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Existenzgründung: 5 Erfolgsfaktoren für Freelancer

Viele Deutsche träumen davon, eines Tages ihr eigener Chef zu sein. Nicht alle brauchen dabei das große Geld, sondern wären schon zufrieden, wenn sie sich als Freelancer ohne finanzielle Sorgen durchschlagen könnten. Aber wie?

Freiberufler, Gewerbetreibender, Einzelunternehmer oder Solo-Selbstständiger?

Wer sich noch nie mit der Thematik Existenzgründung auseinandergesetzt hat, dürfte erst einmal verwirrt sein, wenn er sich als Freelancer selbstständig machen möchte. Freelancer an sich ist nämlich kein geschützter Begriff und bezeichnet auch keine steuerliche Einstufung. Stattdessen handelt es sich bei einem Freelancer, auf Deutsch auch als freier Mitarbeiter bezeichnet, um eine selbstständige Person, welche im Dienstleistungsbereich tätig ist und alleine, sprich ohne eigene Mitarbeiter, wirtschaftet. Die Aufträge des Unternehmens werden also persönlich ausgeführt. 


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Um eine Scheinselbstständigkeit zu vermeiden, ist es jedoch notwendig, auf Dauer mehrere Auftraggeber zu haben. Dies unterscheidet den freien von einem festen Mitarbeiter. Hinzu kommen weitere Abgrenzungskriterien: So ist der Freelancer beispielsweise nicht weisungsgebunden, kann Zeit sowie Ort seiner Tätigkeit frei bestimmen und Projekte jederzeit ablehnen. Privilegien, welche das Arbeitsmodell Freelancer aus Sicht vieler Arbeitnehmer so attraktiv macht.

Welche Rechtsform die Existenzgründung eines Freelancers umfasst, kann dabei je nach Einzelfall unterschiedlich sein. In der Regel handelt es sich um einen Einzelunternehmer, welcher abhängig von seinem Tätigkeitsfeld entweder als Freiberufler oder als Gewerbetreibender tätig ist. Als Freelancer kann ein Selbstständiger jedoch auch dann gelten, wenn er eine andere juristische Rechtsform gewählt hat. Eine UG ist hierfür ein häufiges Beispiel oder eine GmbH, um die persönliche Haftung einzuschränken. Der Begriff der Solo-Selbstständigkeit ist hingegen keine offizielle Bezeichnung, sondern eine umgangssprachliche Wortkreation, welche all jene Selbstständige ohne Mitarbeiter beschreibt – Freelancer also. Abgesehen von der Verwirrung um die Vielzahl an Bezeichnungen, ist das Arbeitsmodell Freelancer also im Zuge der Digitalisierung und des Fachkräftemangels für immer mehr Menschen von Interesse.

Selbstständigkeit: Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Freiheit hinsichtlich Arbeitszeit sowie -ort, freie Auswahl der Wunschprojekte, keine Weisungsbindung an einen Chef, hohe Stundensätze bis in den dreistelligen Bereich – das Konzept des Freelancertums klingt auf den ersten Blick unglaublich attraktiv. Wer es so weit geschafft hat, finanzielle Sicherheit herzustellen, sich einen Namen zu erarbeiten, sodass aus einer Menge Aufträge frei ausgewählt werden kann, und sechsstellige Umsätze im Jahr einzufahren, wird sich gewiss auch nicht über sein Leben als Freelancer beklagen. 


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Dennoch hat auch diese Medaille eine Kehrseite. Jeder erfolgreichen Selbstständigkeit geht die Phase der Existenzgründung und damit der Unsicherheit voraus. Selbst erfolgreiche Freelancer tragen noch ein großes unternehmerisches Risiko. Kein bezahlter Urlaub, kein Krankfeiern und keine Absicherung im Falle der Arbeitslosigkeit sind nur einige Beispiele für die Nachteile der Arbeit als Freelancer. Wer sich für das Modell interessiert, sollte sich deshalb vorab erst einmal gründlich über das Pro und Contra informieren. Für den erfolgreichen Schritt in die Selbstständigkeit muss einerseits der passende Lebensrahmen gegeben sein und andererseits bedarf es bestimmter Persönlichkeitszüge wie Verhandlungsgeschick oder Selbstbewusstsein.

Die fünf wichtigsten Erfolgsfaktoren für Freelancer

Wer sich also dafür entscheidet, sein wirtschaftliches Risiko selbst in die Hand zu nehmen und den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen, muss unbedingt folgende fünf Erfolgsfaktoren berücksichtigen, um sich schnell sowie dauerhaft als Freelancer auf dem Markt zu etablieren:

  1. Alleinstellungsmerkmal herausfinden
    Ein Mensch, der sich selbstständig macht, muss auch mit dem Konkurrenzdruck umgehen können. Es gibt viele Freelancer auf dem Markt und alle bewerben sich auf dieselben Ausschreibungen sowie bei den gleichen Unternehmen. Es braucht also ein Alleinstellungsmerkmal, um sich von den anderen freien Mitarbeitern abzugrenzen und die Auftraggeber von sich zu überzeugen. Je früher der frischgebackene Freelancer dieses Alleinstellungsmerkmal findet und richtig zu verkaufen weiß, umso schneller kann er Aufträge ergattern, sich einen Namen in der Branche machen und seine Existenzgründung auf sichere Füße stellen.
  2. Marketing ist unumgänglich
    Apropos verkaufen: Ein Talent für die Selbstvermarktung ist Pflicht für jeden Freelancer. Ansonsten wird es schwierig, sich einen Kundenstamm aufzubauen. Je professioneller das Marketing, umso mehr Kunden zu besseren Honoraren kann ein Freelancer anwerben. Zu Beginn reicht vielleicht noch eine informative sowie professionelle Präsenz in Karrierenetzwerken, Social Media oder themenspezifischen Foren aus. Auf Dauer sollte jeder Freelancer aber eine eigene Webseite inklusive Suchmaschinenoptimierung haben, persönlich auf Messen, Kongressen & Co netzwerken sowie eine hohe Weiterempfehlungsrate verzeichnen. Freelancer müssen sich also sichtbar machen und durch Qualität überzeugen – das spricht sich herum.
  3. Netzwerk bilden und pflegen
    Die Bereitschaft zum Netzwerken ist demnach das A und O für wirtschaftlichen Erfolg in der Selbstständigkeit. Vor allem Freelancer erhalten Aufträge überdurchschnittlich oft über persönliche Empfehlungen. Es geht also einerseits darum, möglichst viele relevante Kontakte zu knüpfen – Personen aus der Zielgruppe, welche eventuell an einer Beauftragung des freien Mitarbeiters interessiert sind. Andererseits muss sich der Freelancer hier ein positives Image aufbauen, denn auch negative Erfahrungen mit Selbstständigen machen leider oft schnell die Runde und können somit zum unternehmerischen Risiko werden. Es kommt also nicht nur auf die Quantität des Netzwerks an, sondern auch auf die Qualität der geschäftlichen Beziehungen.
  4. Honorar richtig kalkulieren
    Kunden zu gewinnen bringt aber reichlich wenig, wenn der Freelancer seine Honorare falsch kalkuliert. So kann er am Ende des Monats doch seine Miete, Versicherungen & Co nicht bezahlen und steuert geradezu in den wirtschaftlichen Ruin sowie das Ende seiner Selbstständigkeit. Natürlich kann ein Gründer noch nicht so viel verlangen wie ein etablierter Freelancer mit mehreren Jahren Erfahrung. Dennoch muss das Honorar von Beginn an zumindest die laufenden Kosten decken und es dem Freelancer ermöglichen, sich einen finanziellen Puffer anzusparen.
  5. Finanziellen Puffer ansparen
    Weshalb? Ganz einfach: In einer Selbstständigkeit kann es Auftragsschwankungen geben. Krankheitszeiten sind ebenso unbezahlt wie der Jahresurlaub. Hinzu kommen eventuell unerwartete Ausgaben wie eine Steuernachzahlung. So oder so ist es nicht nur beruhigend, sondern essentiell für jeden Freelancer, ein finanzielles Polster zu haben. Wer kann, bildet dieses bereits vor der Existenzgründung. Ansonsten sollte der Fokus in den ersten Jahren der Selbstständigkeit vor allem auf dem Sparen liegen. Als Faustregel gilt: Ein Freelancer muss sechs Monate ohne Einnahmen überbrücken können, ohne in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Wer das geschafft hat, kann entspannt seine Existenz als – hoffentlich erfolgreicher – Freelancer genießen und von sämtlichen Vorteilen des Arbeitsmodells „eigener Chef sein“ profitieren.

Ein Gastbeitrag von Anja Klein.