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Kolumne: Viktoria plädiert für schlechte Verlierer

Hitzige Diskussionen machen ein Spiel erst richtig interessant. Über das Verhalten besonderer Spiel-Typen und wie sie gemütliche Spieleabende bereichern

»Wenn du mir die Schlossallee nicht verkaufst, spiele ich nicht mehr mit!« Was wäre ein richtiger Spieleabend ohne hitzige Diskussionen. Meistens geht es dabei um die Spielregeln. Eigentlich amüsant, worüber sich manche Leute aufregen können. Das macht den Abend gleich viel spannender. Immerhin ist nie gewiss, wie die Diskussion wirklich ausgehen wird: Einigen sich die Streithähne? Spitzt sich die Lage zu? Fliegen die Spielfiguren? Alles ist möglich. Deshalb ist es immer gut, auch ein paar schlechte Verlierer zum Spielen einzuladen. Denn: Sie machen den Abend garantiert zu einem unvergesslichen Ereignis. Es sollen sich sogar schon Paare während einer Partie Monopoly getrennt haben – hat scheinbar weniger gut harmoniert. So dramatisch sollte es dann doch nicht immer zugehen. Aber eine Diskussion hier und ein kleiner Streit da sind für die Beobachter besser als eine RTL-Soap.

Denn das Spiel kitzelt die verschiedenen Verlierertypen aus den Mitspielern heraus: Zum Beispiel gibt es den störrischen Rechthaber, der immer gleich in der Spielanleitung nachblättert, ob ein Spielzug auch korrekt ist, wenn er ihm nicht in den Kram passt. Dann gibt es noch den Hitzkopf. Sobald er in die Bredouille gerät, lässt er alle Mitspieler an seinem Ärger teilhaben: »Nein! Sowas Bescheuertes! Du verf***** Sch****!«. Und nicht zu vergessen: die Spielabbrecher. Wenn sie merken, dass sie verlieren, haben sie einfach keine Lust mehr, weiterzuspielen. Dann heißt es, das Spiel sei blöd, langweilig oder idiotisch. Egal, welcher Typ mit am Tisch sitzt, unterhaltsam wird es auf jeden Fall. Immerhin haben sie alle eines gemeinsam: Wenn sie spielen, dann spielen sie mit Leib und Seele. Ihre Mitspieler können sich dann auch schon einmal darauf einstellen, dass ein Spiel länger dauert oder vorzeitig abgebrochen wird. Ihre ehrlichen Wutausbrüche machen die Gewinnertypen aber auch sympathisch. Sie sind nunmal – zumindest, was das Spielen angeht – etwas anders gepolt als die meisten anderen Menschen.


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