Foto: Sam McGhee/Unsplash

Julian Hessler von Addrezzed im audimax-Interview

Julian Hessler ist Gründer des Start-up-Unternehmens 'Addrezzed', das eine App zum einfachen Austausch von Kontaktdaten anbietet. Im audimax-Interview spricht er über Konzeption, Finanzierung und die größten Hürden bei der Start-up-Gründung.

Erzähle uns kurz ein wenig über dich und deinen bisherigen Werdegang. 

David und ich haben gemeinsam bei Siemens ein duales Studium absolviert. Im Anschluss daran haben wir dort angefangen fest zu arbeiten. Doch im Großkonzern ist jeder immer nur ein kleines Rädchen im großen Ganzen. Daher haben wir nach 2 Jahren eine neue Herausforderung gesucht. Anfang 2014 hatten wir die Idee zur Entwicklung eines Smartphone Adressbuchs. Dieses sollte den Menschen helfen, ihre Kontakte auf neue und innovative Art zu verwalten und aktuell zu halten. Über Freunde haben wir den Kontakt zu der Designerin Caroline hergestellt, die von der Idee begeistert war. Über Caroline wiederum kam der Kontakt zu Felix zustande, einem Kommilitonen von Caroline aus einem Studienprojekt. Nachdem Felix an Bord war, hatten wir das perfekte Gründungsteam und konnten mit Addrezzed starten. Im Team hat jeder seine Spezialisten-Rolle: Ich persönlich habe bereits zwei Mal gegründet. Eines dieser beiden Unternehmen ist ein Trainingsanbieter für Persönlichkeitsentwicklung. Da ich in diesem Rahmen auch viele Trainings im Verkaufs- und Kommunikationsbereich gebe, bin ich bei Addrezzed für den Vertrieb und das Marketing zuständig. Bei Siemens (bzw. später Atos) habe ich zwei Jahre im Personalwesen gearbeitet. Daher bin ich bei Addrezzed auch für die Personalthemen verantwortlich. David hatte bereits im Studium einen starken Fokus auf Finanzmanagement gelegt. Nach dem Studium hat er zwei Jahre bei Siemens in der Finanzsparte gearbeitet und dort wertvolle Erfahrungen im Finanzmanagement gesammelt. Daher ist er bei Addrezzed für alle Themen rund um Finanzen zuständig. Darüber hinaus verantwortet er die gesamten rechtlichen Themen, da Finanz- und Rechtsthemen häufig miteinander zusammenhängen. Caro ist bei Addrezzed für das gesamte Design des Produktes zuständig. Sie hat schon während des Studiums bei anderen Start-ups mitgearbeitet und dort erste Erfahrungen gesammelt. Mit ihrem abgeschlossenen Master in Industrial Design bringt sie die nötige Expertise im Design- und User-Experience-Prozess ein. Denn das Produkt soll ja nicht nur coole Features haben, sondern auch eine gute Menüführung und Usability. Last but not least ist Felix Teil des Gründerteams. Auch er hat bereits einmal während des Studiums gegründet. Seinen Master in Medieninformatik hat er dieses Jahr abgeschlossen. Bei Addrezzed ist Felix für die gesamte technische Umsetzung des Produktes verantwortlich. Neben der Projektleitung und Aussteuerung der Entwickler gehört hierzu natürlich auch die Entscheidung über technische Fragestellungen oder die Einführung neuer IT-Tools.

Beschreibe kurz, was Addrezzed genau ist und was Addrezzed ausmacht.

Ende 2014 wurde Addrezzed lite im Google Play Store und in iTunes veröffentlicht. Die App ermöglicht es dir deine Kontaktdetails auf persönlichen digitalen Kontaktkarten (Visitenkarten) zu speichern. Anschließend kannst du diese mit anderen Personen durch ein Wischen auf dem Smartphone Display austauschen. Es ist heutzutage umständlich, Kontaktdetails auszutauschen. Vorname eintippen, Nachname eintippen, Handynummer eintippen. Mailadresse und sonstige Informationen tausche ich in der Regel überhaupt nicht aus, da es zu aufwendig ist, diese im Smartphone Adressbuch einzutippen. Gerade in hektischen Situationen, wie zum Beispiel in der S-Bahn, auf Messen oder zwischen zwei Terminen bringt mir Addrezzed lite Mehrwert. Zudem werden die empfangenen Kontaktkarten von dir in der sogenannten „Base“ in der App gespeichert. In dieser kannst du deine Kontakte nach Kennenlerndatum und Kennenlernort filtern. Darüber hinaus kannst du deine Kontakte nach allen Kontaktdetails durchsuchen: Gibst du „1234“ in der Suche ein, erscheinen alle Kontakte, bei denen entweder die Handynummer oder die Postleitzahl oder ein sonstiges Kontaktdetail diese Zahlenkombination enthält. Insbesondere Studierende, die ja viele neue Kontakte knüpfen, haben somit einen großen Nutzen von der App. Die Base hilft dir dabei, den Durchblick bei deinen Kontakten zu behalten und schnell genau den Kontakt zu finden, den du suchst.

Wie kamst du auf die Idee, ein Start-up zu gründen? Wie ist das Konzept entstanden?

Die Idee kam uns Ende 2013. Wir haben sehr oft SMS, Facebook Nachrichten oder WhatsApp Nachrichten mit dem Inhalt „Meine Handynummer/Mailadresse/… hat sich geändert. Wenn du mich weiter kontaktieren möchtest, speichere bitte die neue…“ bekommen. Daraufhin haben wir uns die Frage gestellt: Geht das nicht auch einfacher? Die Antwort ist ja: mit einem System, in dem jeder Nutzer nur sein eigenes Profil pflegt und Aktualisierungen in dem Profil bei allen verbundenen Kontakten automatisch synchronisiert werden. Darüber hält jeder Addrezzed Nutzer seine Kontaktdetails bei seinen Kontakten immer aktuell. Anschließend ist uns die Idee gekommen, dass wir dadurch auch den Kontaktdetailaustausch erheblich beschleunigen können. Wenn ein Nutzer sowieso ein Kontaktprofil bei Addrezzed anlegt, kann er dieses auch gleich mit neuen Kontakten teilen. Addrezzed lite ist jetzt die erste Antwort darauf: hier kann der Nutzer seine Kontaktdetails auf Karten speichern und anderen Nutzern auf Wunsch zur Verfügung stellen. Im Anschluss kann er Kontakte, die er gerade sucht, schnell in seiner Base finden. Bis Mitte 2015 entwickelt Addrezzed die gesamte oben beschrieben Lösung. Das heißt, der Nutzer kann sehr schnell Kontaktdetails austauschen und muss diese im Anschluss noch nicht einmal pflegen, weil die Kontaktdetails der Kontakte im Smartphone Adressbuch automatisch aktuell gehalten werden.

Wie hast du dein Start-up zu Beginn finanziert?

Wir haben unser Geld aus drei Finanzierungsquellen. Einmal aus unserer eigenen Tasche. Das bedeutet, wir haben unser privates Geld in das Start-up investiert, um die ersten Schritte zu finanzieren. Das nennt man in der Start-up Sprache bootstrapen. Daneben wurden wir in einem sogenannten Inkubator, also einem Förderprogramm für Start-ups im Strascheg Center for Entrepreneurship (SCE) in München angenommen. Das Förderprogramm hat uns sehr weitergeholfen. Neben dem wertvollen Mentoring und Tipps haben wir den Zugang zu dem hilfreichen Netzwerk der Gründungsberater am SCE bekommen. Zu guter Letzt haben wir eine staatliche Förderung in Anspruch genommen und uns für die Innovationsgutscheine Baden-Württemberg beworben. Dort haben wir auf Anhieb die Förderzusage erhalten. Dort erhalten wir bis zu einem Maximum von 10.000 € die Hälfte der Kosten für externe Dienstleister zurückerstattet. Der Bewerbungsprozess für die Innovationsgutscheine Baden-Württemberg läuft sehr schnell und unbürokratisch, somit ist das empfehlenswert für jeden Gründer.

"Eine Start-up-Gründung in Deutschland ist immer noch sehr teuer"

Was waren die größten Herausforderungen bei der Gründung des Start-ups?

Es gab während unserer Gründung des Start-ups bisher 3 größere Herausforderungen. Die größte Herausforderung zu Beginn des Start-ups war es, das richtige Team zusammenzustellen. Neben den fachlichen Skills der Teammitglieder sind folgende Eigenschaften bei jedem Teammitglied besonders wichtig: selbständiges Arbeiten, Verantwortungsbewusstsein und Leidenschaft für die Idee. Wir haben den Teamfindungsprozess Ende Januar 2014 erfolgreich abgeschlossen und arbeiten bis heute im selben Team zusammen. Die nächste große Herausforderung war die Gründung des Unternehmens aus rechtlicher Sicht. In der Politik in Deutschland wird häufig vom Thema Gründung und der Reduzierung der Bürokratie gesprochen. Trotzdem bestehen im Prozess der Gründung immer noch sehr große Hürden. Neben dem langwierigen und komplexen Prozess (bei uns 6 Wochen) ist eine Gründung in Deutschland immer noch sehr teuer im Vergleich zu anderen Ländern (z.B. England). Die letzte große Herausforderung, die ich hervorheben möchte, war das Marketing. Ein Teil der Funktionalitäten unserer App wird umso nützlicher, je mehr Personen die App nutzen (Netzwerkeffekt). Somit hatten wir von Beginn an den Fokus auf schnelle Nutzergenerierung gelegt. Nach Launch der App im November 2014 wollten wir jedoch zu viele Marketingkanäle auf einen Schlag bedienen. Dadurch haben wir auf jedem Kanal nur wenig gemacht. Rückblickend hätten wir besser 1-2 Kanäle ausgesucht und dort volle Power gegeben. Dadurch hätten wir zwar über einige Kanäle keine potenziellen Nutzer erreicht, aber über 1-2 Kanäle viele Nutzer generiert und somit genau dort die kritische Nutzermasse erreicht.

Wie versucht ihr eure App an den Nutzer zu bringen? Welche Strategien verfolgt ihr?

Wir haben als Hauptzielgruppe unserer App Studierende und junge Arbeitnehmer (Young Professionals) identifiziert. Daher möchten wir die Verbreitung der App über zwei Promotionkanäle ankurbeln: Zum einen peilen wir Kooperationen mit Veranstaltern von Events für diese Zielgruppe an. Dies können Hochschulkontaktmessen, Konferenzen, Kongresse oder sonstige Veranstaltungen sein. Dort stellen wir die App den Besuchern/Teilnehmern kostenlos zur Verfügung. Bisher haben wir bereits mit 13 Veranstaltungen kooperiert. Das Feedback der Teilnehmer dieser Veranstaltungen war sehr positiv. Der allgemeine Tenor war, dass die App den Kontaktaustausch auf der jeweiligen Veranstaltung unglaublich gefördert hat und die Veranstaltung selbst dadurch einen innovativen Touch bekommen hat. Da sich der Nutzen der App inzwischen herumspricht, schreiben uns Eventveranstalter häufig an und möchten die App auf Ihrer Veranstaltung einsetzen. Aktuell sind wir noch stark auf Expansionskurs. Daher bieten wir den Veranstaltern die App im Rahmen einer Kooperation für eine Veranstaltung kostenlos an. Die Veranstalter können dadurch den Mehrwert für die Messebesucher deutlich erhöhen. Darüber hinaus versuchen wir über Presseartikel die Bekanntheit der App der zu steigern. Der Fokus liegt dabei auf Blogs, Sozialen Netzwerken und Magazinen/Zeitschriften, die von unserer Zielgruppe gelesen werden.

Aus welchen Gründen wird dein Start-up sich deiner Meinung nach durchsetzen?

Von vielen Bekannten höre ich immer wieder, das Wichtigste bei einem Start-up sei die Geschäftsidee. Ich habe dazu eine andere Meinung: Der Erfolg eines Start-ups steht und fällt mit dem Team. Da wir ein perfektes Team bei Addrezzed habe, werden wir Erfolg mit Addrezzed haben. Daneben haben wir natürlich auch ein klasse Produkt, das viel Mehrwert für den Nutzer bietet und ihm genau eine Sache im täglichen Ablauf maximal erleichtert: das Networking. Aus diesen beiden Gründen wird Addrezzed erfolgreich sein!

Welche Tipps hast du für andere Start-up-Gründer?

Ich habe für mich persönlich einen Leitsatz für alles, was ich tue: Ein Weg entsteht, wenn du ihn gehst. Viele trauen sich nicht, zu gründen oder ein Projekt zu starten, da sie einige Details und potenzielle Stolpersteine nicht abschätzen können. Die Lösungen dazu ergeben sich meistens auf dem Weg. Meiner Erfahrung nach ist am Anfang immer eine Sache besonders wichtig: einfach machen! Um es mit den Worten von Oliver Samwer zu sagen: Aufwachen reicht nicht, man muss auch aufstehen!


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