Foto: Red Bull Content Pool

HandicApp – Innovation aus Red Bull Basement

Kreativ, zukunftsorientiert und innovativ muss es sein: Du hast die Idee - Red Bull hat all das, was du zur Umsetzung brauchst! Mit Red Bull Basement bietet Red Bull ein internationales Projekt, das kreative Lösungsansätze von Studierenden fördert, von zukunftsträchtigen Innovationen lebt und ein großes Netzwerk für den Karrierestart bietet.

 

Mit der Bewerbungsphase im September geht es los. Hier können sich Teams aus den verschiedenen teilnehmenden Ländern mit einem 60-sekündigen Bewerbungsvideo anmelden. In diesem Video gilt es, die Idee so treffend wie möglich zu erklären und die Community zu begeistern, denn nur die Favoriten der ersten offenen Abstimmung kommen in die nächste Runde! An diesem Punkt angekommen, wählt eine nationale Jury eine einzige Idee aus, die das Landrepräsentieren soll und in den Kriterien Umsetzbarkeit, Wirkung und Kreativität überzeugen kann. Das Gewinnerteam kann sich dann auf die Entwicklungsphase freuen: In diesen fünf Wochen giltes, der Idee Leben einzuhauchen und sie in einem eigenen, bereitgestellten Arbeitsbereich mithilfevon internationalen Mentoren umzusetzen.

 


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Das große Finale stellt der intensive Global Workshop dar, der mit Mentoren-Meetings und viel Platz zum Netzwerken gespickt ist und im Final Pitch gipfelt. Hier stellt jedes Team die eigene Idee und die daraus entstandene Innovation vor, um am Ende die Chance zu haben, den Titel „Beste Idee des Jahres“ einzuheimsen.

 

Mitmachen kann übrigens jede*r, der über 18 Jahre alt ist, an einer Hochschule eingeschrieben ist, in einem der Teilnehmerländer lebt und Englisch spricht. Aber es kommt noch besser: Es ist ganz egal, was genau du studierst, Hauptsache deine Idee ist kreativ und zukunftsorientiert! Was du mitnehmen kannst? Zum Beispiel viele Erfahrungen, einen einzigartigen Einblick in die Projektrealisierung - und zwar von Anfang bis Ende - und ein großes internationales Netzwerk zu dem viele internationale Expert*innen gehören und das deiner Karriere und dir einen Boost verpasst!

 

Die deutschen Finalisten, die sich in diesem Jahr bis in den Global Workshop vorgearbeitet haben, sind Jannick Ehrhardt und Tobias Moritz, zwei Studierende der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Sie konnten mit ihrer Idee überzeugen: HandicApp - eine App, die Menschen mit physischen Einschränkungen oder körperlichen Behinderungen die Bedienung mobiler Endgeräte erleichtern soll. Hier beantworten die beiden klugen Köpfe alle Fragen rund um ihre Innovation.

 

Was macht die von Euch entwickelte App?

HandicApp wirkt den Barrieren in der digitalen Welt entgegen, denen insbesondere Menschen mit physischen Einschränkungen oder körperlichen Behinderungen gegenüber stehen. Mit der App ermöglichen wir Usern mobile Endgeräte wie Tablets oder Smartphones mit minimalem Aufwand zu bedienen. Beispielsweise können iOS- und Android-Geräte durch Kopfbewegungen wie Kopfdrehen, Nicken oder Zwinkern gesteuert werden sowie mit gewohnter Sprachsteuerung und Touch.

Zudem bietet HandicApp eine einfache und intuitive Benutzeroberfläche. Diese beinhaltet die wichtigsten und am häufigsten verwendeten Funktionen und Bedürfnisse, wodurch die Anwendung auch für nicht technikaffine Menschen verständlich und bedienbar gemacht wird.

Menschen mit physischen Einschränkungen oder körperlichen Behinderungen können durch die barrierefreie Steuerung der Applikation ein selbstbestimmteres Leben führen. Zum Beispiel können Verwandte ohne jegliche Hilfe von Dritten angerufen werden. Die Anwendung bietet damit eine potente Lösung gegen soziale Isolation, Entfremdung zu Verwandten und mentaler Unterauslastung in Pflege- und Betreuungseinrichtungen.

 

Wie funktioniert sie genau?

Zuerst die technische, etwas komplizierte Erklärung: Die Software bietet die Möglichkeit von einem nonverbalen Kommunikationskanal in der Mensch-Maschine-Interaktion zu profitieren. Dazu wird die Displayzuwendung gemessen und interpretiert. Als Eingabewerte dienen vorab festgelegte Merkmale wie der Zuwendungswinkel des Gesichtes zum Display, der Öffnungsgrad der Augen oder die Position der Ober-/Unterlippe. Dafür wird die Frontkamera des Endgeräts verwendet.

Nun beispielhaft erklärt für eine Person mit Rückenmarksverletzung:

Durch Drehen des Kopfes nach rechts/links oder bewegen nach oben/unten kann ein Feld ausgewählt und damit ein Menü oder eine Funktion aufgerufen werden. Analog erfolgt die Steuerung innerhalb einer Funktion. Durch andere „Bewegungen“ können die Submenüs/Funktionen verlassen werden. Welche Bewegungen dabei welche Navigation initiieren, kann abhängig von der betroffenen Person und deren Einschränkungen individuell konfiguriert werden.

 

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Tobias setzte sich in seiner Thesis mit der Wirkungsweise nonverbaler Kommunikation in der Mensch-Maschine-Interaktion auseinander. Dabei wurde ihm schnell klar, dass die Einbindung eines zusätzlichen Kommunikationskanal in Softwareangebote vielfältige Anwendungsmöglichkeiten eröffnet. Die ursprüngliche Idee ist dann sehr intuitiv entstanden. Unsere Kernzielgruppe sind ja gerade jene Personen, deren verbale Kommunikation eingeschränkt ist und HandicApp kompensiert dieses fehlende Element mithilfe der nonverbalen Steuerung. Das heißt unsere ersten Überlegungen drehten sich vor allem darum, ob und wie wir Kopfbewegungen und Gesichtsausdrücke nutzen können, um eine Interaktion mit dem Gerät zu ermöglichen.

 

Warum wolltet ihr etwas in diesem Bereich machen?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Der größte ist wohl, dass wir beide pflegebedürftige Personen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit im familiären Umfeld haben. Zudem haben wir im Rahmen der Social Innovator Challenge der Uni/FH Würzburg das gesellschaftliche Potential der Idee wahrgenommen und bestätigt bekommen. Und zu guter letzt sind wir glücklich, wenn ein Nutzer sich freut ein Gerät ohne die Hilfe von Dritten bedienen zu können und in einem bestimmten Bereich eigenständig entscheiden kann.

 

Wie ist der Stand der Dinge? Kann man die App schon nutzen?

Zurzeit befinden wir uns noch in der Research und Test Phase und optimieren vor allem die Benutzeroberfläche und die Steuerung entsprechend der Bedürfnisse und Fähigkeiten unserer Nutzer. Unser Prototyp ist zwar schon ohne die Verwendung von Touch/Voice-Control steuerbar, aber HandicApp ist leider noch nicht für die Allgemeinheit verfügbar. Wir arbeiten daran, eine erste marktfähige Version unserer Anwendung 2021 einzuführen.

 

Ihr seid die nationalen Gewinner von Red Bull Basement. Was war das für ein Gefühl, hier zu gewinnen?

Als wir die Nachricht erhalten haben, haben wir uns natürlich riesig gefreut. Bei der großen Menge an Bewerbungen und der Anzahl an wirklich guten Ideen und Projekten ist es für uns eine echte Auszeichnung Deutschland im globalen Finale von Red Bull Basement vertreten zu dürfen.

Außerdem empfinden wir es als Bestätigung für das Vorhaben HandicApp, sowohl vom Publikum als auch von einer Fachjury als Deutschlandgewinner ausgewählt worden zu sein. Wir hoffen das Finale möglichst erfolgreich zu bestreiten und den Gründerstandort Deutschland angemessen zu repräsentieren. Dafür bereiten wir uns im Rahmen der Red Bull Accelerator Phase intensiv auf das Event vor und freuen uns schon der Community unsere Ergebnisse zu präsentieren.

 

Wie sind Eure weiteren Pläne in Sachen Studium und App?

Idealerweise schließen wir unser Studium im kommenden Sommersemester ab und starten im Anschluss daran in Vollzeit an HandicApp zu arbeiten. Bis dahin versuchen wir Studium und HandicApp parallel laufen zu lassen, auch wenn das nicht immer ganz so einfach ist. Unser Plan ist es uns für ein EXIST Gründerstipendium zu bewerben damit unser Projekt universitätsnah 12 Monate weiterzuentwickeln. Aber unabhängig davon, ob der Antrag erfolgreich sein wird oder nicht: Wir wollen mit unserer Idee gründen, da nach den bisherigen Gesprächen mit Nutzern und Stakeholdern der Wunsch nach einer entsprechenden Lösung mehr als deutlich wurde.