Betriebswirtschaftstudium an der FH

Anti-Spießer? Lisa Reitmaier (23) jucken die Klischees über Studenten der Betriebswirtschaft nicht.

Wieso hast du dich für Betriebswirtschaft (BW) entschieden?

»Ich war eigentlich immer vehement gegen BW – bis ich das Anforderungsprofil gelesen habe, allerdings ohne zu wissen, um welchen Studiengang es sich handelt. Dieses Profil hat absolut meinen Vorstellungen entsprochen; also habe ich mich doch dazu entschlossen, ein ›Spießer‹ zu werden.« Du studierst an der Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule.

Warum genau dort?

»Ich wollte einerseits von zu Hause ausziehen, um ein wenig selbstständiger zu werden, aber andererseits nur so weit weg sein, dass ich trotzdem die Möglichkeit habe, jedes Wochenende heimfahren zu können. Außerdem war mir die FH lieber, weil das Studium praktischer angelegt ist. Solange es den gewünschten Studiengang auch an der FH gibt, würde ich sie immer der Uni vorziehen.«

Welche Eigenschaften sollte deiner Meinung nach jemand haben, der sich für BW einschreiben will?

»Wenn du in der Zeitung über die wirtschaftlichen Probleme eines Unternehmens liest und dann das Bedürfnis hast zu wissen, wo sich diese Probleme in dessen Bilanz widerspiegeln, dann weißt du, dass BW das Richtige für dich ist. Und es sollte dir nichts ausmachen, dass die Klischees, die man über BW-Studenten so hört, durchaus auf Tatsachen beruhen: Männer brauchen länger im Bad als Frauen und stehen auf die Farbe Rosa, sie sind Streber und Machos ...«

Was gefällt dir besonders gut an deinem Studium?

»Ich liebe es, Dinge im Voraus bis ins Detail planen zu müssen – manche Prozesse erfordern eine mehrmonatige Strategieentwicklung. Das Grundwissen, solche Abläufe sinnvoll zu konzipieren, habe ich in der Betriebswirtschaft gelernt. Außerdem habe ich an der FH eigentlich immer einen Studenten gefunden, der mir weiterhelfen konnte, sei es das Ausleihen des Skripts oder die Info, wie ein Professor seine Klausurfragen stellt.«

Gibt‘s neben den Machos noch was, das dich an dem BW-Studium stört?

»Auch wenn es eine FH ist: Wir lernen viel zu viel Theorie. Vor den Prüfungen arbeite ich ein dickes Skript nach dem anderen durch, aber hängen bleibt nicht mal die Hälfte. Zudem sind alle vermeintlichen Fachbegriffe auf Englisch – das ist meiner Meinung nach völlig unnötig.«

Ist denn das Studium international ausgerichtet?

»Es gab ein Semester Englisch mit Prüfung. Bis auf das hatte ich kein fremdsprachiges Pflichtfach. Freiwillig habe ich zwei Semester Spanisch gelernt. Wer aber das Bedürfnis hat, durchgehend englische Vorlesungen zu besuchen, sollte sich für ›International Business‹ entscheiden. Da kommt dann auch ein verpflichtendes Auslandssemester dazu.«

Wie beurteilst du deine Karrierechancen nach der FH?

»An sich als gut. Meine Noten sind zwar nicht die besten, aber nicht alle Personaler legen Wert auf einen Eins-Komma-Schnitt. Ich hoffe, ich ergattere etwas im Bereich der Logistik. Ansonsten bin ich berufstechnisch eigentlich für alles offen.«

Was kannst du Abiturienten raten, die sich für dieses Studium interessieren?

»Lasst Euch auf keinen Fall davon abschrecken, dass Betriebswirtschaft als Studium verschrien ist, das man nur macht, wenn man nichts Besseres weiß. Leute mit so einem Beweggrund studieren dieses Fach eh nicht zu Ende!«


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