Tatjana, Peter, Tobias und Jonas diskutieren mit Petra von der audimax Redaktion über Ernährung
Tatjana, Peter, Tobias und Jonas diskutieren mit Petra von der audimax Redaktion über Ernährung Evelyn Eberl, audimax

Streitgespräch Ernährung: Schmeckst du den Unterschied?

Vegan, Bio, vegetarisch, immer dem Genuss nach oder Steinzeit-Methode? Vier studentische Esser diskutieren über Sinn und Preis von gutem Essen

  • Jonas, 28, studiert BWL, war mal Veganer und legt heute noch viel Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit. Auf den Veganer-Talk hatte er irgendwann keine Lust mehr.
  • Tobias, 30, studiert Lehramt, kocht gerne ausgiebig und wenn möglich ohne Tier- und Industrieprodukte. Schmecken muss es auch.
  • Tatjana, 27, studiert Medienmarketing und mag es schnell und unkompliziert. Zeit und Geld sind knapp, da tut es auch mal was vom Bäcker.
  • Peter, 26, studiert Wirtschaftsingenieurwesen und isst, was ihm schmeckt und was der Studentengeldbeutel hergibt. Mensa geht auch mal ganz gut.

Peter, du bist Mitorganisator des Erlanger Laufgelages*, ein Kochevent, bei dem sich über 2.200 Studenten gegenseitig bekochen. Bei all den verschiedenen Essvorlieben, wie funktioniert das?

Peter Die Teilnehmer können bei uns angeben, ob sie Vegetarier oder vielleicht Veganer sind. Wer Pilze hasst oder Probleme mit Milchprodukten hat, kann das genauso anmerken. Erfahrungsgemäß werden aber gar nicht so viele Spezialwünsche geäußert, höchstens Allergien oder wenn jemand etwas partout nicht mag.

Was denkt ihr über Spezial-Esser, sind die überhaupt gesellschaftsfähig?

Jonas Spezial-Esser müssen Kompromisse eingehen. In meiner veganen Zeit habe ich bei Partys eben vorher schon etwas gegessen. Ich wollte nicht, dass sich jemand für mich Umstände machen muss. Noch dazu ist es auch gar nicht so leicht, wirklich schmackhaftes veganes Essen zuzubereiten. Ich habe meine Leute auch mal auf einen veganen Döner eingeladen – den haben auch die Fleischesser nach ein wenig Murren gern gegessen.

Peter Ich als Allesesser bin da flexibel: Ein Freund hat sich während der Fastenzeit nach der Paläodiät ernährt, eine Art Steinzeiternährung ohne industriell hergestellte Lebensmittel. In dieser Zeit haben wir uns beim WG-Abend eben darauf eingestellt und auch mal gemeinsam ein Paläogericht gegessen. Wenn er aber dauerhaft Ansprüche stellen würde, wäre das schon nervig.

Glaubt ihr, wir machen uns insgesamt zu viele Gedanken über das Thema Essen?

Tobias Insgesamt ist die Debatte manchmal schon etwas dogmatisch. Die Leute schauen in einen der vielen Ratgeber, glauben daran, dass Gluten der größte Feind ist und achten später gar nicht darauf, was ihr neuer Ernährungsglaube mit ihnen macht. Gesamtgesellschaftlich machen wir uns tendenziell aber eher noch zu wenige Gedanken.

Tatjana Ich finde eher, dass sich manche Leute zu viele Gedanken darüber machen. Mein Bruder ist beispielsweise momentan sehr auf Eiweiß bedacht: Eiweiß-Brot, Eiweiß-Shake, nur weißes Fleisch und auf keinen Fall Käse oder Käse nur mit einem gewissen Fettanteil. Das ist mir zu viel, das kann ich so nicht nachvollziehen.

Jonas In den Medien werden beim Thema Essen ja auch hauptsächlich Schubladen bedient, Veganer als militante Tierschützer und Fitness-Esser als Freaks, das finde ich schade. Trotzdem finde ich es auf der anderen Seite sehr gut, wenn diese Diskussion überhaupt geführt wird, gerade in Hinblick auf Massentierhaltung und ähnlichem. Denn unsere Ernährung trägt schon auch zu anderen Problemen bei.

Peter Ich finde, medial wird hauptsächlich so etwas thematisiert wie ›Wie nehme ich 15 Kilo in drei Tagen ab‹. Da hat man manchmal auch den Eindruck, dass da etwas wild in den Raum geworfen wird. Eine wirkliche Debatte ist das nicht.

Ist Essen etwas politisches? Dürfen Politiker wie in den USA beim Verbot des Supersize-Softdrinks in unser Essverhalten eingreifen?

Tobias Es bringt nichts, so etwas von oben herab zu reglementieren. Dann kaufen sich die Leute eben zwei kleinere Becher.

Peter Essen ist per se meiner Meinung nach kein politisches Thema, sondern vielmehr gesellschaftlich verwurzelt. Der Fastfood- und Softdrink-Wahn hat sich in der amerikanischen Gesellschaft auch deswegen so entwickelt, weil Imbissessen dort viel weniger kostet als eine selbst zubereitete Mahlzeit. Das ist eine ganz einfache Rechnung: Warum soll ich drei Stunden investieren, um mir etwas zu kaufen und selbst zu kochen, was ich für einen Drittel des Preises in zwei Minuten beim nächsten Sandwich-Shop bekomme.

Wenn Essen eine Geldfrage ist, wie sehr beschränkt euer Geldbeutel euer Einkaufs- und Essverhalten?

Peter Bei mir schränkt der Geldbeutel schon ein, was auf den Tisch kommt. Ich esse sehr gerne Fisch und etwa bei Lachs kosten 100 Gramm gleich zwei bis drei Euro, bei Schrimps oder Garnele ist das genauso. Oder auch bei Wurst, ob ich die abgepackte Wurst aus dem Regal oder die Ware vom Metzger nehme, dann ist das schon eine preislicher Unterschied. Wenn ich mehr zur Verfügung hätte, würde ich auch anders einkaufen.

Tatjana Bei mir ist es nicht unbedingt nur das Geld, da spielt auch der Zeitfaktor eine Rolle. Ich studiere und habe zwei Jobs nebenbei – da kaufe ich auch mal schnell etwas Günstiges beim Bäcker. Abends habe ich auch keine Lust, mich noch lange in die Küche zu stellen, um mir etwas zu kochen. Teure Bio-Eier würde ich aber wahrscheinlich auch mit mehr Geld und Zeit nicht kaufen.

Tobias Das Preisargument überzeugt mich nicht. Kocht man ein Essen aus frischem Bio-Gemüse ist das sicher günstiger als ein Fertiggericht mit Fleisch. Bei Eiern würde ich schon darauf achten, dass sie ein Bio-Siegel haben, allein der Hühner wegen. Aber auch in Biobetrieben werden manchmal die männlichen Küken vergast und geschreddert. Deswegen kaufe ich lieber gar keine Eier.

Peter Bei Eiern kaufe ich auch die günstigen. Denn hier schmecke ich den Unterschied einfach nicht. Wenn ich für etwas mehr Geld ausgeben würde, dann wäre das wahrscheinlich der Qualität wegen und nicht aufgrund der ethischen Produktion.

Jonas Ich kaufe zu etwa 80 Prozent Bio-Produkte ein und finde schon, dass man den Unterschied merkt, auch bei Eiern. Trotzdem ist Bio ja auch nicht immer gleich Bio, da muss man aufpassen.

Unabhängig vom Bio-Siegel, achtet ihr auf die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln?

Tatjana Das habe ich mal versucht, aber eher aus Gruppenzwang. Denn meine Freundinnen sind sehr dahinter her, wie viele Kalorien wo drin stecken. Aber diese ganzen Abkürzungen auf der Packung überfordern mich dann. Mindestens einen Inhaltsstoff kenne ich dann überhaupt nicht und auf eine große Recherche habe ich dann keine Lust.

Jonas Da ist diese Barriere, dass du dich zwangsläufig informieren musst. Das aber machen die wenigsten. Ein paar Leute informieren sich wirklich intensiv, aber dem Großteil ist das egal. Auch ich vertraue einfach den Bio-Marken, die ich kaufe.

Tobias Mich stören vor allem Stoffe, die nur der Optik wegen drin sind, damit es vielleicht ein bisschen cremiger aussieht. Das ist wirklich unnötig.

Jonas Das kannst du heute kaum mehr vermeiden, auch nicht bei Bioprodukten. Wer wirklich cleane Lebensmittel möchte, muss sie wahrscheinlich komplett selbst herstellen.

 

*Das ›Laufgelage‹ in Erlangen wird von Mitgliedern des Vereins Deutscher Wirtschaftsingenieure (VWI) organisiert und hat sich zu einer festen Konstante im Semesterspeiseplan von über 2.200 Erlanger Studierenden etabliert. Zweierteams bekommen je einen Gang eines Drei-Gänge-Menüs zugelost, bekochen sich gegenseitig und feiern später gemeinsam bei der großen Afterparty den Gewinner des ›Goldenen Kochlöffels‹ für das schönste Essensbild des Abends, veröffentlicht auf der Facebookseite des Events.

 

 


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