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Quälgeister der Schulzeit: die Gedichtanalyse

Von der fünften bis zur letzten Klasse, von Barock über Romantik bis hin zur Moderne – Gedichtanalysen kamen immer wieder. Und, mal ehrlich, gibt es einen Schüler, der sie mochte?

1.000 Dinge, die uns in Schule und Studium gequält haben. Heute: Gedichtanalysen.

›Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist der Vater mit seinem Kind‹ Wer kennt sie nicht, die Anfangsverse von Goethes Ballade Erlkönig? Oder wie wäre es mit ›Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte‹ – auch mit Eduard Mörikes Gedicht hat wohl jeder in der Schulzeit Bekanntschaft gemacht.

Von der fünften bis zur letzten Klasse, von Barock über Romantik bis hin zur Moderne – Gedichtanalysen kamen immer wieder. Viele der großen Werke waren zwar recht schön anzuhören – sofern nicht von einem Mitschüler anteilnahmslos heruntergeleiert –, aber mit bloßem Gefallen war es ja nicht getan.

Schließlich kann man doch ein Gedicht in alle Einzelteile zerlegen und diese dann detailverliebt interpretieren. Das Reimschema und ein paar Stilmittel zu bestimmen war ja nicht das Problem, weniger nachvollziehbar wurde es jedoch dann, wenn es um die Inhaltsanalyse ging.

Das Gedicht wurde Wort für Wort durchgegangen:

  • Was möchte uns der Autor mit der Wahl dieses Wortes sagen?
  • Steckt eine politische Botschaft dahinter oder ein traumatisches Kindheitserlebnis des Dichters?

Kann schon sein, vielleicht hat er aber das Wort einfach nur gewählt, weil es sich reimt und sich nichts weiter dabei gedacht. Die Lehrer waren jedoch erst zufrieden, wenn jeder Buchstabe hinterfragt und vom Gedicht nur noch Kreuzreim, Alliteration und wilde Spekulationen übrig waren.


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