Sport und Studium sinnvoll verbinden

Ob Schach oder Ski, Yoga oder Joggen - Wir sagen dir, wie du Sport und Studium verbindest.

Sport und Studium sinnvoll verbinden
Sport und Studium sinnvoll verbinden lama-photography/ Quelle:PHOTOCASE

Sport ist Mord.‹ Diesen Satz streichen wir von jetzt an aus unser aller Gedächtnis! Dass die körperliche Ertüchtigung gerade für Studenten zahlreiche positive Auswirkungen mit sich bringt, dürfte sich mittlerweile ja sogar unter den allergrößten Couch Potatoes herumgesprochen haben. Mehr Muckis, weniger Speck auf den Studi-Rippen und längeres Durchhaltevermögen (in jeglicher Hinsicht!) sind schließlich handfeste Beweise. Wer’s immer noch nicht glauben mag – bitteschön, lassen wir die Experten zu Wort kommen: »Sport hat nachweislich eine positive Wirkung auf die Gesundheit und das Herz-Kreislaufsystem und damit auf das Immunsystem. Gerade für die kalte Jahreszeit kann man sich durch Sport gut abhärten«, erklärt Klaus Beer, stellvertretender Leiter des Zentralen Hochschulsports (ZHS) der TU München. Felix Arnold, Lehramtsstudent der Fächer Sport und Englisch und studentisches Vorstandsmitglied im Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband (ADH) kann das nur bestätigen und fährt fort: »Außerdem werden Muskeln auf- und Fett abgebaut. Das formt den Körper, Übergewicht hat keine Chance. Die Glückshormone, die beim Sport ausgeschüttet werden, sorgen dafür, dass wir uns hinterher trotz Erschöpfung immer so gut fühlen.«

Mit den Auswirkungen, die der Sport auf die studentische Psyche hat, kennt sich Dr. Christian Heiss, diplomierter Sportpsychologe, besonders gut aus. Der 34-Jährige rät zum Sport als Ausgleichsaktivität zur Kopfarbeit, da er sich perfekt eigne, vom Alltag abzuschalten und den Kopf frei zu bekommen. Darüber hinaus biete Sport, besondersMannschaftssport, eine ideale Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften aufzubauen.

Keine Ausreden - ab zum Sport!

Ein durchtrainierter Körper, Glückshormone, mehr Freunde: Klingt doch alles ganz gut, oder? Dann nichts wie ab in die alten Sportschuhe, die seit Abizeiten den Turnbeutel nicht mehr verlassen durften. Schließlich gibt es nun keine Ausreden mehr. Doch stopp! Überstürzen solltest du trotz aller Anfangseuphorie nichts. Zunächst gilt es nämlich, den Stundenplan nach freier Zeit zu durchforsten. Waren Magister- und Diplomstudenten noch so flexibel, sich auch mal spontan zum Fußball mit Freunden verabreden zu können, ist in Zeiten modularisierter Durchs-Studium-Hechelei gute Planung angesagt, damit der Sport nicht als Belastung empfunden wird. Klaus Beer kann davon ein Lied singen:

»Seit der Bolognareform machen wir ganz spezielle Beobachtungen: Zum einen ist es gerade für Bachelorstudenten schwer, Zeit für Sport zu finden, zum anderen bleibt gerade auch in der vorlesungsfreien Zeit kaum Gelegenheit dazu, da Prüfungen und Praktika anstehen oder die Studierenden jobben müssen.«

Eine Studie der Universität Göttingen aus dem Jahr 2011, in der die Wissenschaftler das Gesundheits-, Sport- und Bewegungsverhalten von Studierenden genau unter die Lupe genommen haben, bestätigt zudem, dass sich seit der Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen oder Konzentrations- und Lernschwierigkeiten häufen. Die Ursachen sind Prüfungs- und Zeitdruck, die in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Eine Zwickmühle, denn gerade in Prüfungszeiten ist Sport besonders sinnvoll. Daher ist es lobenswert – und auch das beweist die Göttinger Studie – dass sich die meisten Studenten von der Zusatzbelastung im Studium nicht einschüchtern lassen wollen. Sie versuchen dennoch, Sport zu treiben, bevorzugen aber eben unverbindlichere Sportangebote. Fitness statt Fußball, heißt meist die Devise. Individualität hin oder her, wenn du trotzdem lieber gegen einen Ball trittst oder jenen über ein Netz schmetterst, als alleine vor dich hin zu joggen, solltest du dir die nötige Zeit auch freischaufeln.

Gute Organisation ist da das Zauberwort. Sportpsychologe Dr. Heiss rät zu klassischen Tricks aus dem Zeitmanagement: »Wichtig ist es, klare Termine zu machen und diese in den Terminkalender einzutragen wie eine Vorlesung. « Sportstudent Felix Arnold weiß, warum das so sinnvoll ist: »Geregelte Tages- und Wochenpläne geben in der hektischen Prüfungsphase Struktur und Sicherheit. Verabrede dich mit Kommilitonen«, schlägt der 24-Jährige vor, »das schafft Verbindlichkeit und macht mehr Spaß.«

Hab Spaß beim Sport!

Spaß – genau das richtige Stichwort für die Wahl der geeigneten Sportart. »Grundsätzlich soll man das machen, was Spaß macht, denn sonst ist die Gefahr groß, den Sport schnell wieder aufzugeben«, ist Klaus Beer vom ZHS überzeugt. Dr. Heiss sieht eine weitere Komponente, die du bei deiner Entscheidung berücksichtigen solltest: »Die gewählte Sportart muss zur Persönlichkeit des Studierenden passen. So gibt es ›Adrenalinjunkies‹, die, psychologisch betrachtet, eine hohe Ausprägung in der Facette ›Sensation-seeking‹ haben. Solche Personen brauchen natürlich eine Sportart, bei der Adrenalin durch den Körper fließt, beispielsweise besser Sportklettern als Schach. Daran wird auch die komplexe Interaktion zwischen Psyche (Person) und Situation (Sportart) deutlich.« Klaus Beer, der selbst Diplom-Sportlehrer und staatlich geprüfter Skilehrer ist, empfiehlt generell lieber »bewegungslastige Sportarten, die auch einen nachweisbaren Trainingseffekt mit sich bringen. Diese unterstützen die sogenannten motorischen Grundeigenschaften wie Ausdauer, Kraft und ein bestimmtes Maß an Koordinationsfähigkeit«. Der zukünftige Sportlehrer Felix Arnold fügt hinzu:

»Gut für Studenten eignet sich eigentlich alles, was schnell zu erreichen ist, nicht zu lange dauert und Spaß bringt. Das kann eine Menge sein – von Laufen, Zumba, Kraftsport bis hin zu Klettern, Schwimmen oder Trendsportarten wie Ultimate Frisbee.«

Apropos Trend: Wie sieht es eigentlich mit Sportarten oder Entspannungstechniken wie Pilates, Autogenem Training oder Yoga aus, die gerade an jeder Ecke angeboten werden? »Entspannungstechniken haben sicherlich sehr günstige Effekte auf die Psyche und auf das Stresserleben«, so Heiss, »da es hier nicht um die klassische Wettbewerbskomponente geht. Jeder schaut auf sich und bekommt Ideen und Anleitungen für ein sensibleres Körpergefühl.« Gerade für Studenten, die sich im Studium gerne vergleichen und unter großem Leistungsdruck stehen, empfiehlt der Psychologe eher Yoga als Boxen, um den Druck nicht noch mehr anzuheizen. Wenn du den Lohn deiner sportlichenVerausgabung lieber irgendwann im Spiegel sehen möchtest, solltest du dich für eine aktivere Sportart entscheiden, »um einen Trainingseffekt zu erreichen«, findet Klaus Beer und ergänzt: »Aber nicht zuletzt dient ja jeder Sport der Entspannung «.

So trainieren Studenten effektiv!

Trainingseffekt – das klingt vielversprechend, doch wie oft sollte man Sport treiben, damit sich die positiven Effekte am besten bemerkbar machen? Klaus Beer empfiehlt, sich etwa drei bis vier Mal pro Woche körperlich zu verausgaben, »dann reicht auch einmal eine halbe Stunde. Eine Faustregel gibt es zwar nicht«, erklärt der 51-Jährige, «generell aber gilt: Lieber mehrere kurze Einheiten als einmal intensives Training. So können Studierende besser vom Sport profitieren.« Auch aus gesundheitspsychologischer Sicht solltest du dich nicht gleich überfordern. Sonst wird aus dem Spaß schnell Stress. Dazu gehört es auch, die Einstiegsbarrieren der verschiedenen Sportarten realistisch zu betrachten und die eigenen körperlichen Voraussetzungen richtig einzuschätzen, wie Dr. Heiss zu bedenken gibt: »Manche Sportarten, beispielsweise Wellenreiten, sind sehr attraktiv, haben aber hohe Eingangsvoraussetzungen. Das gilt sowohl für geografische Faktoren – schließlich braucht man gute Wellen – als auch für die sportlichen Fähigkeiten, da es recht lange dauert, bis sich Erfolgserlebnisse einstellen.« Für solche Sportarten, dazu gehören zum Beispiel auch Tauchen, Klettern oder Snowboarden, solltest du besser vorab einen Kurs besuchen – so kannst du erste Techniken von einem geübten Trainer erlernen und ausloten, ob du dir vorstellen kannst, diese Sportart auch in Zukunft mit Freude zu betreiben. Weiterer Pluspunkt: Die oft teure Ausrüstung kannst du dir in den meisten Fällen gegen eine geringe Gebühr leihen.

Da wir schon beim Thema Gebühren sind: Sport – egal um welche Disziplin es sich handelt – kostet Geld. Mal mehr, mal weniger. Allerdings solltest du nicht am falschen Ende sparen. Sobald du weißt, dass Laufen zu deiner neuen Leidenschaft wird, lohnt sich eine Investition in gute, perfekt sitzende Laufschuhe, sonst riskierst du schwerwiegende gesundheitliche Folgen. Dafür lässt es sich beispielsweise bei der Sportbekleidung sparen, von der es nicht immer die Markenversion sein muss. Felix Arnold, selbst noch Student, kennt auch so manche Tricks, mit denen du ordentlich Geld beiseite legen kannst:

»Die lokalen Hochschulsporteinrichtungen bieten günstige, oft auch flexible Sportangebote. Das ist in meinen Augen Anlaufstelle Nummer eins für Studierende. Darüber hinaus kann man Sport natürlich auch selbst organisieren. Einfach mal die Kommilitonen ansprechen oder die Aushänge am Schwarzen Brett prüfen. Das ist genauso erschwinglich.« Dr. Christian Heiss schlägt vor, »Studentenrabatte auszunutzen, Schnupper- und Einsteigerkurse zu besuchen oder einen Kommilitonen als Lehrer zu engagieren, ihm im Gegegensatz den Unistoff zu erklären und so eine Win-win-Situation zu schaffen«.

Dann ist es so weit und du kannst in dein neues Leben als Sportler starten. Sicherlich ist aller Anfang schwer, es wird Höhen und Tiefen geben und manchmal wird es dir nicht leicht fallen, dich aufzuraffen. ›Sport ist Mord‹ – das war einmal. ›Nimm’s sportlich‹ heißt es von nun an!


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