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Heiraten während des Studiums: Wichtige Tipps

Mitten im Studium schlägt sie ein wie eine Bombe: Die Liebe. Schnell ist Euch klar, dass Ihr nicht nur auf Zeit zusammen sein möchtet, sondern möglichst für immer. Ein Wunsch, den Ihr mit einer Heirat bekräftigen möchtet. Macht Euch aber vorher umfassend schlau, wie sich Euer Bund fürs Leben auf die finanzielle Situation auswirken könnte. Wir geben Tipps, woran Ihr denken solltet.

Ihr studiert beide oder nur einer von Euch? Ihr wollt heiraten? Gute Idee! Trotzdem: Seid beim Thema Finanzen vorsichtig. Wenn Ihr zum Beispiel BAföG oder andere Unterstützungsleistungen bezieht, kann das verschiedene Konsequenzen haben. Es kann nämlich passieren, dass die Förderung ganz wegfällt oder Ihr gemeinsam mit insgesamt weniger Geld auskommen müsst. Das kann dann schwierig werden, denn die meisten Studenten sind finanziell nicht auf Rosen gebettet.

Deshalb sollten Heiratswillige den Gang zum Traualter nicht gehen, ohne sich vorher ein wenig mit diesen und anderen Themen zu beschäftigen – und in manchen Fällen vielleicht noch ein paar Jährchen warten, bis die finanzielle Situation besser aussieht.

Genauso kostet auch die Hochzeitsfeier viel Geld. Laut Statistik empfinden knapp ein Drittel der Deutschen Kosten von bis zu 5.000 Euro als angemessen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Meistens kostet eine Hochzeit sehr viel mehr Geld. 

Ist von den Eltern kaum oder keine Unterstützung zu erwarten, müssen sich Studenten beim Hochzeitsfest erfahrungsgemäß einschränken. Das muss aber nicht zu Lasten der Feier gehen: Es gibt viele Möglichkeiten, auch mit kleinem Budget tolle Hochzeiten zu feiern.

 


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Bafög kann gekürzt werden oder ganz wegfallen

Zurück zum BAföG: Wenn Ihr beide oder auch nur einer von Euch eine solche Förderung für das Studium erhält, wird Euer Einkommen zunächst zusammengerechnet, um ermitteln zu können, ob Ihr noch BAföG-berechtigt seid oder nicht. Relevant ist außerdem das Einkommen der Eltern des jeweiligen BAfög-Antragstellers – aber nur dann, wenn es sich nicht um elternunabhängiges BAföG handelt.

Generell wird das Einkommen Eures Lebenspartners vorrangig angerechnet, weil er sich mit der Eheschließung unterhaltspflichtig erklärt hat.

Die Höhe des Gesamteinkommens kann sich auch auf die Höhe Eures BAföGs auswirken. Zwar steigen die Freibeträge für Verheiratete, trotzdem kann es passieren, dass Ihr in der Folge als Ehepaar mit einer geringeren staatlichen Förderung auskommen müsst. Dafür aber werden diverse Freibeträge bei verheirateten Studenten berücksichtigt. Profitieren könnt ihr also umgekehrt wiederum bei der Steuererklärung am Ende des Jahres.

 

Beispiele: Wann werden Freibeträge berücksichtigt?

In verschiedenen Situationen werden Freibeträge gewährleistet. Um die entsprechenden Beträge wird bei der Berechnung des BAföG-Satzes das Einkommen der Eltern vermindert.

  • Bei verheirateten Eltern eines BAföG-Berechtigten wird ein großer Freibetrag, bei alleinstehenden Elternteilen ein kleiner Freibetrag berücksichtigt (derzeit 1.890 Euro, ab August 2021 2.000 Euro, beziehungsweise 1.260 Euro/1.330 Euro).
  • Wenn Ihr gemeinsam ein Kind habt, wird ein Freibetrag von 570 Euro pro Kind berücksichtigt.
  • Wenn Du selbst unterhaltspflichtig bist (zum Beispiel Deinem Kind gegenüber) steigt dein Freibetrag um jede Person, der Du Unterhalt zahlen musst. Hat der Unterhaltsberechtigte ein eigenes Einkommen, sinkt der Freibetrag.
  • Wenn eines deiner Elternteile als Einkommensbezieher neu verheiratet ist, ist für den neuen Lebenspartner ebenfalls ein Freibetrag vorgesehen.
  • Ein Freibetrag wird berücksichtigt, wenn Deine Eltern oder Dein Ehepartner weitere Kinder haben.

 

Heiraten kostet Geld

Weil das Geld während eines Studiums meistens sehr knapp bemessen ist, sucht sich ein Großteil der Studierenden einen Nebenjob. Den werdet Ihr wahrscheinlich spätestens dann nötig haben, wenn Ihr eine gemeinsame Hochzeit plant. Selbst, wenn kein großes Fest geplant ist, geht eine Heirat nun mal ins Geld. In den wenigsten Fällen ist in jungen Jahren bereits Erspartes für diesen Zweck zurückgelegt worden.

Es wird gegessen, getrunken und viel Budget in die Dekoration und das ganze Drumherum gesteckt. Auch ein Brautkleid ist nicht umsonst, genauso wenig wie der Hochzeitsanzug. Und natürlich der Ring: Im Grunde das wichtigste Accessoire für Brautpaare, weil er seine Träger stets an den großen Tag erinnert. Ihr dürft auch nicht die Gebühren für das Standesamt, eventuell auch die Passänderung und weitere Kosten für notwendige Formalitäten vergessen. Die größten Kostenfaktoren einer Hochzeit sind erfahrungsgemäß

  • Anzahl der Gäste
  • Location
  • Fotograf
  • Bekleidung (Brautkleid für sie, Anzug/Frack für ihn, möglicherweise Kleidung für Kinder, die Blumen streuen und für Brautjungfern)
  • Beförderung (Auto, Kutsche,…)
  • Deko
  • Musik
  • Speisen und Getränke

 

Kleines Budget? Überlegt ein paar Einschränkungen

Deshalb: Macht Euch vorher Gedanken über Euer Budget für die Hochzeitsfeier und überlegt, wo Ihr einsparen könnt, ohne auf zu viel verzichten zu müssen. Ihr könnt die Feier zum Beispiel auf einen kleinen Kreis an Gästen mit den wichtigsten Personen in eurem Leben begrenzen. Es muss vielleicht nicht der komplette Fußballverein eingeladen werden oder alle Mitglieder Eures Chors. Geheiratet werden kann schließlich auch im engsten Kreis – mit der Familie und den besten Freunden an der Seite.

Eine große Feier könnt Ihr immer noch nachholen. Genauso solltet Ihr überlegen, ob es wirklich eine luxuriöse Hochzeitsreise sein muss, ob Ihr auch mit einer kleineren Reise zufrieden seid, oder als Backpacker durch die Welt ziehen möchtet. Und: Schenkt Euch den Hochzeitsplaner. Die Organisation könnt Ihr selbst in die Hand nehmen und euch dabei von Freunden und der Familie unterstützen lassen.

Die meisten geladenen Gäste beteiligen sich beispielsweise gerne mit Beiträgen für das Kuchenbuffet oder helfen bei Organisatorischen Aufgaben. Darüber hinaus könnt Ihr zu einem gewissen Teil auch Geschenke in das Budget eurer Feier miteinplanen. Habt ihr musikalische Freunde oder Familienmitglieder, könnten diese als Geschenk die musikalische Untermalung der Hochzeit übernehmen.  

Prüft also genau, welche Punkte euch wichtig sind, und wo sich Sparmöglichkeiten anbieten. Die Trauringe zählen hier vielleicht nicht unbedingt dazu, denn sie stellen für viele ein zentrales Element für die Ehe dar und sie sollen schließlich ein Leben lang halten. Dennoch besteht beispielsweise die Option, Euch zunächst für etwas schlichtere Eheringe zu entscheiden, die Ihr mit kleinerem Budget bekommt.

 

Änderung der Steuerklassen gilt auch für Studenten

Eine Hochzeit hat auch bei Studenten Auswirkungen darauf, ob und wieviel Steuern Ihr künftig zahlen müsst: Studierende sind normalerweise in der Steuerklasse I veranlagt. Als verheiratetes Paar müsst Ihr die Steuerklasse wechseln – dafür gibt es verschiedene Optionen. Wenn einer von Euch deutlich mehr Einkommen erwirtschaftet als der andere, bieten sich die Steuerklassen III (für den Besserverdiener) und V (für den, der weniger verdient) an.

Ist Euer Einkommen ungefähr gleich, solltet Ihr Euch in Steuerklasse IV oder IV mit Faktor veranlagen lassen. Welche Kombination der Steuerklassen für Euch als vermähltes Paar am kostengünstigsten ist, solltet Ihr Euch vorher gut durchrechnen. Ihr könnt Euch auch für das sogenannte Ehegattensplitting entscheiden. Dieses Modell wird gern von Verheirateten genutzt, die unterschiedlich gut verdienen, weil das Paar bei dieser gemeinsamen Veranlagung letztendlich weniger Steuern zahlt als wenn jeder einzeln veranlagt wird.

 

Kindergeld wird nicht angetastet

Noch eine gute Nachricht: Kindergeld gibt es trotzdem, egal, ob Ihr während Eures Studiums heiratet. Eine Hochzeit ändert also nichts an dem Anspruch auf Kindergeld, solange Ihr noch in der Ausbildung steckt und das 25. Lebensjahr noch nicht erreicht habt.

Wenn einer von Euch beiden noch an einer Hochschule oder Universität eingeschrieben ist, und der andere bereits in einem Beschäftigungsverhältnis steht, solltet Ihr außerdem prüfen, ob die studierende Person in die Familienversicherung der angestellten Person wechseln kann. Wenn Ihr Kinder aus anderen Beziehungen habt, denkt auch daran, dass Eure Unterhaltsverpflichtung durch die Heirat eventuell neu berechnet werden muss.

 

Janne Drescher