Frau läuft durch Feld
Unsplash/ Quelle: pixabay.com unter CC0 Public Domain

Mit dem Start-up eigene Wege gehen

Einen eigenen ›Laden‹ aufmachen – die beiden Brüder Julian und Nils Stentenbach haben diesen Schritt geschafft

Sie sind jung, dynamisch und engagiert: Die Brüder Julian und Nils Stentenbach haben – nach ihrem Mechatronik-Studium an der Hochschule Bochum und einem kurzen Zwischenstopp in verschiedenen Industrieunternehmen – den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und 2011 ihre Firma Voltavision im Bochumer Technologiequartier gegründet. »Als hochmodernes Entwicklungs- und Testzentrum betreiben wir Prüfstände für Leistungselektronik und Energiespeicher für verschiedenste Anwendungen«, erklärt Julian Stentenbach. »Wir unterstützen damit unsere Kunden bei der Prüfung und Absicherung ihrer Produkte«, fügt Nils Stentenbach ergänzend hinzu. Hierbei geht es insbesondere um die Funktionsabsicherung von Hochvoltbatterien für Elektrofahrzeuge – damit es später in der Anwendung keine Pannen gibt.

Für Technik und Elektronik haben sich die Stentenbachs schon immer interessiert: »Deshalb kam für uns auch nur ein Mechatronik-Studium an der Hochschule Bochum in Frage.« Beide absolvierten zuvor eine Ausbildung zum Mechatroniker, hatten Spaß an diesem Beruf gefunden und wollten ihr Fachwissen gerne weiter vertiefen. Während ihrer Studienzeit waren Julian und Nils aktiv im hochschuleigenen Solarcarteam tätig. Das hat sie nachhaltig geprägt: »Ich habe mich insbesondere um das Batteriemanagement und um die Lithium-Ionen-Akkus gekümmert«, erinnert sich Nils Stentenbach, »ich bin nach wie vor von der Idee, elektrisch und energieautark zu fahren, total begeistert.« Sein Bruder Julian war an der Entwicklung der Motoren beteiligt und über ein Jahr lang Leiter des Solarcarprojektes.

Nachfrage plus gut Idee ergibt ein Start-up

Während der 30-jährige Nils 2009 sein Studium abschloss und in verschiedenen Forschungsprojekten an der Hochschule und unter anderem bei einem großen Automobilhersteller tätig war, machte sein zwei Jahre jüngerer Bruder Julian ein Jahr später seinen Studienabschluss. »In dieser Zeit haben wir schon gemerkt, dass unser Fachwissen sehr gefragt ist. Hier ging es speziell um die Entwicklung und Prüfung von Batterien für den elektrischen Antriebsstrang«, erinnert sich Nils Stentenbach, »es gibt kaum Firmen, die sich auf die Prüfung komplexer Hochvoltkomponenten spezialisiert haben und wir glauben, dass es hier noch einiges zu tun gibt. So sind wir dann auf die Idee gekommen, uns mit einer eigenen Firma selbstständig zu machen.«

Dabei konnten die Brüder von ihrem Engagement während der Studienzeit profitieren: »Schon während meiner Arbeit an den Solarcar-Batterien habe ich mich intensiv mit deren Anforderungen und Leistungen beschäftigt«, sagt Nils Stentenbach. So hat er umfangreiche Benchmarks und Messungen für die Parametrisierung des Batteriesteuergerätes an verschiedenen Zellen durchgeführt. Mit den selbstentwickelten Batterien konnten auf einem Prüfstand dann ganze Streckenteile des Solarrennens nachgefahren werden. »Wir wollten herausfinden, wie sich diese Batterien – später unter Dauerbelastung – im Solarauto verhalten werden und welche Reichweiten unter realen Bedingungen erreicht werden können. Das ist heute unsere tägliche Arbeit«, erklärt Nils Stentenbach.

Teamwork und gutes Arbeitsklima im Start-up

Voltavision bietet zum Beispiel Lebensdauer- und Perfomanceprüfungen für einzelne Zellen und große Batteriesysteme an. »Unsere Tests und Prüfungen sollen helfen, rechtzeitig Fehler zu entdecken, um ein frühzeitiges Systemversagen in der Applikation zu vermeiden«, sagt Nils Stentenbach, »wir unterstützen unsere Kunden bei der Umsetzung ihrer Anforderungen, entwickeln zum Beispiel gemeinsam neue Strategien für das Prüfen von einzelnen Zellen bis hin zu komplexen Hochvolt-Systemen.«

Bei Voltavision herrscht unter den jungen Geschäftsführern eine gute Aufgabenverteilung und ein prima Arbeitsklima: Während sich Nils Stentenbach um die Technik, hier insbesondere um die Prüfung der Batterien, um Kundenkontakte und um die Akquise kümmert, ist sein Bruder Julian für die Finanzen und die Auftragsabwicklung zuständig. Innerhalb der vergangenen zwei Jahre haben die Stentenbachs so schon eine Menge auf die Beine gestellt, Labore eingerichtet, Prüfstände aufgebaut und wichtige Kundenkontakte geknüpft und gepflegt. Mittlerweile hat ihr Unternehmen acht Mitarbeiter – hauptsächlich ehemalige Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter der Hochschule Bochum.

Selbstständigkeit erfordert viel Zeit und Arbeit

Nils Stentenbach gibt seine Erfahrungen, die er bisher sammeln konnte, gerne weiter: »Wer schon während seiner Studienzeit eine Idee hat, die sich beruflich auch gut umsetzen lässt, sollte diese nicht aus den Augen verlieren. Irgendwann kommt der richtige Zeitpunkt.« Er gibt aber zu bedenken: »Man muss auch sehr viel Spaß an seinem Job haben, denn unsere Selbstständigkeit erfordert viel Zeit und viel Arbeit. Auch die Kundenakquise ist gerade am Anfang sehr wichtig: Auf Fachmessen und Kongressen knüpfen wir die meisten Kontakte zu potenziellen Kunden.«

Zu ihren Auftraggebern gehören nicht nur große Firmen, sondern auch kleine und mittelständische Unternehmen, die diese Aufgaben nicht in den eigenen Räumen durchführen können. »Wir haben uns bewusst eine Nische zwischen der klassischen Umweltsimulation, den Sicherheits- und Abuse-Tests gesucht, um uns damit auf Lebensdauer- und Performanceprüfungen spezialisieren zu können. Dafür stehen perfekt ausgestattete Prüfstände zur Verfügung«, freut sich Nils Stentenbach. Doch das ist noch nicht alles: Um die Kunden umfassend bedienen zu können, arbeitet Voltavision mit ausgesuchten Partnern zusammen. Dazu gehört auch das Institut für Elektromobilität der Hochschule Bochum. So werden in Kooperation zum Beispiel Messungen von mechanischen Schwingungen bei gleichzeitiger elektrischer und klimatischer Belastung durchgeführt, um das Systemverhalten möglichst realistisch nachzubilden. Im wissenschaftlichen Bereich unterstützen die Stentenbachs Forschungsprojekte, Master- und Bachelorarbeiten werden ebenfalls von ihnen betreut.

Ein Ziel von Voltavision ist es, die Entwicklung sowie die schnelle Marktreife von Hybrid- und Elektrofahrzeugen zu unterstützen. »Diese Technologie ist noch recht jung, deshalb herrscht auf dem Markt noch Unsicherheit. Das wird sich aber in nächster Zeit sicherlich ändern«, prognostiziert Nils Stentenbach, »denn in einigen Jahren kann sich auf diesem Sektor durch Normung und Standardisierung vieles vereinfachen und reduzieren.« Obwohl der Anteil an Hybrid- und Elektrofahrzeugen auf deutschen Straßen noch recht klein ist, ist die Nachfrage für diese Prüfdienstleistungen schon jetzt sehr hoch. »Denn der Energieträger der Zukunft«, zeigt sich der jüngere der beiden Brüder überzeugt,»ist elektrisch!« nsn


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