenden Jahr hätte. Seit Jahren begleitet audimax den Weg von Andreas Pletziger, dem Weitblick-Gründer, und der Initiative, die als lokales Projekt in Münster begann und mittlerweile im gesamten Bundesgebiet Ortsvereine und Mitglieder hat. Immer mit dem Ziel vor Augen, einen weltweit gerechteren Zugang zu Bildung zu ermöglichen.

Pletziger selbst ist inzwischen aus dem Bundesvorstand des Vereins ausgeschieden – den Weitblickern aber auch nach seinem Studium treu geblieben. Heute arbeitet er daran, einen Alumni-Verein zu etablieren. Sein Nachfolger ist Heiko Bohlen, der über viele neue Projekte zu berichten weiß.

»Wir fördern in Benin und Kenia neben der infrastrukturellen Unterstützung beim Bau von Grundschulen die Berufsausbildung in einer Metall- und Kfz-Werkstatt. Außerdem haben wir seit letztem Jahr die Unterstützung der Universität Abomey-Calavi in Benin in Angriff genommen. Dort helfen wir einem Institut der Universität bei der Errichtung eines neuen Campus, da die alten Gebäude baufällig sind«, so der neue Vorsitzende.

Ehrenamt bei Weitblick: in Deutschland und international

Gleichzeitig werden gegenseitige studentische Austauschprogramme zwischen Deutschland und Benin etabliert, die den kulturellen Austausch fördern sollen. In Kambodscha vermitteln die Weitblicker Assistant-Teacher an eine Grundschule. Und auch in Deutschland bleibt die Initiative engagiert.

»Vor Ort in Münster konnten wir das ›weitblicken kinderleicht Projekt‹ etablieren. Dort unterstützen wir Grundschulkinder und veranstalten mit ihnen beispielsweise Besuche im Zoo oder im Planetarium«, berichtet Bohlen.

Weitblick e.V. ist mittlerweile ein gut vernetzter studentischer Verein, er kann auf Unterstützung aus Wissenschaft, Wirtschaft und sogar Sport zählen: Fußball-Weltmeister Christoph Kramer hat den Weitblickern im August 2014 sein signiertes DFB-Trikot für eine Versteigerung überreicht. So schaut Gründer Andreas Pletziger zu recht mit Stolz und Freude auf die ersten sieben Jahre Weitblick e.V. zurück:

»Wir konnten wahnsinnig viele Projekte in den Unistädten aber auch in Afrika, Asien und Lateinamerika umsetzen. Um nur mal eine Zahl zu nennen: Über 2.000 Kinder gehen mittlerweile in Schulen, die es nur durch die Unterstützung von Weitblick gibt. Umgekehrt durfte ich aber auch so vieles aus unseren Projektländern und von unseren Projektpartnern lernen, was mich persönlich enorm weiterentwickelt hat. Weitblick gibt einem auch sehr viel zurück.«

 Vereine wie Weitblick sind es denn auch, die eindrucksvoll das Klischee des karrierefokussierten Studenten widerlegen, der mit Scheuklappen nicht darauf achtet, was rechts und links seines Weges passiert. Um Gutes zu tun, müssen sich Studenten aber nicht zwangsläufig in großen studentischen Vereinen organisieren oder diese gar gründen, wie Pletziger es 2008 mit Weitblick tat. Für viele NGOs, soziale Einrichtungen und Institutionen sind ehrenamtliche Mitarbeiter eine wichtige Säule.

Durch das Ehrenamt zum Studium

Ein gutes Beispiel dafür ist René Scheuermann. Der 33-Jährige studiert Soziale Arbeit an der TH Nürnberg. Im Gegensatz zu den meisten anderen Studenten ist er nicht über sein Studium zu einem ehrenamtlichen Engagement gekommen, sondern ist den Weg genau andersrum gegangen.

»Mein Ehrenamt bei der Frankfurter Aidshilfe hat mir eine für mich völlig neue berufliche Perspektive eröffnet, die ich durch mein neues Studium ebnen möchte«, sagt Scheuermann heute rückblickend.

Seit 2010 war Scheuermann in der Frankfurter Aidshilfe tätig, machte viel Streetwork, Onlineberatungen und war auf Großveranstaltungen wie Christopher Street Days zugegen – immer mit dem Ziel, über HIV und Geschlechtskrankheiten aufzuklären, Kondome zu verteilen, klassische Präventionsarbeit eben.


»Mich faszinieren Lebensgeschichten. Außerdem macht mir die ehrenamtliche Tätigkeit einfach unwahrscheinlich viel Spaß.«
René Scheuermann, Student der Sozialen Arbeit und in der HIV Prävention tätig
 


Nach zwei Grundseminaren, in denen Scheuermann zusammen mit anderen angehenden Ehrenämtlern unter anderem medizinische Grundkenntnisse erlangte, stieg er in die Präventionsarbeit ein – und ist ihr auch nach seinem Umzug ins Frankenland treu geblieben, wo er nun für die Nürnberger Aidshilfe arbeitet.

»Unter der Woche berate ich online, an Wochenenden bin ich oft bei Großveranstaltungen wie Christopher Street Days vor Ort, um Aufklärungsarbeit zu leisten«, erklärt der Student.

In den Sommermonaten habe er mehr zu tun als im Winter, die Ehrenämtler teilen sich zudem so auf, dass jeder seinen beruflichen beziehungsweise studentischen Verpflichtungen nachkommen kann .

Ehrenamt: Alle profitieren!

Neben seinem Engagement bei der Nürnberger Aidshilfe ist Scheuermann seit 2012 auch beim Dachverband deutsche Aidshilfe tätig. Für die Aufklärungs- und Präventionskampagne ›ICH WEISS WAS ICH TU‹ ist er Botschafter und möchte neue ehrenamtliche Mitarbeiter gewinnen.

»Das Ehrenamt ist sehr, sehr wichtig für Organisationen wie die Aidshilfe, weil die regionalen Aidshilfen in der Regel sehr wenig oder gar nicht mit öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Häufig sind viele Mitarbeiter im Ehrenamt tätig, die so den gesamten Verein mit am Leben halten‚«, so Scheuermann.

Egal ob Aidshilfe, Weitblick oder andere Vereine und Organisationen – letztlich sind es Menschen wie du und ich, die auf Ehrenämtler angewiesen sind. Umso wichtiger ist es, dass sich auch noch mehr Studenten trotz Bolognastress engagieren.

»Mit Weitblick Göttingen konnten wir gerade eine neue Stadt in der Weitblick-Familie willkommen heißen. und natürlich freuen wir uns stets darüber, wenn engagierten Studenten in anderen Städten die Weitblick-Idee unterstützenswert finden und eigene Stadtvereine gründen. Aber auch außerhalb von Weitblick-Städten kann man unseren Verein unterstützen. Nehmt gerne Kontakt über unsere Homepage www.weitblicker.org zu uns auf«, hofft Heiko Bohlen auf weitere neue Mitglieder.

Wer sich für das Engagement der deutschen Aidshilfe und die Kampagne ›ICH WEISS WAS ICH TU‹ interessiert, kann sich unter www.aidshilfe.de und www.iwwit.de informieren – und Gutes tun.


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